Culcha Candela im Gespräch mit CDstarts

  • 01.10.2007
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Culcha Candela im Gespräch mit CDstarts - News
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CDstarts.de bat einen der Überflieger dieses Jahres zum Exklusivinterview.

Über den diesjährigen Sommer muss man ja (leider) nicht mehr viel sagen: Sommer, Palmen, Sonnenschein gab es im Jahre 2007 nicht sonderlich viel. Umso löblicher, dass es trotzdem mutige Menschen gibt, die trotz widriger äußerer Umstände alle Hebel in Bewegung setzten, um ein Open Air-Festival auf den Weg zu bringen – so wie in diesem Jahr erstmals das Campus Festival an der Hochschule Pforzheim. Das Line-Up, mit dem die Veranstalter um die Gunst der Zuschauer im Vorfeld warben, konnte sich, insbesondere für einen „Neuling“ in der Szene, durchaus sehen lassen: Neben Bands wie Nurso, Still Drift und Boundzound wurden mit Revolverheld, Silbermond und Culcha Candela richtig schwere Geschütze aufgefahren, die den gut 7.500 Anwesenden an diesem doch richtig kalten Freitag einheizen sollten – was auch durchaus gelang. Grund genug also für CDstarts.de sich das einmal näher anzuschauen und in einem die Chance zu nutzen, einen der Überflieger dieses Jahres, namentlich Culcha Candela, zum Exklusivinterview zu bitten: So hatten wir nach einer gelungenen Show die Gelegenheit, die sieben Jungs aus Berlin in einer sehr entspannten und auch wärmeren Atmosphäre ausgiebig zu befragen und konnten dabei feststellen, dass bei Culcha Candela der Bandname wirklich Programm ist.

CDstarts.de: Zunächst einmal Glückwunsch zu dem gelungenen Auftritt. Daran anknüpfend unsere erste Frage: Im Oktober steht eure Deutschlandtour ins Haus. Was erwartet ihr euch?

Culcha Candela: Eine HAMMA!-Tour! Ausverkaufte Hütten, riesige Konzerte, begeisterte Menschen im Publikum, begeisterte Menschen auf der Bühne, jede Menge Spaß und noch vieles mehr.

CDstarts.de: Das ist doch mal ein Wort. Pflegt ihr bestimmt Rituale, bevor ihr auf die Bühne geht? Gibt es eine Art gemeinsamer Einschwörung oder Ähnliches?

Culcha Candela: Wir haben einen Spezialton, den wir nicht verraten (lacht). Nein, ihr kennt doch bestimmt dieses bekannte Bild die Hände übereinander zu legen? Wir haben das auch in einer anderen Version und da geschieht genau das, was du gerade angesprochen hast: Da wird noch mal motiviert, es werden noch mal wichtige Punkte angesprochen, es wird laut geschrieen und dann geht es auf die Bühne.

CDstarts.de: Wenn man einen Blick auf eure früheren Alben wirft: „Union Verdadera“ war noch ziemlich durch Reggae geprägt. Jetzt lässt sich ja ein deutlicher Wandel hin zu HipHop beobachten. (Kopfschütteln von Seiten der Bandmitglieder) Meint man das vielleicht einfach nur?
Culcha Candela: Das meint man nur.

CDstarts.de: Die Frage wäre jetzt gewesen, worin dieser „Wandel“ begründet liegt?

[thumb:right| Culcha Candela: Also einen „Wandel“ gibt es eigentlich nicht: Es gibt vielleicht auf der ersten Scheibe etwas mehr Reggae, auf der zweiten etwas mehr Salsa, auf der dritten mehr HipHop und auf der vierten dann vielleicht etwas ganz anderes. Culcha Candela beschränkt sich nicht auf eine Musikrichtung. Auch wenn es jetzt vielleicht etwas mehr HipHop ist: Das ist nur ein Teil von uns und es gibt noch viel, viel mehr. Wir machen vor allem die Musik auf die wir Bock haben und wir haben vom ersten Tag an verschiedene Musikstile gemischt. Das ist das Konzept dieser Band: Wir pflücken uns aus all den Styles, die wir an Vorlieben mitbringen, die geilsten Sachen raus, schmeißen das in einen Topf und machen eine total neue Suppe draus. Dabei kommt dann auf dem einen Album das eine, auf dem anderen Album das andere mehr zur Geltung. Wir machen immer noch genau die gleiche Musik wie früher, nur die Gewichtung ändert sich bei jedem Album.

CDstarts.de: Dazu passt die nächste Frage: Was hört ihr denn privat am liebsten? Gibt es aus dieser Richtung auch Einflüsse, die ihr in euren Style einfließen lasst?

