Julia im Gespräch mit CDstarts

  • 12.07.2006
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Julia im Gespräch mit CDstarts - News
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Ein Backstage-Interview auf dem Nova Rock Festival 2006.

Während ihrem Konzert auf dem Nova Rock-Festival in Nickelsdorf bittet die österreichische Band Julia, dass möglichst viele Fans die Möglichkeit wahrnehmen beim Autogrammzelt etwa eine Stunde später vorbei zu schauen. Als vor Ort dann ca. hundert Menschen anstehen und sich eine Schlange bildet, ist man erst einmal begeistert über den großen Ansturm, meistert diese Hürde aber genauso souverän wie den Auftritt davor. Im Anschluss daran stellt Sänger Koma, mit bürgerlichen Namen nennt er sich Matthias Kobold, auf dem im Backstage-Bereich errichteten Sandstrand gemütlich in einem Liegestuhl sitzend CDstarts Rede und Antwort, während sich im Hintergrund gerade die Bloodhound Gang auf der Bühne austobt:

CDstarts.de: Euer erstes Album „Songs about decay“ hatte ein sehr düsteres Cover und Verfall klingt auch nicht gerade sehr positiv. Wie kam es dazu, dass ihr eurem Debüt einen derart melancholischen Titel verliehen habt?

</a> Koma: Das liegt in erster Linie an mir. Ich schreibe die Texte, damit bin ich auch verantwortlich für den Inhalt. Ich bin zwar kein depressiver oder negativer Mensch, aber auf jeden Fall ein sehr melancholischer und gerade wenn es darum geht, Inhalte zu vermitteln oder Geschichten zu erzählen, schreibe ich einfach lieber und besser schwermütige Texte. Daher das Artwork, deswegen der Titel. Es soll ja auch eine Art Gesamtpaket sein und zusammenpassen.</p>

<p><strong> CDstarts.de: Im Endeffekt ist es aber so, dass eure Musik an sich dann doch eher fröhlich gestimmt ist. Wolltet ihr die Hörer damit bewusst in die Irre führen? </strong></p>

<p>Koma: Ich trenne da stark zwischen dem Inhalt und der Musik. Die Musik sollte zwar dazu passen, muss aber nicht in dieselbe Ecke gehen. Der Inhalt der Stücke ist einfach düsterer und ernster, aber gerade live sollen die Leute checken: Wir sind nicht die Supercoolen, wir sind Julia, wir sind normale Menschen, uns kann man angreifen und mit uns kann man reden. Mir ist es wichtig, dass das rüberkommt. Wir sind nicht abgehoben, werden wir auch nie sein. Egal wie groß wir jetzt werden oder nicht. Das ändert aber nichts an den ernsten Inhalten. Wenn ich die Texte schreibe, bin ich meistens allein, es ist nachts und da steh ich halt nicht auf der Bühne und hab’ Spaß dabei und da bin ich halt schon ein bisschen abgedriftet und ernster.</p>

<p><strong> CDstarts.de: Das neue Werk geht allerdings genau in die andere Richtung, vor allem was den Titel und das Cover betrifft, schließlich heißt es „Sunrise“. </strong></p>

<p>Koma: Das war absichtlich gegengesteuert zu diesem ernsten, fast schon zu ernsten Titel vom letzten Album. Wir wollten damit zum Ausdruck bringen, dass auch wir unseren Spaß haben und dass ich versuche positivere Texte zu schreiben. Ich habe es schlicht und einfach nicht geschafft. Die neuen Texte sind wieder durchwegs melancholisch.</p>

<p><strong> CDstarts.de: Aber ein Song auf „Sunrise“ nennt sich doch „Optimistic“? </strong></p>

<p>Koma: Ja, aber selbst der Text ist melancholisch. Wie gesagt ich habe mich zumindest bemüht und es zu den Titeln geschafft. (lacht)</p>

<p><strong> CDstarts.de: Wie war es eigentlich für euch den Titelsong für die Eishockey-WM 2005 zu schreiben bzw. wer ist da an euch herangetreten? </strong></p>

