Jeff Cascaro - Mother And Brother - Cover
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Jeff Cascaro Mother And Brother


  • Label: Herzog Records/EDEL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Zu perfekt. Das war die große Kritik am Erstling von Tausendsassa Jeff Cascaro, der nun sein zweites Solowerk herausbringt. Am Stil wurde nichts geändert, die Big Band ist dieselbe, da fragt man sich, wie es zur großen Besserung gekommen sein soll. Selbst das Konzept hat sich nicht verändert, ist mit „Love Is In The Air“ auch wieder eine unverkennbare Coverversion auf den Silberling gebrannt. Irgendwo zwischen Soul, Funk und Jazz tobt sich Cascaro wieder aus und hofft ein weiteres Mal auf die Zuneigung von Hörer und Kritiker.

Klar, Neulinge, die der Jazzmusik nicht abgeneigt sind, begeistert Jeff sofort. Diese perfekte Stimme für das Genre und die klar strukturierten, super produzierten Soundcollagen sind genau die richtige Einstiegsdroge. Wie wir an Vorzeige-Bläser Till Brönner aber bereits bemerken durften ist das nicht alles Gold, sondern teilweise nur schön schillerndes Metall, auch wenn das vielen Leuten schon genug ist. Rollen wir das Album einfach mal von hinten auf: „Help The Poor“ hat eigentlich alles, was ein Soullied brauch, wären da nicht die zwei großen Haken, die sich fest im Musikgerüst verankert haben. Erstens: Schön, dass an den Beginn des Albums erinnert wird, doch das ganze hört sich zu sehr nach dem Opener „I Feel Fine“ an (und diese Parallele lässt sich noch öfters ziehen. Lieder-Memory heißt das Stichwort) und zweitens bleiben Sänger, wie auch die Band fast durchgehend auf einem Intensitätslevel. Es macht irgendwann keinen Spaß mehr, vergebens auf eine Steigerung zu warten.

Nicht falsch verstehen: Der Track ist an und für sich gut, genau wie der milde Ausklang „Ella“. Aber eine EP hätte definitiv gereicht. Es macht keinen Unterschied, ob ich nun „Ella“, „When She Sings To Me“, „Follow You, Follow Me“ oder „Anyway“ auflege. Die Stimmung ist stets die gleiche. Bei den erstgenannten ist sie sogar fast identisch. Das bremst den Spaß doch ganz schön aus und so schön Cascaros Stimme ist, nachdem er 53 Minuten lang die Luft gefühlt nicht angehalten hat, hat man ihn schlichtweg satt! Eigentlich eine Verschwendung, sind die Stücke doch an und für sich nicht schlecht und dazwischen verstecken sich sogar noch richtig gute Funknummern wie „Try“.

Jeff Cascaro ruft sein ganzes Potential ab, zieht alle Register, nur zieht er sie zu oft hintereinander. Das ist dann ungefähr so interessant, wenn einer beim Quartett einer den Megatrumpf hat und ja doch immer wieder gewinnt. Öde! Ein Urteil, für das Jeff Cascaro eigentlich viel zu schade ist, doch die fehlende Breite an verschiedenen Klängen auf diesem Album wird ihm zum Verhängnis und so verpufft der Zauber des sonst so zauberhaften Souls. Der traurige Höhepunkt ist „Love Is In The Air“, welches keine Wirkung beim Hörer verursacht, außer dass er sofort das Original hören möchte. Eigenvermarktung funktioniert anders.

Anspieltipps:

  • O Your Own
  • H-H-Hannah
  • Bring It To Me

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