Lars Oppermann - Das Hiob Experiment

  • 24.09.2010
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Eine etwas andere Rock'n'Roll-Geschichte mit wahrem Hintergrund.

Der 33jährige Lars Oppermann könnte dem einen oder anderen Musikinteressierten als ehemaliger Gitarrist der Band Eat No Fish in der Zeit von 1997 bis 2001 bekannt sein. Eat No Fish waren bis zur ihrer Auflösung im Jahr 2007 als mittelmäßig erfolgreiche Alternative-Rock-Band mit zwischenzeitlichem Majorvertrag bei Virgin Records unterwegs und veröffentlichten drei Studioalben. Nach seinem Ausstieg bei Eat No Fish startete Oppermann die Bands Dan Hiob und Superstarfuckers. Dan Hiob war anfangs nur ein Nebenprojekt der Superstarfuckers, die als gut gebuchte Cover-Band die Kohle ins Haus holte. Dan Hiob war und ist dagegen eine Herzensangelegenheit mit eigenen Texten und eigenen Songs. Im Juli 2007 wurde Dan Hiob zum besten norddeutschen Newcomer Act gewählt („Radio FFN New Sensation“) und für das erste Quartal 2010 steht die Veröffentlichung des ersten Studioalbums der Band auf dem Plan.

Vorab erscheint im Oktober 2009 ein als Bandchronik getarnter Roman von Lars Oppermann, der sich als perfekter Appetitmacher für das erste Dan-Hiob-Album herausstellt. Dabei beginnt alles ganz harmlos. Es ist das Jahr 2003 und der Hauptprotagonist, Musiker Dan, muss einen Job als Aushilfskraft in einer Videothek annehmen, weil seine Bands Dan Hiob und Superstarfuckers nicht genug Kohle zum Überleben abwerfen. Warum, erfährt der Leser bereits recht früh. Auf Proben haben die Musiker nicht gerade großen Bock, dafür tingeln sie lieber von Festival zu Festival und genießen das „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“-Leben. In diesem ersten Drittel des Buches arbeitet Lars Oppermann den Charakter von Dan als sympathischen Hallodri sehr schön heraus und der Leser kann am Leben eines vermeintlichen Rockstars teilhaben. Das Ganze ist charmant, witzig und stellenweise auch bitter-sarkastisch beschrieben. Oppermann greift dabei auch zu deftigen Worten, wenn sich Dan den liebsten Dingen seines Daseins widmet, freilich ohne die Radikalität von Charlotte Roches‘ „Feuchtgebiete“ zu erreichen.

Der Sänger und Texter von Dan Hiob sagt zu keiner Droge und zu keiner mehr oder weniger Sex-willigen Frau nein und wurschtelt sich so durch sein Leben, bis er auf einer Hochzeitsfeier auf die 34jährige Judith trifft, die sein Leben komplett verändern wird. Der Provinz-Rocker scheint verliebt zu sein – oder doch nicht? Und was gehen im Backoffice der Videothek von Besitzer Walter für eigenartige Geschäfte ab, für die sich gewiss auch die Polizei interessieren dürfte? Woher kommen Dans Blackouts und was ist ein Tourette-Roulette? Fragen über Fragen, bei denen sich mehr und Realität und Fiktion vermischen und aus einer unterhaltsamen Geschichte um die Band Dan Hiob plötzlich ein spannender Kriminalroman wird. Dieser flacht zwar im letzten Teil etwas ab, wenn die Geschichte minutiös aufgeklärt wird, doch das liegt nur daran, dass zu diesem Zeitpunkt der Spaß längst ein Ende hat und Dan in ernsthaften Schwierigkeiten steckt...

„Das Hiob Experiment“ hat 224 Seiten, kostet 14,99 Euro und ist am 30. Oktober 2009 bei Mauritz & Grewe erschienen.

für CDstarts.de

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