Leonard Cohen Der kanadische Singer/Songwriter ist verstorben

  • 11.11.2016
Artikel teilen:
Leonard Cohen - News
Klicken für Großansicht

Ein Nachruf

Er kam über die Literatur zur Musik und brachte sein erstes Album erst mit 33 Jahren („Songs Of Leonard Cohen“, 1967) raus. Leonard Cohen, der 1934 in Montreal, Kanada geboren wurde, ist in seiner Wahlheimat Los Angeles gestorben. Cohen war eine der eindrucksvollsten Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit. Er wuchs in einem gut situierten Elternhaus auf, verlor seinen Vater, als er neun Jahre alt war und war zeitlebens ernsthaft-introvertiert veranlagt. Trotzdem eroberte er die Herzen der Frauen im Sturm. So hatte er in der Zeit, als er in der New Yorker Künstlerresidenz Chelsea Hotel lebte, unter anderem Affären mit Janis Joplin und Joni Mitchell. Seine sensiblen Lieder versuchten die Mysterien der Liebe und Erotik aufzudecken und hatten zugleich spirituelle Inhalte, die sich mit Schuld und Sühne auseinandersetzten. Leonard war kein stimmgewaltiger Sänger oder virtuoser Gitarrist, aber trotzdem konnten die von ihm erzeugten Schwingungen betören, fesseln und beeindrucken. Die Kombination von schwerwiegenden Worten, einer dunklen, faszinierend-hypnotischen Stimmlage mit zartfühlender Instrumentierung traf den Nerv feinfühliger Menschen und gab ihnen Kraft und Halt.

Nach folkloristisch-kammermusikalisch geprägten Anfangsjahren folgte eine Phase mit Songs, die auch von Synthesizern begleitet werden und deshalb manchmal merkwürdig distanziert klingen. Darunter fällt auch seine am häufigsten gecoverte Komposition „Hallelujah“. Sein Spätwerk wäre vielleicht nie entstanden, wenn ihn nicht seine Managerin übers Ohr gehauen und ein Großteil seines Vermögens veruntreut hätte. So sind uns zumindest mit „Old Ideas“ (2012) und „Popular Problems“ (2014) noch zwei essentiell wichtige Arbeiten überliefert worden. Am 21.10.2016 erschien nun „You Want It Darker“, das dunkle Vermächtnis und ein weiterer Meilenstein in der Diskographie des melancholischen Singer-Songwriters. Cohen scheint den Tod mit klarem Verstand ebenso wie David Bowie und Johnny Cash erwartet zu haben, denn er singt im Titelstück die Textzeile: „I`m Ready, My Lord“.

Leonard war im Alter ausbalanciert, charmant und weise. Er stand wie ein Fels in der Brandung einer verunsicherten Welt, wohl wissend, dass jeder sein Päckchen tragen und irgendwie damit klar kommen muss. Die Besinnung auf die inneren Werte haben bei ihm in den Jahren, in denen er sich in ein buddhistisches Zen-Kloster zurückzog, zu Gleichmut geführt. Der Gentleman hinterlässt uns Verse, die auch ohne Musik funktionieren und für die sich viele Anhänger auch den Literaturnobelpreis gewünscht hätten. Zu seinem Werk gehören Liebe und Leidenschaft genauso wie Trauer, Schmerz und Gottessuche. Er hat Klänge geschaffen, die sowohl als Hintergrund für unzählige Schäferstündchen von Pubertierenden herhalten müssen, aber auch die dunklen Seiten des Daseins erträglicher gestalten können. Nun fliegt er mit den Engeln und überlässt uns unsere Verantwortung für das eigene Leben. Danke für die Inspirationen!

für CDstarts.de

comments powered by Disqus
Weitere Nachrichten