Michael Popp (QNTAL)

  • 25.10.2008
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Michael Popp (QNTAL) - News
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CDstarts im Gespräch mit dem Multiinstrumentalisten der Mittelalterband.

CDstarts: Schön, dass du dir die Zeit nimmst, mit CDstarts.de über euer neues Album zu sprechen. Ihr veröffentlicht jetzt mit „Purpurea“ ja eine Zusammenstellung eures bisherigen Schaffens. So ein „Best Of“ ist auch immer ein guter Anlass zurück zu blicken. Ihr geltet ja in eurem Bereich als Pioniere der Mittelalter-Elektro. Aber gab es gerade in der Anfangsphase auch Bands, an denen ihr euch orientiert habt? Gab es da Vorbilder?

Michael Popp: Das kann man nicht so sagen. Damals gab es die ganze Szene ja noch nicht, also hatten wir auch nicht so wirkliche Vorbilder. Auch das mit dem Frauengesang war damals ja noch nicht so üblich.

CDstarts: Einige Bands kombinieren mittelalterliche Sounds mit Rockelementen, andere haben sich einer elektronischen Variante verschrieben. Was war das die Grundidee bei QNTAL? Hattet ihr von Anfang an diese elektronische Ausrichtung im Kopf?

Michael Popp: Der Ausgangspunkt war bei uns ja der: Ernst Horn und ich hatten bei Deine Lakeien zu tun. Dann gab es bei uns einfach diese Grundidee, elektronische Elemente und Mittelalterelemente miteinander zu verknüpfen. Wir fanden, dass das einfach sehr gut zusammen passt, weil diese beiden Stile ja grundsätzlich etwas Sphärisches haben. Dahinter stand also eine musikalisch-technische Überlegung. Und dann haben wir versucht damit zu experimentieren.

CDstarts: Wenn du die Geschichte QNTALs ein bisschen gliedern müsstest… wie sähe das aus?

Michael Popp: Ich sehe das so: wenn QNTAL ein Buch wäre, dann wäre jede CD für sich ein Kapitel. Man muss dazu sagen, dass die Grundidee unserer Musik, original mittelalterliche Texte zu nehmen und so zu vertonen, dabei immer unverändert geblieben ist. Natürlich hört man dann auch immer mal den Zeitgeist raus. Da gab es mal mehr Elektronik, mal mehr Mittelalter, oder auch mal was mit Chören und so. Insgesamt lassen sich natürlich zwei grobe Phasen unterscheiden: eine mit Ernst Horn und eine mit Philipp Groth. Dazwischen gab es ja auch einige Jahre, wo wir nichts veröffentlicht haben, insofern also schon eine Zäsur. Wobei wir ja erst ab der Zeit mit Philipp Groth und dem Album „QNTAL III” eine richtige Band wurden und Auftritte gespielt haben. Davor war das eher ein Projekt.

CDstarts: Mit etwas zeitlichem Abstand gesehen: gibt es auch eine CD, wo ihr sagen würdet „das hätten wir jetzt vielleicht heute anders gemacht”? Oder seid ihr komplett mit allem zufrieden, wie es ist?

Michael Popp: Das kommt drauf an, wie die Frage gemeint ist. Ich meine, ich würde heute alles anders machen, einfach weil es keinen Sinn ergibt sich zu wiederholen. Ich könnte jeden einzelnen Text nehmen und einen komplett neuen Song daraus machen. Das heißt aber nicht, dass ich das, was wir letztendlich veröffentlicht haben, jetzt nicht gut finden würde. Eigentlich haben wir kein Album gemacht, das ich jetzt als schlecht bewerten würde, mal abgesehen vielleicht von kleineren technischen Sachen, die mit Produktion oder kleinen Spielfehlern zusammen hängen. Da bin ich auch ein bisschen stolz drauf, weil QNTAL eine gewisse Zeitlosigkeit erreicht haben.