<p>Koma: Das lief über unser Management, genauer gesagt über unsere Promotionfirma. Es gab da eine Anfrage von diesem offiziellen WM-Gremium, ob wir das machen würden. Nun ja, die Antwort war klar. Es ist schließlich ein großes Ding, wir haben es versucht und es war auch eine enorm coole Erfahrung, weil erstens konnten wir dadurch immer in ausverkauften Stadien spielen und zweitens performten wir den Song vor etlichen Millionen Fernsehzuschauern. Das war schon ein echter Kick. Speziell, wenn man so viele Gigs spielt wie wir, dann ist man direkt froh, wenn man wieder einmal so richtiges Lampenfieber hat.</p>

<p><strong> CDstarts.de: Wie war es heute? </strong></p>

<p><a href=[thumb:left| Koma: Der Auftritt war extrem cool, Lampenfieber gab es allerdings keines. Das liegt auch daran, dass wir gerade auf Tour sind und so gesehen fast jeden Tag spielen und da ist das Lampenfieber nicht wahnsinnig groß. Bei solchen Konzerten kann man eher von Vorfreude sprechen, weil Leute da sind, die einen kennen, die dann auch Party machen und mitsingen und dann gehen wir das Ganze dementsprechend entspannt an.

CDstarts.de: Hättet ihr gerne Herbert Grönemeyer die Arbeit abgenommen und den Titelsong für die Fußball-WM geschrieben?

Koma: Nicht so wirklich. Fußball ist nicht unser Metier. Wenn es die Anfrage gibt, dann hört man sich die einmal an. Wir wollen jetzt aber auch nicht unbedingt in diese Sport-Ecke gedrängt werden, weil es ist keiner von uns wahnsinnig sportinteressiert. Wenn die Sache interessant ist, dann vielleicht, aber gezielt darauf hinarbeiten wollen wir nicht. Ich konzentriere mich dann doch lieber auf die Musik.

CDstarts.de: Und überlasst solche Angelegenheiten lieber anderen Bands wie z.B. Sportfreunde Stiller, die es dann wiederum ein wenig übertreiben. Also für meinen Geschmack war „You have to win Zweikampf“ eher unnötig.

Koma: Also die Sportis machen ihre Sache sehr gut und haben ihr Publikum. Mir ist das Ganze zu spaßig und ein reines Fußballalbum ist schlicht und einfach blöd. (lacht) Was soll man da noch großartiges dazu sagen?

CDstarts.de: Ihr wolltet angeblich auf dem neuen Album eure Live-Qualitäten besser zur Geltung bringen. Gibt es auf euren Konzerten jetzt positiveres Feedback von den Fans oder merkt man eigentlich keinen Unterschied zu früher?

Koma: Es ist eine Symbiose. Viele von den neuen Songs funktionieren live extrem gut, weil sie schneller, rockiger und punkiger sind als die alten. Auf Platte hört man es eigentlich gar nicht so gut, obwohl es live eingespielt wurde. Im Endeffekt macht es also gar keinen so großen Unterschied.

CDstarts.de: Ich habe gehört MTV Austria hat euch heute interviewt. Hattet ihr wenigstens davor Lampenfieber oder gestaltete sich das Ganze wie jedes andere Interview?

Koma: Nein, das haben wir völlig entspannt über die Bühne gebracht. Es war zugegeben bereits das zweite Interview und da weiß man dann schon was kommt.

CDstarts.de: Jetzt mal eine etwas globalere Frage. In Österreich gibt es eigentlich nicht mehr wirklich reinen Austropop wie früher. Viele...

Koma: Naja, Christina Stürmer ist gerade wieder heißer denn je.

CDstarts.de: Schon, aber sie wandelt auch mehr auf der Rock-Schiene.

Koma: Hmmm, das würde ich schon als Pop bezeichnen. Sie würde zwar gerne rocken, aber eigentlich macht sie Pop.

