Ofrin - On Shore Remain - Cover
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Ofrin On Shore Remain


  • Label: Stamp Records
  • Laufzeit: 56 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Manchmal geht das Leben schon interessante Wege. Zum Beispiel aus Israel in die Welthauptstadt New York, als junge, ambitionierte Sängerin, nach nur einem halben Jahr Aufenthalt zurück in die Heimat, um die zwei Jahre Militärdienst abzuleisten und anschließend noch im Heimatland und auch wieder in den Staaten Musikprojekte zu starten, um letzten Endes in der Europametropole Berlin zu landen und mit Oded K.dar. einen festen Musikpartner zu finden. So sieht es gewiss nicht bei jedem aus, was aber auch gut ist, da dies der Werdegang von Ofri Brin, mit ihrem Kollegen nun unter dem Namen Ofrin unterwegs, ist.

Ofri ist mit einer überdurchschnittlichen Stimme ausgestattet, wie es bei so vielen Leuten der Fall ist, die Musik machen, die gerade auf die Vocals abgestimmt ist. Ofrin machen Kammermusik. Moderne Kammermusik. Als wäre da nur eine Frau im Raum und die Instrumente kommen aus Lautsprechern, elektronisch, abgemischt und klar, schmiegen sich die sachten Beats und leisen Klaviertöne an die Stimme der 24jährigen aus Israel. Das ist stimmungsvoll, beruhigend und knackt (leider) des Öfteren die Fünfminutenmarke. Nicht, dass die Tracks schlecht sind, ganz im Gegenteil. Gerade für die Lounge werden hier klassisch klasse Töne getroffen, von der Sängerin wie auch von Oded. Nur ist die Musik doch irgendwo minimalistisch gehalten und so kommt es bei manch einem Hörer doch zu Langeweile.

Wenn die Fünfminutenmarke dann mal nicht angetastet wird, ist das ein Zeichen für poppige Arrangements. Wie da das Piano untermalte „Better By Far“ und das mit Ohrwurmrefrain gespickten „Time For A Decision“. Der Rest der kurzen Songs klingt dann aber fast schon zwanghaft wieder nach Lounge-Musik. Schwer wird es, so etwas wie Höhepunkte herauszufinden. Da wäre das für Ofrin-Verhältnisse extrovertierte Stück „Sam“ oder das psychedelische „In The Water Too For Long“ (Gone Crazy wäre noch ein guter Titel!). Hier wird gemischt, übertreieben, die experimentelle Sau raus gelassen, wo das Album doch sonst mit Minimalismus glänzt. Auch das exotisch klingende „Stories“ sorgt für positive Verwirrung, zieht sich dann aber doch ein wenig in die Länge

Ofrin machen es ihren Hörern wirklich nicht leicht. Die beruhigende Stimme und die entspannten Tonlandschaften Odeds sind beinahe einen Tick zu harmonisch und manchmal zu minimalistisch gehalten, um über volle Länge überzeugen zu können. Auch fehlt dieser letzte Schliff, um zu sagen, „das ist es!“ Der richtige „Kracher“ (wenn man bei dieser Gattung Musik von so was sprechen kann) bleibt aus und doch gibt es immer etwas zu entdecken. So entsteht eine gute Platte, die sich sehen lassen kann, aber Luft nach oben gibt es immer.

Anspieltipps:

  • I The Water For Too Long
  • Dry
  • Sam
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