Ahab The Giant

  • 26.07.2012
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Ahab - The Giant - News
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Der Künstler kommt nicht zu kurz! Sebastian Jerke gibt dem musikalischen Seesturm auf Ahabs „The Giant“ die passende optische Gestaltung.

Albuminfo: Die Deutschen Ahab spielen seit ihrem ersten Longplayer einen zähflüssigen, melancholischen Funeral Doom Metal, der schnell als Nautik Doom Metal klassifiziert wurde. Lyrisch begibt man sich auf's offene Meer; Die Genredefinition passt also. „The Giant“ ist das dritte Studioalbum der Band.

Cover-Gestaltung: Sebastian Jerke, Baujahr 1980, ist eigentlich gar kein Mitglied von Ahab. Dafür steuert er den nicht zu unterschätzenden Faktor des Visuellen bei. Er lebt in Münster und schaut bereits auf eine gelungene Vergangenheit als Gestalter von Metal-Artworks zurück. Sein Portfolio ist aber zweifelsohne sehr viel größer, wie man auf seiner Homepage selbst sehen kann.

CDstarts: Wie wichtig ist das Album-Artwork für Dich als Hörer und Künstler?

Jerke: Sehr wichtig, da es meistens das erste ist womit man als „Hörer“ in Kontakt kommt. Zudem kann man ein Bild schneller dechiffrieren als ein Musikstück, das man ja zumeist einige Zeit anhören muss, bis man es versteht. Außerdem steigern sich Artwork und Musik gegenseitig in ihrem Wert, vorausgesetzt beide Parts sind gelungen.

CDstarts: Du hast ja schon das ein oder andere Cover gestaltet. Erzähl kurz über dich und sag wo du künstlerisch „herkommst“.

Jerke: Puh, ich denke da spielen viele Bereiche zusammen. Genau kann ich das gar nicht sagen. Es ist ein großer Mischmasch aus verschiedenen Genres und Epochen. Man sieht es ja auch an meinen Covern und anderen Illustrationen, dass ich mich nicht auf einen einzigen Stil festlege. Wegweisend war aber mit Sicherheit auch meine klassische Zeichenausbildung.

CDstarts: Die Musik von Ahab ist ja recht zähflüssig, langsam und elegisch. War dies eine Inspiration und wenn ja, inwiefern?

Jerke: Die durch die Musik transportierte Stimmung hat bestimmt unterbewusst ihren Teil zum Entstehungsprozess beigetragen. Für mich ist es essentiell mich vorher mit der Musik und der herrschenden Thematik der Band auseinander zu setzen, um den richtigen „Ton“ zu treffen. Erst wenn ich den Kern erfasst habe, kann der Stift passend wandern. Den größten Einfluss bei meiner Arbeit an dem Cover hatte allerdings der Roman von Edgar Allan Poe, der ja die inhaltliche Grundlage von „The Giant“ bildet und meine enge Zusammenarbeit mit Christian Hector (Gitarrist von Ahab). Wir haben uns da gemeinsam an den Stil herangepirscht, der dann das neue Album optisch repräsentieren sollte.

CDstarts: Théodore Géricault malte sein Gemälde „Le Radeau de la Méduse“ welches als Artwork des Vorgängeralbums fungierte. Auch das vom ersten Album der Band hat einen ganz anderen Stil als das von „The Giant“. Wolltest du gezielt einen Bruch machen, schon alleine wenn man bedenkt, dass (abgesehen von deinen Comics) andere Artworks von dir eher realistisch anmuten?

Jerke: Nun, so wie sich die Musik von Ahab stetig weiterentwickelt hat und weiterentwickelt, sollte dies auch optisch zu verzeichnen sein. Wir wollten unbedingt eine psychedelische Anmutung für das Artwork, und so habe ich mich dann u.a. an einigen Konzertplakaten und Siebdrucken der mittleren und späten 60er-Jahre orientiert.

Bild

CDstarts: Wie sah deine Vorgehensweise beim Gestalten des Covers aus?

Jerke: Bei diesem Cover stand die Charakterentwicklung sehr im Vordergrund. Daher habe ich als erstes etliche Zeichnungen vom Kopf und Körper des Riesen gemacht, bis er der Band und mir gefallen hat. Darauf aufbauend habe ich alles Weitere entwickelt. Die vierflügeligen Albatrosse, die geflügelten Kalmare, die Wale mit den überdimensionierten Seepocken an Rücken und Körper, und so weiter. Sozusagen war der Riese die Matrize für den Stil und den Grad der Verfremdung der Geschöpfe und Szenerien. Danach folgten ein gutes Dutzend Konzepte für die Aufteilung und Komposition des gesamten Covers. Als feststand, welche Variante es werden sollte, habe ich mich an die Ausarbeitung der Details gesetzt, es reingezeichnet, digitalisiert und zum Schluss am Rechner koloriert.

CDstarts: Wie darf man das Bild im Bezug auf die Musik interpretieren?

Jerke: Im Prinzip ist es ein Medley der verschiedenen Stimmungen und Szenarien, die die Stücke von Daniel Droste und Co. im Hörer hervorrufen. Durch die getragene, fast schon hypnotische Atmosphäre des Albums wird man ebenfalls in einen solchen Trance-ähnlichen Zustand gesogen. Auch die Strömung des Wassers im Bild tut das. Man könnte ebenfalls sagen, dass die Wassermassen, die ineinander und umeinander fließen (und das Cover dominieren), alle Bewusstseinzustände symbolisieren, die man auf dieser musikalischen Odyssee durchlebt: Träges Dahinplätschern, euphorische, aufgeregte Gischt, verzweifelte, reißende Strömung, eine vage Ahnung des Bevorstehenden wie dahinwabernder Wasserdampf oder Nebel, kalte Verzweiflung und hartes Los des Eises, brodelnde, intensive Emotionen im kochenden Wasser.

CDstarts: Gibt es ein Albumartwork für welches du dich als „Mann aus der Branche“ verantwortlich gezeigt hättest?

Jerke: Das wäre dann ja nicht wirklich von mir, ich will niemanden kopieren. Sicher gibt es Künstler die ich toll finde und die mich inspirieren, aber ich will mein eigenes Ding machen und später lieber andere Leute sagen hören, das, was der Herr Jerke da gemacht hat, das hätte ich selbst gerne gemalt.

für CDstarts.de

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