CDstarts.de: Gut, im Endeffekt machen alle Popmusik, aber prinzipiell ist sie auch mehr ein Einzelfall und um wieder auf meine Frage zurück zu kommen: Viele neu gegründete Bands orientieren sich entweder an amerikanischen oder britischen Vorbildern und setzen sich großteils in Genres fest, die nun so gar nicht typisch österreichisch sind. Wie siehst du die Zukunft der österreichischen Popmusik? Seid ihr sie?

]http://bilder.filmstarts.de/verzeichnis/musik/berichte/julia.interview/Julia03.jpg">[thumb:right| Koma: Definitiv. Generell kann man es aber nicht prophezeien. Es kommen immer wieder gute Bands ans Tageslicht, die es aber schon seit fünf Jahren gibt. Man weiß eben nie welche Bands gewisse Erfolge feiern können und welche nicht. Ich sage einmal am einfachsten ist es immer noch mit Mainstream-Pop auf Deutsch, das ist meiner Meinung nach aber zur Zeit der reine Fuck. Das wird’s bei uns nicht spielen. Wir werden in unserer Ecke bleiben, ob es im Endeffekt aufgeht oder nicht. Da lassen wir uns gar nicht groß beeinflussen, nur weil auf deutsch singen gerade im Trend liegt. Wir haben unsere Ecke, die macht uns Spaß und dabei bleibt es einfach. Facetten ändert man von mal zu mal, weil ja ein jeder verschiedene Einflüsse hat. Die österreichische Musikszene ist sehr gut, aber es gibt halt wenige Bands, die wirklich groß werden. Leider.

CDstarts.de: Bei euch scheint zur Zeit hingegen alles sehr erfolgreich zu laufen. Ihr seid unter anderem gerade mit Billy Talent auf Tour.

Koma: Ja, es ist großartig! Es ist eine große Tour mit ausverkauften Hallen jeden Abend. Die Jungs sind nett und die Band ist großartig. Wir sind alle große Fans, was natürlich Spaß macht. Mit einer Band mitfahren, die viele Karten verkauft, weil sie ein großes Publikum hat ist toll, aber eine Klasse besser natürlich, wenn einem die Band zusagt. Billy Talent ist eine Killerband und eine gute Inspiration für uns, auch wenn die Vorbilder immer weniger werden. Früher, mit 16 oder so, hat man noch unzählige Vorbilder, aber wenn man das Ganze selber einige Zeit mitmacht, werden diese immer weniger und Billy Talent sind wieder einmal so richtige Vorreiter.

CDstarts.de: Wo würdet ihr am liebsten einen Gig spielen?

[thumb:left| Koma: Puh! Also in Österreich haben wir so gut wie alles bespielt, was es gibt. In Deutschland sind wir auch schon in unfassbar vielen Städten aufgetreten, bisweilen aber nur als Support. Das Ganze als Headliner, das wär’ schon was! Damit wären wir dann schon mehr als zufrieden.

CDstarts.de: Um gleich dabei zu bleiben: Was kann man in Zukunft nach „Verfall“ und „Sonnenaufgang“ von Julia erwarten?

Koma: Jetzt wird es richtig depressiv (lacht). Nein. Also das kann ich jetzt noch nicht sagen. Es gibt zur Zeit keine neuen Songs, obwohl mir einiges vorschwebt, aber das ist noch nicht spruchreif. Während des Sommers passieren die nächsten Songs, Festivals werden bespielt und danach gibt es einmal eine kurze Auszeit zum Entspannen. Im Herbst geht es dann sofort ab nach Deutschland und dort gibt es dann die nächsten Shows. (Während Koma die Frage beantwortet und das Interview zu einem Ende kommt, beginnt die Bloodhound Gang „Fire water burn“ zu spielen)

Jimmy Pop (auf der Bühne): We don´t need no water, let the motherfucker burn…..

Koma: (steigt ein) Burn motherfucker burn!

CDstarts.de: Ach Mist! Jetzt habe ich schon mein Mikro abgeschaltet!

Koma: Hehe... danke für das Interview!

CDstarts.de: Wir haben zu danken!

Das Interview führte Albert Ranner

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