Marillion - Happiness Is The Road Vol. 2: The Hard Shoulder - Cover
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Marillion Happiness Is The Road Vol. 2: The Hard Shoulder


  • Label: Racket Records
  • Laufzeit: 52 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Marillion ist das Rockalbum gelungen, das sie seit Jahren versuchen zu produzieren.

Auf dem zweiten Teil der neuen Marillion-Veröffentlichung findet sich gegenüber dem Konzeptalbum „Essence“ eine lose Ansammlung von Songs. Nutzen wir also die Gelegenheit und zäumen das Pferd von hinten auf – oder anders ausgedrückt: Fangen wir mit dem Höhepunkt an. Mit „Real Tears For Sale“ hat die Band dem stärksten Song das Ende gegönnt. Es ist einerseits ein Marillion-Song alter Klasse mit langsamen Beginn und kräftigen Crescendo-Ende, ohne dass es unerträglicher Krach wird - eine der Stärken von Marillion: Die Songstruktur steht immer im Mittelpunkt, Soli finden nur einen Platz, wenn sie dem eigentlichen Thema des Stücks beitragen. Doch „Real Tears“ ist nicht nur typisch für Marillion, sondern auch ganz typisch für das ganze Album: Es wird nicht (wie schon so häufig in den letzten Jahren) versucht, einen radiotauglichen Hit zu produzieren. Dazu würde der Song mit Refrain und Strophen zwar durchaus taugen, doch nicht in seiner Länge, bedingt durch eine Pause zum Luftholen nach knapp vier Minuten, bis der Song zur endgültigen Entfaltung kommt. Kaum förderlich sind außerdem Flöte und Glockenspiel, die im Einheitsbrei des Radios auch wenige Chancen haben dürften.

Doch nun nochmal von Beginn an: „Thunder Fly“ macht sich außerordentlich gut zum Auflockern der angespannten Gedanken, wenn man gerade zuvor das sehr emotionale „Essence“ genossen hat. Ansonsten dürfte der Song auf Dauer keine große Rolle im Fundus von Marillion spielen. Ganz anders „Planet Marzipan“ und „Asylum Satellite #1“, die in ihrer Komplexität auch auf ein Konzeptalbum gepasst hätten. Besonders viel Freiraum wurde Mark Kelly an den Keyboards gelassen, der – wenn auch dezent im Hintergrund – immer neue Klangteppiche für den dominierenden Gesang von Sänger H zaubert. Ganz anders verhält es sich mit der Rolle von Gitarrist Steve Rothery, der ansonsten für die typischen und Marillion-charakteristischen Gitarrenparts sorgt. Rothery muss sich diesmal zurückhalten. Sogar sein Auftritt zu Beginn von „Asylum Satellite #1“ ist so dezent produziert, wie man es zuletzt auf „Radiation“ gehört hat, nur dass diesmal Produzent Michael Hunter wesentlich bessere Arbeit geleistet hat, als seinerzeit Stewart Every.

Nach diesen beiden komplexen Stücken und den Ausflügen in die Zukunft und ferne Galaxien geht es zurück zu bodenständigen Liebeslieder wie „Older Than Me“, gerne auch wieder mit Glockenspiel, und „Half The World“, dazwischen schiebt sich noch das Trennungslied „Throw Me Out“. Drei kleine Songperlen, die so dahinplätschern, bevor die Musik wieder aggressiver wird. „Whatever Is Wrong With You“ und „Especially True“ sind Rocksongs wie Marillion sie seit Jahren versucht auf CD zu pressen und was bei „Most Toys“ (Somewhere Else, 2007), „Drilling Holes“ (Marbles, 2004), usw. immer mächtig daneben gegangen ist. Mit einer unglaublichen Leichtigkeit scheint es nun zu gelingen und im abschließenden „Real Tears For Sale“ zu gipfeln.

Marillion ist damit das Rockalbum gelungen, das sie seit Jahren versuchen zu produzieren. Diesmal scheint das erneut von Fans vorfinanzierte Album aber endgültig den Druck von der Band genommen zu haben, unbedingt Hits zu schreiben und diese Unverkrampftheit spürt man von der ersten bis zur 53. Minute. So sind zwar auch diesmal keine Hits gelungen, die die Radiocharts beherrschen werden – wahrscheinlich wird es gar kein Song „on air“ schaffen – doch der Fan und jeder Käufer freut sich über neun gelungene, wenn auch nicht alles überragende Songs, ganz ohne einen Ausfall. Die „Skip-Taste“ muss nicht gedrückt werden, zum ersten Mal seit „Brave“ und das ist schon 14 Jahre her.

Anspieltipps:

  • The Man From The Planet Marzipan
  • Throw Me Out
  • Especially True
  • Real Tears For Sale

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