Dark Captain Light Captain - Miracle Kicker - Cover
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Dark Captain Light Captain Miracle Kicker


  • Label: Loaf Records/CARGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein neues Sternchen am Himmel des Indie-Rocks ist aufgegangen, will man diversen Fachmagazinen und Onlinerezensenten glauben. Die EP „Circles“ der Indie-Rock-Gruppierung Dark Captain Light Captain hat für rege Begeisterung gesorgt und war für viele nicht einfach nur gut, sondern schon nahezu perfekt. Die Jungs verstehen, im Gegensatz zu den verkrampften Klängen von Oasis, das Psychedelische in ihre Tracks einzubauen und es mit meist warmer, aber immer sicherlich immer dichter Gitarrenmusik, unterlegt mit schwungvollen Drums, auf den Hörer loszulassen.

Von der ersten Sekunde zieht dieses Prinzip auch zu voller Gänze. „Jealous Enemies“ besticht durch ein recht einfaches Grundarrangement, welches sich in einer wunderbaren Atmosphäre widerspiegelt. Schon hier zeigt sich die große Gabe der Band, immer wieder feine, dichte Melodien zu erzeugen, die einen in ihren Bann ziehen. Die einzige Schwäche, und leider zieht sich diese über das komplette Album, sind die „Psychedlic endings“. Dark Captain Light Captain lassen ihren Liedern viel Zeit, zu viel Zeit, um auszuklingen. Der zweite Track „Parallel Bars“ geht ein wenig herunter vom Gas, bringt dafür mit Bläsern, die auch öfters noch auftreten, ein neues Element, das dem Song gegenüber der Eröffnung die nötige Eigenständigkeit verleiht.

Der erste große (ruhige) Knaller ist dann der Titeltrack der bereits im Vorfeld erschienenen EP. „Circles“ baut in der ersten Minute mit Hilfe von Akustikgitarre, Synthesizer und Schlagzeug eine Stimmung auf, wie man sie sonst nur von Radiohead kennt. Auch der hauchende Gesang, der diesmal oft die höheren Töne sucht, unterstützt den Eindruck. Das Klangbild wird stets um Nuancen erweitert und langweilt so zu keinem Zeitpunkt. Besonders das Schlagzeug ist hervorzuheben, welches einen sehr interessanten Rhythmus spielt. Wäre da nicht wieder das viel zu lange Ende, wäre dieser Song unantastbar. Die mysteriöse, dunklere Stimmung bleibt auch im darauf folgenden „Remote View“ erhalten. Klarinetten und Bläser, sowie ein sehr präsenter Bass unterstützen diesmal das Klangbild und lassen weitestgehend vergessen, dass der Track doch ein wenig zu geradlinig ist.

Als hätten sie ihr Pulver verschossen, kommt es nun zu einer Durststrecke auf hohem Niveau. „Questions“ und „Robot Command Centre“ sind beides allerliebste, ruhige Gitarrenlieder, aber die Überraschung und das Besondere bleiben aus und wirklich fesseln will das Klangbild nicht, obwohl die Lieder ohne Frage weich und angenehm in die Gehörgänge finden. Auch „Speak“ hängt ein bisschen zurück gegenüber dem schönen Start. Trotz Pfeifen à la „Young Folks“, Oboen, Klarinetten und Xylophon kommt der Song nicht über das Urteil gut hinweg, da auch hier das Ende einfach kein Ende finden will.

Noch ist aber nicht aller Lieder Ende und so geht es noch mal bergauf. „Spontaneous Combustion“ ist nur der Auftakt, welcher noch nicht so stark wie „Circles“ ist, sich aber durch sein psychedelisches Gesamtbild, dank unkonventioneller Drums und wohl verteilten Synthesizereffekten einen guten Namen macht. Der Höhepunkt des Albums ist dann mit „Everyone We Know“ erreicht. Hier stimmt einfach alles. Die tieftraurige Atmosphäre, welche durch Gitarre und Streicher geschaffen wird. Der Gesang, der Eines wird mit dem Klang der Instrumente und die Steigerung, die anderen Songs verwehrt blieb. Manchmal ist das konventionelle doch genau das richtige. Die einsetzenden Drums geben dem Track mehr Druck und durch den Effekt der Entfaltung bringt der Ausklang genug Abwechslung mit sich, um endlich mal nicht zu lang zu sein.

Die große Enttäuschung ist das abschließende „Miracle Kicker“, welches ein minimalistisches Outro darstellt, welches nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut ist. Die Musik vermag zu entzücken, über vier Minuten werden diese drei Akkorde dann aber doch langweilig. Fast schon unwürdig ist dieser Abschluss für das sehr gelungene Album „Miracle Kicker“. Ein Sternchen sind sie ganz bestimmt schon und das Zeug zum leuchtenden Stern, gar einer Sonne ist durchaus gegeben.

Anspieltipps:

  • Jealous Enemies
  • Circles
  • Everyone We Know

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