Jazzanova - Of All The Things - Cover
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Jazzanova Of All The Things


  • Label: Verve/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Es mag am internationalen Musikmarkt liegen, dass wir oft vergessen, dass es nicht nur in Großbritannien und den USA Hochburgen des künstlerischen Schaffens gibt. Auch Deutschland hat solche Orte vorzuweisen und ganz oben steht die Hauptstadt Berlin! Hier wird im Jahr mehr produziert, aufgenommen und produziert als an vielen anderen Orten der Republik. Klar, es ist ja auch dir größte Stadt Deutschlands, doch da auch auswärtige Interpreten die Atmosphäre und das Flair Berlins gerne genießen, muss diese Metropole schon etwas Besonderes an sich haben. Unter den vielen unbekannten Namen ist auch die DJ-Gruppierung „Jazzanova“, die Kreuzritter des „Neu-Jazz“!

Jazzanhänger der alten Schule werden wohlweislich auf die großen Unterschiede zwischen ihrem Jazz und der Musik von Alexander Barck, Jürgen von Knoblauch, Claas Brieler, Roskow Kretschmann, Stefan Leisering und Axel Reinemer, doch wen stört das schon, wenn es sich um gute Musik handelt. Es ist wahrscheinlich die ordentliche Prise Soul, die für einen Genremix sorgt und die Wurzeln des Jazz öfters verwischt, wie sich schon in den ersten drei Songs erkennen lässt. Sind „Look What You’re Doin’ To Me“ und „I Can See“ Sonnenscheinsingles sondergleichen, die mit brillanten Melodien, die eingängiger und erfrischender kaum sein könnten, ausgestattet, ist „Let Me Show Ya“ ein Lied, das lang ist, ohne langatmig zu wirken. Auch hier ist es dem guten Gastsänger und der funky Musikuntermalung zu verdanken. Jazzanova wissen hier ganz genau was sie tun.

Erst mit „Lie“ betreten wir eine richtige Popschiene. Ein sanfter, ansprechender, der aber nicht ganz an die Stimmung der ersten Stücke anknüpfen kann. Vielleicht ist man vom beschwingten Anfang aber auch nur zu verwöhnt, denn auch das folgende „Little Bird“ ist ein ruhiges Stück, dass aber (dank des Soulgesangs vielleicht?) wieder mehr Atmosphäre und Stimmung ausstrahlt. „Rockin’ You Eternally“ ist dann der Erinnerung an die letzten Jahrzehnte ein wenig zu viel. Unglaublich lässig, aber auch unglaublich nah am Rand zum Kitsch. Dem einen wird es ganz wunderbar gefallen, der andere verzieht die Mundwinkel.

Letztendlich sind sich Jazzanova aber auch um kein Stück Musikgeschichte in Sachen Soul, Jazz und Funk verlegen. In Verbindung mit feinstem Hip-Hop stampft das jazzig-funkige „So Far From Home“ durch die Clubs (und Wohnzimmer) und gehört zu den Stimmungsmachern. Wenn dann mit „What Do You Want“ auch noch eine verbesserte Version von „Rockin’ You Eternally“ gereicht wird, vergibt man die kleinen vorangegangenen Schwächen des Albums. Dass das Pulver noch nicht verschossen ist, beweisen dann das Uptempo-jazzige „Lucky Girl“ und „Gafiera“, die beide auch Züge des Bossa Nova zeigen und damit nicht geizen, bevor „Morning Scapes“ mit der ersten Gastsängerin aufwartet. Hier ist das schon fast klassischer Jazz, der dem Hörer geliefert wird und das ist ja auch gut, denn so lässt sich die Brücke zwischen dem neuen Jazz und seinem Original sauber erkennen. „Dial A Cliché“ ist dann wirklich der langsame Rausschmeißer. Kein Grund zur Hektik, sondern nur Grund noch mal allen Einflüssen Raum zu geben (also, den meisten!) und das Album gemütlich ausklingen zu lassen. Wenn „Of All The Things“ auch noch nicht perfekt ist, hat Jazzanova wieder einmal ein tolles Stück Musik auf den Markt gebracht, dass Anerkennung verdient, denn sie werden ihren Hörern mit dieser mal ruhigen, mal schnellen, aber meist aufmunternden Platte noch viele Tage versüßen.

Anspieltipps:

  • I Can See
  • So Far From Home
  • Morning Scapes

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