Johannes Nidam (Campsite)

  • 23.07.2006
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Johannes Nidam (Campsite) - News
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CDstarts.de im Gespräch mit Johannes Nidam, dem Sänger der dänischen Band Campsite, die kürzlich ihr Debütalbum „Names, Dates And Places“ veröffentlicht hat.

CDstarts.de im Gespräch mit Johannes Nidam, dem Sänger der dänischen Band Campsite, die kürzlich ihr Debütalbum „Names, Dates And Places“ veröffentlicht hat.

Es wäre nett, wenn du zu allererst eure Band Campsite den Lesern vorstellen könntet. Wann habt ihr in dieser Konstellation begonnen, Musik zu machen und welche Einflüsse teilt ihr innerhalb der Band?

Johannes Nidam: Wir haben mit Campsite im Sommer 2001 mit derselben Besetzung angefangen, wie sie auch heute noch existiert. Am Anfang spielten wir langsame, melancholische Stücke, fanden aber schnell den Konsens, dass uns diese nach einer bestimmten Zeit langweilten und sie zu introvertiert waren. Daraufhin kamen schnellere, rockigere Elemente hinzu, die unserer Idee von Musik wesentlich näher kamen und sich mit der melancholischen Seite vereinten. Alle von uns hören sehr verschiedene Musik, doch auf Bands wie New Order, The Cure, The Strokes und Phoenix können wir uns alle einigen. Die Talking Heads sind für uns auch relevant, wenn wir unseren Drummer mal außen vorlassen, denn der verabscheut die größtenteils.

Kürzlich habt ihr euer Debüt „Names, Dates And Places“ veröffentlicht. Wie würdest du den Sound vom Silberling beschreiben und gibt es evtl. bestimmte Songs oder Texte, die du hervorheben möchtest?

</a> Ich würde den Sound als eingängig, griffig und elegant beschreiben. Wir wollten es den Leuten einfach machen, wenn sie das Album zum ersten Mal hören. Gleichzeitig entdeckt man bei mehrmaligem Hören neue Ebenen, die sich übereinander schieben und die Gesamtheit ergeben. Das ganze Album ist für uns etwas besonderes, da alle Songs im Zeitraum von drei bis vier Jahren entstanden sind und die Erlebnisse als Band reflektieren. Besonders für mich als Haupt-Songwriter sind die Texte Fragmente aus meinem Leben und daher auch sehr wichtig. Und so beinhalten die Lyrics viele Dinge, von Gräbern, über Kafka-inspirierte Vorstellungen bis hin zu nächtlichen Erfahrungen in kleinstädtischen Clubs. </p>

<p><strong> „Names, Dates And Places“ wurde von Minco Eggersman produziert. Wie habt ihr ihn kennengelernt und was gab den Ausschlag dafür, dass ihr ihn ausgewählt habt? </strong></p>

<p>Er ist der Chef unseres Labels in den Niederlanden, Sally Forth Records, und er hatte schnell einige Ideen für einen ganz bestimmen Sound parat, die er enthusiastisch als Produzent einbringen wollte. Wir redeten mit ihm, in welche Richtung das Debüt gehen soll und unsere Vorstellungen trafen sich exakt in derselben Schnittmenge. Fast wie von selbst entstand so der griffige, tanzbare Sound des Albums im Einklang mit Minco Eggersman. </p>

<p><strong> Obwohl auf dem Longplayer melancholische Töne vorhanden sind, nimmt der Rock´n Roll und die Tanzbarkeit einen großen Stellenwert ein. Ist es für euch immer wichtig gewesen, dass die Songs auch live und in Nachtclubs funktionieren? </strong></p>

<p>Ja, das ist in der Tat sehr wichtig für uns. Wir wollen, dass unsere Konzerte Parties gleichen, und genau so sollen unsere Songs auch als Clubtracks Airplay finden. Jedes einzelne Mal bin ich überaus glücklich, wenn unsere Songs auf den Tanzflächen der Nachtclubs präsentiert werden. </p>