Culcha Candela: Bei sieben Leuten mit so unterschiedlichen Vorlieben hast du da eine ganz schön lange Liste. Allgemein kann man aber sagen, dass wir da völlig open-minded sind, wir hören alle Musik die gut ist und wir versuchen auch immer, neue Musik zu finden. Wenn wir dann neue Anregungen bekommen, versuchen wir die auch in unsere Musik einfließen zu lassen. Das ist also nicht in irgendeiner Form begrenzt. Der Culcha-Sound, die Musik die wir machen, ist eigentlich alles. Und was du bisher noch nicht gehört hast, wirst du dann vielleicht noch hören.

CDstarts.de: Gibt es denn irgendeine Band oder einen Künstler, der euch inspiriert oder der als eine Art „Vorbild“ angesehen werden kann?

Culcha Candela: Das ist schwer: Wir sind sieben Leute und jeder hat vielleicht fünf Menschen die er persönlich toll findet. Wir haben uns bestimmt von Bands beeinflussen lassen, bei denen wir selbst im Vorprogramm gespielt haben, wie Gentleman oder den Söhnen Mannheims, die alle sehr gute Musiker sind. Aber ich glaube, wir haben jetzt keine einzelne Person bei der wir sagen: Das ist die Inspiration schlechthin. Da sind die Fans wichtiger, denn die geben uns die Kraft, die Inspiration und auch den Respekt um weiterzumachen. Obwohl man bestimmt sagen kann, dass Bob Marley jemand ist, den wir alle verehren – und manchmal inspirieren mich auch meine Bandkollegen (lacht).

CDstarts.de: Wir wissen dass ihr unter Zeitdruck steht, daher schon unsere letzte Frage.

Culcha Candela: Jetzt bin ich gespannt: Letzte Fragen sind immer am krassesten.

CDstarts.de: Was unweigerlich ins Auge springt wenn man sich Culcha Candela ansieht: Fünf verschiedene Nationalitäten, vier verschiedene Sprachen, euer Engagement bei „Rock gegen Rechts“: Würdet ihr selber sagen, dass ihr in irgendeiner Art eine „Vorbildfunktion“ habt oder besser gesagt, dass ihr ein Ideal vorlebt, wie man in unserer Gesellschaft viele verschiedene Kulturen unter einen Hut bekommt?

[thumb:left| Culcha Candela: Wir versuchen vor allem der Welt zu zeigen, dass verschiedene Kulturen gut miteinander auskommen können – das ist das Wichtigste. „Vorbild“ ist so eine Sache, das ist so ein eingebildetes Wort – das können wir nicht selbst beurteilen. Wir wollen uns auch nicht hinstellen und behaupten, dass wir jetzt ein Vorbild für die Gesellschaft sind. Bei uns klappt das einfach. Wir setzten uns ein paar Regeln, vor allem Respekt und Toleranz, und ganz wichtig: Gegenseitig zuhören. Das ist ganz wichtig in dieser Welt, die Menschen hören sich gegenseitig nicht zu. Das versuchen wir auszuleben – und dabei spielt die Frage Vorbild oder nicht keine Rolle. Es läuft einfach kontinuierlich und wir sehen auch die Bestätigung. Wir sind keine Band die jetzt aus dem Nichts auf Platz 1 gekommen ist, sondern eine Band, die eine Entwicklung hat worauf wir wirklich stolz sind und wovon wir sagen können: Das ist unsere Bestätigung. „Vorbild“ zu sein, dass können wir nicht sagen, es könnte ein Vorbild sein – und wenn wir Leute inspirieren können freuen wir uns natürlich.

CDstarts.de: Können wir noch kurz die Frage einschieben, wie ihr euch kennen gelernt habt? Wie habt ihr euch als Band zusammengefunden?

Culcha Candela: Kennst du die „Bild-Zeitung“? Da stand auf der ersten Seite so eine Anzeige: „Multi-Kulti-Band gesucht“ (lacht). Nein, wir kommen ja alle aus Berlin und Berlin ist multikulturell. Wir sind einfach ein Spiegelbild der Stadt und es kam einfach eins zum anderen. Einer kannte einen Anderen und so hat sich das dann zusammengefunden. Wir sind einfach ein Kind von Berlin. Ohne Berlin, ohne diese Stadt und diese Geschichte würde es uns nicht geben. Die Art wie man in Berlin aufwächst, das hat jeden von uns geprägt: Einfach anderen Kulturen gegenüber offen zu sein und die Bereitschaft dazu zu haben. Dazu muss einfach im Kopf etwas geschehen.

CDstarts.de: Tolles Schlusswort. Wir bedanken uns, dass ihr trotz eurem Termindruck Zeit für uns hattet und wünschen euch für die kommende Tour viel Erfolg und alles Gute.

Fotos & Interview: Coco Hackel und für CDstarts.de

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