Elina Garanca Wirklich wichtig sind die Schuhe

  • 07.12.2013
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Eine Pflichtlektüre für alle Opernfans - und für jeden anderen erst recht!

Charmant, schön und unglaublich stimmgewaltig, das alles und vieles mehr ist Elina Garanca. In ihrem ersten Buch erzählt die Mezzosopranistin von ihrem Weg in die renommiertesten Opernhäuser dieser Welt, angefangen mit ihrer Kindheit in Riga und der späteren Ausbildung über ihr erstes internationales Engagement in der Oper Meiningen bis hin an die Wiener Staatsoper, wo sie neben zahlreichen tragenden Rollen bereits zweimal die Ehre hatte, zur Eröffnungszeremonie des Wiener Opernballs zu singen und im Jahr 2013 zur Kammersängerin ernannt wurde, und in die New Yorker Metropolitan Opera.

Offen und auch mal mit einem selbstironischen Augenzwinkern geht sie dabei auf die Anfangsschwierigkeiten ein, auf den Erwartungsdruck und auf die Probleme, die sich ergeben, wenn man in dieser hart umkämpften Branche einmal nicht „funktioniert“ - weil auch eine erfolgreiche Opernsängerin nur ein Mensch ist. In diesem Fall ein Mensch mit dem Erscheinungsbild und dem Auftreten einer echten Diva, die auf der Bühne als strahlender Star gefeiert wird, sich jedoch hinter den Kulissen als sehr bodenständig, sympathisch und natürlich entpuppt.

Elina Garanca, eine der aktuell erfolgreichsten Opernsängerinnen unseres Planeten und unter anderem dreifache Preisträgerin des Echo Klassik (zuletzt erhielt sie diese Auszeichnung jüngst im Jahr 2013 für ihr Album Romantique), ist jedoch nicht nur Karriere-, sondern auch Ehefrau und erwartet derzeit ihr zweites Kind. Auch wie sie es neben stundenlangen Proben und wochenlangen Auslandsaufenthalten bei den vielen internationalen Auftritten schafft, ein Familienleben zu integrieren, ist Inhalt dieses Buches und genauso bewundernswert, wie es traurig ist, dass sie aufgrund ihrer beruflichen Verpflichtungen die ersten Schritte ihrer kleinen Tochter verpasste.

„Wirklich wichtig sind die Schuhe“ entstand in Zusammenarbeit mit Ida Metzger und Peter Dusek, welche Elina Garanca interviewten und das Buch aus den Aufzeichnungen zusammenstellten. Der Einstieg ist dabei leider sehr holprig geworden. Eher unspektakulär beginnt es mit der Beschreibung der Räumlichkeiten im Elternhaus der gebürtigen Lettin. Etwas zu häufig wird betont, in welch intellektueller Gesellschaft sich die Familie bewegt und einige Formulierungen wirken stilistisch sehr laienhaft, so dass man schon fast versucht ist, das Buch leicht genervt und gelangweilt aus der Hand zu legen. Schon bald jedoch nimmt die Handlung ihren Lauf, so wie auch die Karriere der heute 37-Jährigen an Fahrt aufnahm. Trotz einiger Rückschläge gab die junge Elina nicht auf, hatte sie sich doch nun in den Kopf gesetzt, Opernsängerin zu werden. Hartnäckig trainierte sie ihre Gesangsstimme, die ihr in der erreichten Qualität nicht wie einigen anderen in die Wiege gelegt worden war, sondern an der sie kontinuierlich intensiv arbeiten musste. „Wirklich wichtig sind die Schuhe“ ist ein sehr persönliches Werk. Unterstützt wird dies durch eine Vielzahl von Fotografien, welche Elina Garanca privat und auf der Bühne zeigen. Ein umfangreicher Anhang mit einer Auflistung aller Auftritte zwischen 1998 und 2013, eine Übersicht der Wettbewerbe und Auszeichnungen sowie Aufstellungen ihrer CD- und DVD-Aufnahmen runden die Lektüre ab und machen ihre harte Arbeit, ihren beruflichen Aufstieg und ihre Erfolge erst richtig greifbar.

Wer Elina Garanca zuvor nicht kennt und/oder Selbstbewusstsein schnell als Arroganz auslegt, könnte aufgrund einiger etwas überheblich wirkender Formulierungen im Buch stellenweise den Eindruck gewinnen, es handele sich um eine strebsame Künstlerin, welche sich selbst und ihre Leistungen ehrgeizig durch die Verwendung von Superlativen und ihre Verbindung zu bekannten Opernstars größer machen will, als sie ist, wenngleich sie im nächsten Augenblick schon wieder sehr bodenständig und uneitel wirkt, was manchmal nicht richtig zusammenpassen möchte. Doch wem sie ein Begriff ist, der weiß: Elina Garanca ist groß, äußerst sympathisch, natürlich und sie hat vor allem jedes Recht der Welt, ihre Erfolge selbstbewusst zu vertreten. Lesern, auf die der vorgenannte Eindruck zutrifft, sei ein Blick in die bekannten Online-Videoplattformen ans Herz gelegt. Filme von Auftritten und Interviews, auch zu diesem Buch, stellen dem Interessierten diese starke Frau vor und relativieren ein möglicherweise verzerrtes Bild, das durch das Lesen des Buches entstanden sein könnte.

„Wirklich wichtig sind die Schuhe“ ist eine Pflichtlektüre für alle Opernfans, aber vor allem auch für alle anderen, und das gleich aus mehrerlei Gründen: Der Weg der Elina Garanca ist ein ermutigendes Beispiel dafür, dass man sich mit Fleiß und Ausdauer seine Träume verwirklichen kann, und das auch noch, ohne sich zwischen Kind und Karriere entscheiden zu müssen. Vor allem aber weckt die erfolgreiche Mezzosopranistin mit ihrem Buch Interesse für die Oper. Und zwar nicht, indem sie dazu auffordert, in die Oper zu gehen, nein. Doch in die Erzählungen eingebunden sind immer wieder kurze Zusammenfassungen der Opern, in denen sie spielt, welche neugierig machen und Lust auf mehr. Selbst der größte Kunstbanause wird hier erkennen, dass die Oper nicht etwas Langweiliges, Altbackenes und Eingestaubtes ist, sondern lediglich die klassische Form des Musicals, und Romeo und Julia ist nicht das einzige mitreißende Drama, das die großen Schriftsteller und Komponisten unserer Weltgeschichte zu Papier gebracht haben. Wenn diese Stücke dann auch noch mit Spaß und Herzblut von so schönen, jungen und talentierten Künstlern wie Elina Garanca vorgetragen werden - dann nichts wie rein in die Abendgarderobe und ab ins Musiktheater. Warum sich nicht einmal etwas Besonderes gönnen? Elina Garanca macht Lust auf Oper!

Das Buch „Wirklich wichtig sind die Schuhe“ von Elina Garanca erschien am 9. November 2013 im Ecowin Verlag und ist als gebundene Ausgabe für 21,90 EUR sowie mit etwas Glück als Preis bei unserem aktuellen Gewinnspiel erhältlich.

Jessica Eggert für CDstarts.de

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