Julia - The Scars We Hide - Cover
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Julia The Scars We Hide


  • Label: Calm/Broken Silence
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„Warum wurde es ab 2007 relativ still um Koma (Gesang), Karl Mayr (Gitarre) Alex Schell (Bass) und Sushi (Schlagzeug)? Weltreise? Kidnapping?“ - Wenn Pressetexte absichtlich lustig geschrieben sind, sollen sie meistens vom eigentlichen Thema ablenken: der Musik. Im Falle des dritten Studioalbums der österreichischen Band Julia kann sich das vorliegende Blatt Papier noch so anstrengen, die Stromgitarren, die einem aus den Lautsprechern bereits beim Opener „A hell of a speech“ entgegenbrechen, sind nicht zu überhören. Überhaupt ist „The scars we hide“ eine sehr auffällige Platte. Ständig kracht es, irgendwer schreit, der Bass brummt, der Schlagzeuger knallt einem eine Kostprobe seines Könnens entgegen oder ein melodisches Riff schneidet sich in den Gehörgang.

Der Vierer dürfte seine kurze Auszeit, die der eine als Baby-Pause, der andere als schlichte Erholung angesehen hat, gut genutzt haben. So kraftvoll und stürmisch waren Julia nicht seit... Ja, seit wann eigentlich? Das Debüt „Songs about decay“ (09/2004) war zwar energisch, hatte aber stets den Blick auf die Charts im Auge („Perfect“, „Beautiful“), „Sunrise“ machte es sich mit unspektakulärem Punkrock überhaupt zu gemütlich und nun sind wir schon in der Gegenwart angelangt. Daher lässt sich also konstatieren: „The scars we hide“ ist das druckvollste Stück Musik, das die Vier aus dem Alpenland bislang aufgenommen haben. Zwar perlen die elf Songs aufgrund einer zu tief gelegten Produktion nicht immer glasklar aus den Boxen, aber einen längeren Hörgenuss als der Vorgänger bieten allein die Stücke „Virgin birth“, „Call the ambulance“, „Military first“, „A cause for comfort“ und „Mark of separation“.

Dort zeigen Julia was in ihnen steckt: Koma schreit sich die Seele aus dem Leib, die Riffs zucken verspielt umher, Melodie und Härte geben sich die Klinke in die Hand und zwischendrin sitzt der Hörer und lässt den brodelnden Alternative Rock-Kochtopf über sich ergießen. Das macht jedoch nur solange Spaß bis ein Blick auf die Texte geworfen wird. Koma & Co. scheuen natürlich erneut nicht davor zurück ernste Themen anzusprechen, selbst wenn ihnen die lyrische Komponente (zumindest in Englisch) dazu fehlt. Viele Passagen klingen hölzern, der Gesang dazu wirkt mehr verkrampft als gekonnt, ganz so als würde Koma den Text vor ein paar Minuten bekommen haben. Aber diesem Manko zum Trotz rocken Julia wie bereits erwähnt, was das Zeug hält und sorgen damit sicherlich nicht nur im Wohnzimmer für ordentlich Bewegung. Man kann eben nicht alles haben!

Anspieltipps:

  • Virgin Birth
  • Military First
  • Mark Of Separation
  • A Cause For Comfort

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