Lars Schmidt (Subterfuge)

  • 28.05.2005
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Lars Schmidt (Subterfuge) - News
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Eine Unterhaltung über das Überleben als Musiker, fremdsprachiges Textgut, private musikalische Vorlieben, Heimatliches, Urlaub, Toursponsering etc.

Wir nahmen das neue Album zum Anlass, uns mit Lars (Gitarre & Gesang) über "The Legendary Eifel Tapes", das Überleben als Musiker, fremdsprachiges Textgut, private musikalische Vorlieben, Heimatliches, Urlaub, Toursponsering etc. zu unterhalten.

CDstarts.de: Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, das neue Album "The Legendary Eifel Tapes" in der Eifel in einem angeblich verlassen gelegenen Ferienhaus aufzunehmen, Euch quasi zum Brainstormen wegzuschließen und zeitweilig vom Weltgeschehen zu verabschieden?

Lars: Also, erstmal muss man wohl sagen, dass wir keine Musikervollprofis sind, wie viele andere Bands. Das führt dazu, dass wir - wenn wir zuhause Musik machen - tausend andere Dinge im Kopf haben. Darum die Idee mit der Eifel, dort kann man nicht gestört werden, es gibt keine Telefone (kein Handyempfang) und nur eine schäbige Dorfkneipe.

CDstarts.de: War diese Methode aus Deiner Sicht erfolgreicher, effektiver als ein normales Studio-Recording?

Lars: Wir hatten ja beides. In der Eifel haben wir die Ideen gesammelt und die Songs arrangiert. Gut, am Schluß haben wir dort auch noch einige Songs gesungen, aber den Rest haben wir bei uns im Proberaum und in Studios aufgenommen. Insgesamt würde ich sagen: Das hat gut funktioniert.

CDstarts.de: Wer ist bei Subterfuge hauptsächlich für das Songwriting zuständig oder ist dies bei Euch eher eine Gemeinschaftsproduktion?

Lars: Hauptsächlich schreiben Tommy und ich die Songs. Allerdings ist diesmal auch einer vom Kai dabei ("I think of you when my phone doesn’t ring"). Alle steuern dann Ideen bei, aber der Songschreiber hat immer die letzte Entscheidung. Wir glauben nicht an Demokratie bei kreativen Prozessen. Die führt in den meisten Fällen eher zu einer Verwässerung als zur Qualitätssteigerung.

CDstarts.de: Was kommt zuerst, der Text oder die musikalische Jacke bzw. Ummalung?

Lars: Bei mir immer erst die Musik. Der Text entseht dann auf Basis der Gesangsmeldodie. Tommy arbeitet da anders, der entwickelt die Melodie oft anhand des Textes, also später erst.

CDstarts.de: Am 25.04.2005 erschien das neue Album. Welche Erwartungen habt Ihr an diese neue Scheibe geknüpft?

Lars: Das ist ja jetzt schon unsere fünfte Platte. Viel erwarten tun wir nicht, das bringt nur Enttäuschungen. Aber ein bißchen aufwärts könnte es schon damit gehen. Dass mehr Menschen sich die Musik anhören wollen, sowas in der Art.

CDstarts.de: Wie wichtig ist Dir Erfolg? Oder reicht es aus, wenn Du von Deiner Musik überleben kannst?

Lars: Liebe Kinder, ich möchte Euch nicht desillusionieren, aber um von Musik leben zu können, muss man schon ziemlich erfolgreich sein oder die Songs fremder Leute spielen (Gala-/Tanzband). In unserem Fall sind wir froh, dass sich die Sache selbst trägt und wir sehr viel rumkommen. Aber zum Überleben reicht es nicht. Es sei denn, man mag gerne Reis und will unter Brücken schlafen.

CDstarts.de: Verrätst Du uns Deine persönliche Lieblings-Nummer auf "The Legendary Eifel Tapes"?

Lars: Das wechselt ständig. Im Moment ist das „All That I Miss“.

CDstarts.de: Ihr kommt alle aus Düsseldorf. Momentan zieht es ja fast jeden Künstler, der meint, er müsse irgendwie "in" sein, nach Berlin oder auch Hamburg. Habt Ihr da noch niemals drüber nachgedacht? Seid Ihr überzeugte Düsseldorfer Jungs?

Lars: Ich bin schon der Meinung, dass die Herkunft nicht ganz unerheblich ist, wenn es um den Coolness-Faktor geht. Aber die Frage haben wir uns dennoch nie gestellt, denn wir leben gerne hier. Man darf Düsseldorf nicht auf die Königsallee und die Altstadt reduzieren. Hier passiert eine ganze Menge, und wenn man mal seine Ruhe haben will, geht das eben auch.

CDstarts.de: Eure englischsprachigen Texte gehen wunderbar unter die Haut. Hattet Ihr früher oder auch jetzt vielleicht einmal die Idee, deutsche Texte zu schreiben? Wenn man einigen Studien Glauben schenken kann, ist es momentan ja Tatsache, dass viele Deutsche ihre Muttersprache nur grausam beherrschen. Kann man davon ausgehen, dass viele die englischen Texte gar nicht richtig interpretieren (können)?

Lars: Ja, davon kann man unbedingt ausgehen. Die Qualität der Texte spielt bei englischsprachigen Bands aus Deutschland sicher eine untergeordnete Rolle. Es kommt doch recht selten vor, dass wir darauf angesprochen werden. Beim neuen Album haben wir uns entschlossen, die Texte mit auf dem Cover abzudrucken, um den Leuten überhaupt erstmal die Möglichkeit zu geben, sich damit auseinanderzusetzen. Wenn mir eine Platte etwas bedeutet, ist das immer das erste, was ich tue: Auflegen und das Booklet studieren.

