Opeth Fredrik Akeson (Opeth)

  • 03.06.2008
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Fredrik Akeson (Opeth) - News
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Der Gitarrist der Progressive-Metaller Opeth stellt sich den Fragen von CDstarts.

CDstarts.de: Fredrik, du bist zurzeit mit „Opeth“ auf Tour durch Amerika, wie läuft es bisher?

F.A.: Super, wirklich großartig. Wir hatten gestern eine ausverkaufte Show in Washington DC und es war echt angenehm. Die amerikanischen Fans applaudieren eher nach den Songs und sind während der Lieder eher zurückhaltend. Vor ein paar Tagen waren wir in Kanada. Dort ist alles total anders, das Publikum dreht während der Stücke regelrecht durch (lacht). Danach geht’s nach Europa auf einige Festivals und im Anschluss auf Japan-Tour.

CDstarts.de: Also keine Zeit für Urlaub für dich im Moment?

F.A.: Nein, das sieht eher schlecht aus. Unser Tourmanager ist wirklich verrückt, was die Terminplanung angeht. Ich meine, wir spielen auf 23 Festivals überall in Europa dieses Jahr, das ist wirklich Wahnsinn. Aber es macht ja auch wirklich viel Spaß.

CDstarts.de: Du hast vorher bei Arch Enemy gespielt. Was war der Grund für das Verlassen der Truppe und wie kam es dann zu der Möglichkeit, bei Opeth zu spielen?

F.A.: Die beiden Gitarristen von Arch Enemy sind Brüder. Christopher verließ die Band, weil er sein Studium beenden wollte. Also trat deren Manager an mich heran und fragte, ob ich nicht Lust hätte, einzusteigen. Nach 2 Jahren unermüdlichen Tourens entschied sich Christopher dazu, der Band wieder beizutreten. Also wurde mir mitgeteilt, dass ich nicht mehr länger dabei bin. Dann wusste ich einige Monate nicht so recht, was ich machen könnte, war ziemlich unglücklich. Ich hatte auch schon den Plan gefasst eine eigene Band zu gründen, doch fragte mich Mikael Akerfeldt (Anm. d. Red.: der Sänger und kreative Kopf der Formation), bei Opeth mitzuspielen. Ich war Feuer und Flamme dafür, da ich diese Band schon sehr lange höre und liebe, außerdem kenne ich alle Mitglieder wirklich sehr gut. Ich bin jetzt sehr viel glücklicher als ich es gegen Ende in Arch Enemy war, ich meine es hat Spaß gemacht und war eine interessante Sache, aber das hier finde ich doch wesentlich besser.

CDstarts.de: Wo liegen für dich die Unterschiede zwischen der Zeit bei Arch Enemy und jetzt in Opeth?

F.A.: Es ist komplett anders. In Arch Enemy war ich nie wirklich an den Aufnahmen oder ähnlichem beteiligt, ich habe eben auf Tour die Gitarre gespielt. Jetzt fühle ich mich richtig involviert, habe zu dem aktuellen Werk auch eine Menge beigetragen und finde noch dazu die anderen Jungs und auch die Crew richtig toll. Kennen gelernt habe ich die Jungs letztes Jahr, als wir mit Arch Enemy durch Nordamerika tourten. Da waren Opeth und Megadeth mit von der Partie und ich stellte da schon fest, wie großartig die Jungs von Opeth sind.

CDstarts.de: Hast du auf der Tour auch Kontakt zu Dave Mustaine haben können? Man hört ja so einige Gerüchte über den Megadeath-Frontmann in Bezug auf Drogen!

F.A.: Ja, wir haben uns so ziemlich jeden Tag gesehen. Aber ich kann nichts von den Gerüchten bestätigen. Er war wirklich sehr professionell. Ich hingegen habe mich an einem Tag so sehr betrunken, dass ich hinter dem Tourbus eingeschlafen bin. Dave hat mich gerettet, denn gerade als der Bus losfahren wollte, entdeckte er mich und sorgte dafür, dass der Fahrer stoppte. Beinahe wäre der über mich gerollt (lacht). Dave Mustaine ist wirklich ein netter Kerl.

CDstarts.de: Du warst ja an der Albumproduktion von dem aktuellen Opeth-Album „Watershed“ mit beteiligt. Ihr habt in 2 unterschiedlichen Studios aufgenommen. Konnte damit der Kontroll-Freak Akerfeldt gebändigt werden?

