Nikki Sixx - Leben heißt Leiden

  • 06.10.2013
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Mit Morbidität, aber auch erdrückender Ehrlichkeit, zieht Sixx den Leser in den Abgrund.

Im Jahre 2009 veröffentlichte Nikki Sixx, Bassist und Gründer von Mötley Crüe, sein „Tagebuch eines Heroinsüchtigen“ und fing langsam aber sicher an, sein von außen als das einer schillernden Persönlichkeit des Glams gesehenes Leben als ganz persönliches Sleaze-Album zu demaskieren. Seine Biographie verkaufte sich gut und wurde in der Öffentlichkeit beachtet und kontrovers diskutiert. Selbst seine Kritiker verstanden den Mann plötzlich eine ganze Ecke besser - der schonungslose und ehrliche Bericht über die Selbstzerstörung eines Menschen erinnerte an die dunklen Seiten eines Rockstars, welche bis auf Ausnahmen in den letzten Jahren immer weiter in den Hintergrund gerückt sind. Und dafür, dass Nikki Sixx wie seine Kollegen der Prototyp eines schnell lebenden Hedonisten ist, rührte er mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit und Einsicht, welche bewies, dass auch ein solcher Mensch über die Jahre an Reife gewinnen kann.

Mit „Leben heißt Leiden“ legt Nikki Sixx nun nach. Trotz des plakativen Titels (original heißt es „This is gonna hurt“) wird schnell deutlich, dass der Name Programm ist. „Leben heißt Leiden“ ist mehr als nur eine Fortführung seiner Biographie. Das gebundene und mit Hochglanzdruck edel daherkommende Werk, verbindet die Lebensgeschichte mit Gedichten und der Fotokunst von Herrn Sixx. Sein weiteres Standbein, die Fotografie, wirkt für ihn wie ein Befreiungsschlag, „wie Meditation“ - die zum Teil doppelseitigen Aufnahmen besitzen eine Intensität, welche gleichermaßen bedrückend wie faszinierend ist. Abbildungen von Fetisch, Fettleibigkeit, Verkrüppelungen, geistigen und körperlichen Behinderungen („Zirkus-Freaks“) sowie Amputationen sind genauso vorhanden wie einfache Portraits von normalen Menschen in ihrer natürlichen Umgebung.

Schnell erkennt man hier das große Talent von Sixx. Seine Fotografien sind keine bloße Makulatur. Sie versuchen Auskunft darüber zu geben, dass ihr Schöpfer ein gebrochener, verlebter Mensch ist, der allerdings auch stets darum bemüht sein will, einen kleinen Hoffnungsschimmer durchzulassen. Er bewegt sich zwischen Künstler und wütendem Kind, zeigt Menschlichkeit und divenhaftes Verhalten zugleich. Manchen werden die Bilder zu direkt, zu abgründig, zu verstörend sein - dass sie Nikki Sixx aber gezielt geschossen und schließlich in „Leben heißt Leiden“ untergebracht hat, möchte man ihm zu jeder Zeit abkaufen. Die Fortführung der eigenen Lebensgeschichte bleibt in Sachen Relevanz dann aber ein wenig hinter der des Vorgängers zurück. Sie reicht bis in die Gegenwart, greift aber neben den Erlebnissen mit Lita Ford und weiteren (gescheiterten) Beziehungen auch Ereignisse der Vergangenheit auf.

Sixx ist kein geborener Schriftsteller, sein Stil ist eher banal und liest sich stellenweise wie aus dem Poesiealbum eines pubertierenden Gothics, welcher gerade expressionistische Lyrik mit einer gewollt frechen Hair-Metal-Interviewsession zu verbinden versucht. Dennoch wäre es für Nikki Sixx wohl der falsche Weg gewesen, sich für den Leser zu verbiegen. Er macht es so wie er es am besten kann und dann auch passend. Fazit: Für Fans ein absolutes Muss, für Freunde von Musikerbiographien ebenfalls. Otto Normal bleibt lieber auf Abstand und sollte sich aus chronologischen Gründen eh erst die Herointagebücher zu Gemüte führen.

für CDstarts.de

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