CDstarts.de: Ja, genauso "beginne" ich meine neuen CDs auch immer: das muss erstmal Sherlock Hahn ran. Welche Pläne, Ziele hattest Du zu der Zeit als Ihr mit Subterfuge begonnen habt, so Anfang der 90er? Sind diese Ziele "passiert" oder schwirren sie noch immer irgendwie im Kopf rum?

Lars: Ich glaube wir hatten gar keine klar definierten Ziele. Wir wollten Platten aufnehmen und ein bisschen rumkommen und Konzerte spielen. Ein paar mehr Leute könnten da schon bei mitmachen, aber im Endeffekt gibt es keine unerfüllten Jungendträume, denen wir noch nachjagen müssten.

CDstarts.de: Auch hat man Euch dieses sicherlich schon x-mal gefragt: Warum der Name Subterfuge, der sich ja mit "die Ausflucht" bzw. "der Vorwand" übersetzt? Vor was flüchtet Ihr, was spielt Ihr uns vor? Tut Ihr das überhaupt?

Lars: Die wörtliche Bedeutung des Bandname ist uns so passiert bzw. war uns egal. Uns war damals mehr die Optik wichtig. Es sollte ein längeres, zusammenhängendes Wort sein, wie bei einigen Bands aus England, die wir damals toll fanden (Slowdive, Swervedriver u.a.). Dass wir das alle nicht einmal ausprechen konnten, war unerheblich. Auch, dass sich den Namen niemand merken kann, ist aus Marketingsicht ja nicht besonders klug. Aber Meister in Selbstvermarktung waren wir noch nie.

CDstarts.de: Welche Musik verzaubert Dich privat? Hast Du auch eine spezielle "Chill-Scheibe", die immer wieder ran muss, wenn der Kopf zu voll ist?

Lars: Ja, es gibt einige Platten, die nie ihren Reiz verloren haben, auch nach so vielen Jahren. „The Hurting“ von Tears For Fears oder „Mania“ von The Lucy Show (mein Tipp, ein gern gesehener Gast in 1 €-Wühlkisten). Auch toll: „Color Of Spring“ von Talk Talk, „It’s A Shame About Ray“ von den Lemonheads und natürlich das weiße Album der Beatles.

CDstarts.de: Der Sommer hämmert an unsere Türen. Urlaubszeit. Wirst Du diesen Sommer dafür Zeit haben oder werdet Ihr nonstop auf Klassenfahrt sein?

Lars: Natürlich ist da Zeit für. Der Sommer ist ja lang. Parallel werden wir allerdings schonmal anfangen, neue Sachen aufzunehmen (die dann in vier Jahren erscheinen, so ist das ja bei uns), ein Video zu drehen und im Spätsommer sind wir nochmal zehn Tage auf Tour. vom 1. bis 10. September.

CDstarts.de: Wie definierst Du "Urlaub"? "The Legendary Eifel Tapes" ist ja ein Album, was schon zum Entspannen einlädt. Gönnt Ihr Euch noch einen Urlaub "nebenbei"?

Lars: Wie gesagt, bei uns dauert es in der Regel zwei bis drei Jahre, bis ein Album fertig ist. Wenn der kreative Prozess hängt, dann machen wir Urlaub, bis uns wieder was Gutes einfällt.

CDstarts.de: Was hältst Du von Tour-Sponsoring? Viele Bands gehen ohne ja schon gar nicht mehr los.

Lars: Kommt drauf an, in welcher Form das stattfindet. Sobald man irgendwelche Klamotten auf der Bühne anziehen oder ein Banner aufhängen muss, wird es fragwürdig und käme für uns nicht in Frage. Aber wir würden nur schwer ohne die Hilfe von Institutionen wie der Soundfoundation auskommen, dadurch werden unsere Tourneen genau genommen erst finanzierbar.

CDstarts.de: Welche persönlichen Vorbilder hast Du und haben Dich diese musikalisch irgendwie geprägt?

Lars: Super finde ich die Haltung von Teenage Fanclub. Mit denen werden wir ja gerne mal musikalisch verglichen, was mit dem neuen Album hoffentlich etwas weniger werden sollte. Aber wie die Platten aufnehmen und was sie so an Ansichten in Interviews von sich geben, das ist alles sehr sympathisch. Musikalisch geprägt haben mich viele, TFC sicher auch. Gerne nenne ich auch immer die frühen The Cure, auch wenn man das in unserer Musik vielleicht nicht immer so doll hört.

CDstarts.de: Apropos: Wie stehst Du zu Fanclubs? Gibt es bei Subterfuge einen? Wenn nicht, wäre dies Deines Erachtens eine erforderliche Maßnahme?

Lars: Eine erforderliche Maßnahme ist ein Fanclub sicher nicht. Außerdem muss sowas ja aus einer Eigendynamik heraus entstehen. Das ist bisher einfach nicht passiert. Möchtest Du da vielleicht was starten?

CDstarts.de: Darüber unterhalten wir uns mal bei Gelegenheit unter vier Augen... *g* Ich danke Dir, dass Du Dir Zeit für CDstarts.de genommen hast und wünsche Dir und der Band viel Erfolg mit "The Legendary Eifel Tapes", immer `ne Handvoll Spaß an der Musik und einen tollen Sommer.

Lars: Ich sage auch Danke. Und bis bald.

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