CDstarts: Ich habe gerade das Gefühl, dass bei euren Fans das „IV.“- und „VI.“-Album ein bisschen umstritten sind. Da gibt es viele, die das ganz großartig finden, auf der anderen Seite Leute, die die beiden Scheiben vielleicht nicht so gut finden.

Michael Popp: Gut, beim „VI.“-Album kann man sagen, dass es in seiner Art etwas kühl ist. Das war gewisser Weise einfach Absicht. Vielleicht war das aber nicht das, was der typische QNTAL-Hörer erwartet hat. Hinter der prinzipiellen Idee dahinter steh ich schon. Ich muss aber auch sagen, dass das „VI.“-Album auch nicht meine liebste QNTAL-Scheibe ist. Wobei das jeder in der Band auch anders sieht.

CDstarts: Reagiert ihr denn darauf, wenn ihr von solchen Stimmen aus der QNTAL-Hörerschaft hört?

Michael Popp: Es ist ja so, dass es eine einhellige Meinung auch nicht gibt. Gerade, wenn man die deutschen Fans mit denen aus anderen Ländern vergleicht. Wenn es da eine allgemeine Aussage der Fans gäbe, würde mir das natürlich schon zu denken geben. Ich nehme solche Kommentare ja auch ernst. Dadurch, dass die aber nicht homogen sind, hat das auf die Musik dann eher wenig Einfluss.

CDstarts: Ich will jetzt gar keinen kalten Kaffee wieder aufwärmen, aber vor einigen Jahren gab es ja dann etwas Ärger mit Deine Lakeien. Wie ist der Stand heute? Gibt es da noch böses Blut?

Michael Popp: Also von mir aus überhaupt nicht. Ich hab mit Ernst ja auch immer noch Kontakt, sowohl geschäftlich, als auch privat. Der war ja auch in Hinblick auf das Musikgeschäft mit mir auf einer Wellenlänge.

CDstarts: Die ganze Gothic- und Mittelalter-Szene hat ja den Ruf, eine sehr friedliche zu sein. Siehst du das genau so? Oder gibt’s dann da doch mal Reibereien oder Rivalitäten zwischen einzelnen Bands?

Michael Popp: Was das Verhältnis der Fans untereinander angeht, gebe ich dir recht. Ich bin ja persönlich nicht so sehr involviert, aber was ich so vom Hörensagen weiß: zwischen einzelnen Bands gibt’s da wohl schon immer mal wieder Reibereien, wer wem die Dudelsackmelodie geklaut hat oder so. Wenn man die Frage anders deutet: mir ist die Gothic-Szene schon fast zu friedlich geworden. Viele haben vergessen, dass die ganze Gothic-Szene ursprünglich eine Subkultur der Punkbewegung war. Heute fehlen mir ein bisschen die Inhalte oder politische Aussagen. Das Ganze ist sehr partytauglich geworden. Fans und Bands könnten etwas engagierter und experimentierfreudiger sein. Früher war da viel Gesellschaftskritik dabei, das würde ich mir zurück wünschen. Langsam hat es schon fast was von Mainstream. Wenn man es überzeichnet ausdrückt, sind diese ganzen Mittelaltermärkte schon sowas wie das Oktoberfest geworden. Da gibt es diese leichte Tendenz, dass da eine Band auf der Bühne steht und irgendwann wankt man zum nächsten Metstand… Ich bin sicher kein Mensch, der nicht auch mal das Leben genießen würde. Aber ich glaube, dass manchmal auch ein bisschen mehr dazu gehört. Mehr Entwicklung, mehr Vorantreiben, das würde der Szene auch gut tun. Dann würde man nicht ständig dazu tendieren, immer die Erwartungshaltung des Publikums befriedigen zu wollen, wie es viele dieser Dudelsackgruppen machen.

CDstarts: Wir haben ja jetzt auch schon ein bisschen über Kommerzialisierung gesprochen. Mir drängt sich natürlich die Frage auf: besteht überhaupt ein Markt für ein „Best Of“ von QNTAL? Die Fans werden die Originalalben ohnehin zu Hause stehen haben.