F.A.: Der Grund für diese Idee war schlicht und einfach Zeitersparnis. Die beiden Studios waren in ein und demselben Haus. Somit konnten wir im kleineren Gitarren aufnehmen, während im Großen die Drums und der Bass eigespielt wurden. Wir haben dadurch lediglich knapp 5 Wochen zum aufnehmen gebraucht. Im Vorfeld gab es natürlich auch Vorproduktionen und Proben. Somit wussten alle, was genau aufgenommen werden sollte. Bei meinen Solos hatte ich im Übrigen dann auch wirklich ziemlich viel Freiraum. Auch war Mikael nicht im Raum, als ich meine Parts aufnahm, mir wurde also sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Er hat es sich aber nicht nehmen lassen, jeden Abend die aufgenommenen Sachen anzuhören. Der Studioalltag war allerdings echt hart. Es ging um 8 früh los und dann meist bis spät abends. Unser Drummer Anders Nordin hatte an einem Tag 20 Stunden lang Schlagzeug gespielt, der Typ ist echt krank (lacht). Aber es hat wirklich viel Spaß gemacht und ich freue mich schon auf das nächste Album.

CDstarts.de: Kommen wir zum aktuellen Album, man hat den Eindruck, dass ihr mehr Psychedelic-Elemente eingebaut habt, auch die Keyboard-Parts haben stark zugenommen. Gibt es da einen Zusammenhang?

F.A.: Es ist durchaus experimenteller und auch komplexer geworden. Mikael hat im Vorfeld die Band „The Zombies“, eine Psychadelic-Band aus den 60ern ziemlich oft gehört, was wohl ein Hauptgrund für das Einschlagen dieser Richtung ist, aber so eine Veränderung ist ja auch nicht ungewöhnlich.

CDstarts.de: Ihr habt diesmal einen ziemlich ungewöhnlichen Einstieg mit dem gut zwei Minuten langen Stück „Coil“ gewählt. Wie kam es dazu und wer ist die Frauenstimme?

F.A.: Zunächst wollten wir die CD mit „Heir apparent“, dem nun zweiten Song beginnen. Dann kam aber Mikael mit der Idee zu diesem ruhigen Intro und wir fanden das alle echt großartig. Es ist ungewöhnlich ruhig und kommt auch ziemlich überraschend daher, das hatte einfach einen großen Reiz. Die Frauenstimme ist im Übrigen Natalie, die Freundin unseres Drummers. Sie spielt in einer Akustikband. Der Kontrast zum zweiten Song ist außerdem echt cool.

CDstarts.de: Die Musik von Opeth unterscheidet sich schon ziemlich von der Arch Enemy-Zeit. War es schwer für dich mit den teilweise ungewöhnlichen Elementen von Progressive Metal klarzukommen?

F.A.: Nun ja, es war am Anfang schon ziemlich schwer und ich musste viel Üben. Es ist ja nicht nur Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Solo und aus, sondern es gibt hier so viele unterschiedliche Parts in einem Song, was das ganze natürlich ziemlich komplex macht. Jedoch war ich ja schon länger Fan der Band, kannte also den Großteil der Lieder, auch Mikael half mir viel beim Erlernen der Lieder und zeigte mir einige Kniffe beim spielen. Mittlerweile habe ich auch keine Probleme mehr und es macht einfach Spaß, weil es nicht dieses ein Riff-ein Song Ding ist, da wird es einem einfach nicht langweilig.

CDstarts.de: „Burden“ ist eine wirklich großartige Ballade. Nur das Ende, bei welchem man eine Akustikgitarre spielen hört, die immer tiefer und tiefer gestimmt wird, passt irgendwie nicht so Recht dazu. Wie kam diese Idee?

F.A.: Nun, ich saß im Transporterraum, während Mikael diese Gitarre einspielte und plötzlich mit der Idee daherkam, ich sollte mal an seiner Mechanik drehen und die Gitarre ganz langsam tiefer stimmen. Ganz ehrlich, mir gefällt es selbst nicht wirklich, das passt irgendwie nicht zu dieser schönen Ballade. Aber da es am Ende ist, kann man zur Not ja weiter skippen (lacht).

CDstarts.de: Wie geht’s jetzt weiter mit Opeth? Klingt so, als würdest du im Moment viel Spaß haben!

F.A.: Hab ich auch und das Touren macht unglaublich viel Spaß. Nach der Japan-Tour geht’s nach Australien, dann nochmal durch die USA und im Anschluss durch Europa. Danach haben wir eine Woche Weihnachtsurlaub und im Anschluss wird fleißig weitergetourt, durch Europa oder die USA, ich bin mir gerade nicht ganz sicher, aber wofür hat man Tourmanager (lacht). Nun ja danach habe ich geplant, ein eigenes Album aufzunehmen, was vermutlich eine Akustik-Sache werden wird, aber ich bin mir da auch noch nicht ganz sicher. Urlaub werde ich also dann auch nicht machen, aber es gibt für mich auch nichts schöneres, sei es mit Opeth, oder alleine – Musik ist einfach mein Leben.

CDstarts.de wünscht nur das Beste für Fredrik Akeson von Opeth und bedankt sich für dieses Interview. Das Interview führte Tobias Winkler

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