<p><strong> Was denkst du über die aktuelle Independent-Musikszene und die vielfachen Verweise auf die Achtziger, wie sie derzeit Bands wie The Organ, Editors oder She Wants Revenge unterbringen? Berührt das eure Musik  in irgendeiner Weise? </strong></p>

<p><a href=[thumb:right| Ich begrüße es, wenn viele Bands die guten Momente der Achtziger in ihrer Musik verarbeiten und auch so weitermachen. Für eine viel zu lange Zeit gab es den Trend, dass Independent-Bands übertrieben traurig oder seltsam sein mussten bzw. etwas vorgaben, was sie nicht untermauern konnten. Nun ist es einfach ganz normal, ernstzunehmende Bands kennen zu lernen, die dich zum rocken, lachen, tanzen oder was auch immer bringen. Die Richtungen haben sich vervielfältig. Doch wir als Band beobachten die aktuelle Szene nicht wirklich. Wir mögen einfach die Musik, die wir spielen und versuchen, nicht Teil einer bestimmten Bewegung zu sein.

Ihr kommt aus Dänemark. Gibt es dänische Bands, mit denen ihr befreundet seid? Ist es an der Tagesordnung, dass man sich gegenseitig aushilft oder gibt es einen starken Konkurrenzkampf?

Wir sind zum Beispiel gut mit Lampshade befreundet und haben andere Freunde in diversen Bands. Auch generell gehen die Bands in Dänemark freundschaftlich und hilfsbereit miteinander um. Zurzeit gibt es allerdings sehr viele Veröffentlichungen für ein kleines Land wie Dänemark. Ich schätze in einem Jahr kommen wir auf 700 Platten. Egal ob wir den Wettkampf mögen - natürlich gibt es einen, einfach weil so viele neue Künstler und deren CD´s ständig aus dem Nichts auftauchen.

Was wünscht du dir für die Zukunft von Campsite? Gibt es vielleicht auch schon Pläne für eine Tour durch Deutschland und kommende Veröffentlichungen?

Derzeit planen wir eine Herbsttour durch Deutschland und wir hoffen sehr, dass alles so funktioniert, wie wir es uns vorstellen. Als wir einige Gigs in Deutschland spielten, waren wir sehr zufrieden. Es waren vielleicht sogar unsere besten Konzerte überhaupt. Ich habe auch schon damit begonnen, Songs für das nächste Album zu schreiben. Größtenteils stehen die Melodien schon und wir haben den Frühling für die Aufnahmen angepeilt. Und natürlich hoffen wir auf den Durchbruch in einigen Ländern. Wir wollen Musik für so viele Leute wie möglich machen und unsere ganze Zeit der Musik widmen. Hoffentlich bleiben wir in den nächsten Jahren weiterhin so glücklich mit unserer Band.

Zum Abschluss würde ich mich über eine Nennung deiner aktuellen Lieblingsplatten freuen.

]http://bilder.filmstarts.de/verzeichnis/musik/berichte/campsite.interview/campsite4.jpg">[thumb:left| Im Moment ist es eine Solo-Scheibe von Sam Prekop (Chefkomponist von The Sea And Cake; Anmerkung der Redaktion), sie heißt „Who´s Your New Professor?“ und ist ein wunderbar zurückgelehntes Werk: Einfach perfekt für diesen Sommer. Seine Stimme ist großartig. Ein anderes aktuelles Lieblingsalbum von mir ist Yo La Tengo mit „Painful“. Es ist aus den frühen Neunzigern, einer Zeit, als sie noch laut und noisig waren. Die Songs sind beherzt sowie gleichzeitig zerbrechlich und explosiv.

Vielen Dank, dass du dir für meine Fragen Zeit genommen hast und alles Gute für die Zukunft.

Danke und dir auch alles Gute.

Das Interview führte Daniel Leckert

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