Michael Popp: Gut, die Frage zielt jetzt natürlich darauf hin, für wen man so ein „Best Of“ macht. QNTAL gibt es ja jetzt schon seit knapp 20 Jahren und dann ist jetzt eben auch mal kurz Zeit, um ein bisschen zurück zu blicken. Das hat auch etwas mit der Energie innerhalb der Band zu tun. Man sammelt sich, um wieder einen Punkt zum Ansetzen zu finden, wo man weiter machen kann. Die Scheibe ist natürlich vor allem für Neueinsteiger interessant, aber die zweite CD bietet ja auch jede Menge bislang unveröffentlichtes Material für die Fans.

CDstarts: Wie sind die Songs von „Purpurea“ zusammen gesetzt? Gab es da Bandinterne Diskussionen, was enthalten sein soll? So eine Selektion ist ja nicht ganz unproblematisch.

Michael Popp: Ja die gab es natürlich. Einerseits wollten wir die Trackliste recht umfassend machen, damit jede Schaffensphase abgedeckt wird. Andererseits hat ja jeder auch seine Lieblingsnummer, die er unbedingt auf dem Album haben will. Wenn man so nah dran ist, ist das ein bisschen problematisch. Es gibt zum Beispiel Songs, die an Zeiten erinnern, in denen man einfach sehr gut drauf war und das verbindet man dann mit dem Song. Das macht die Nummer aber an sich dann nicht besonders. Letztendlich haben wir dann eine informelle Befragung im Bekannten- und Freundeskreis durchgeführt und danach dann die endgültige Zusammensetzung beschlossen.

CDstarts: In der Vergangenheit war zu beobachten, dass sich einige Bands etwas von der ganzen Mittelalter-Szene etwas distanzieren. Wie lange glaubst du kann dieser Boom überhaupt noch weiter gehen?

Michael Popp: Ich sage schon seit zahn Jahren, dass das irgendwann ein Ende haben muss. Bisher ist es aber noch nie so weit gekommen… Das gefährliche für diese Szene ist, dass es eben überhaupt keine Entwicklung gibt. Seit den Anfängen bis heute gibt es keinen nennenswerten Unterschied. Sowohl musikalisch, als auch von der ganzen Aufmachung tritt man da sehr auf der Stelle. Deshalb wird das ganze Kartenhaus irgendwann zusammen brechen. Persönlich sehe ich dem etwas gelassener entgegen, weil ich QNTAL da nur im Randbereich für betroffen halte. Ich würde der Szene etwas frischen Wind wünschen.

CDstarts: Habt ihr selbst Kollegen, deren Arbeit ihr besonders schätzt.

Michael Popp: Auf jeden Fall Corvus Corax! Die haben in ihrem Bereich absolute Pionierarbeit geleistet und viele Nachahmer auf niedrigerem Niveau nach sich gezogen. Allerdings haben die schon alle ihre Qualitäten, ich will da niemanden runter machen. Obwohl ich aber auch kein Geheimnis daraus mache, dass ich kein Fan dieser ganzen Dudelsack-Gruppen und Partybands bin. Das finde ich ein bisschen verflacht und mainstreamig. Ich komm aber auch aus einer anderen Ecke. Bei Deine Lakeien und auch als wir mit QNTAL angefangen haben. Da gab’s diese Jubel-Trubel-Heiterkeit Musik einfach nicht.

CDstarts: Gibt es Zukunftspläne mit QNTAL? Wisst ihr schon, wo euch euer Weg hinführen soll?

Michael Popp: Erst mal natürlich eine kleine Tour und ich hab auch schon ein paar Ideen für das nächste Album, an dem wir in diesem Winter arbeiten werden. Ein neues Studioalbum könnte dann im Herbst nächstes Jahr bereit stehen.

CDstarts: Vielen Dank an Michael Popp von QNTAL für das ausführliche Gespräch!

Das Interview führte Felix Liedel

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