Múm Interviews

  • 17.04.2010
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Múm - News
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Elfen, Trolle, Diktatoren und finnische Landhäuser.

Während ihres Konzerts in Köln am 7. September 2009 nahm sich Örvar von Múm die Zeit für ein Interview auf dem Hof des Gebäude 9.

CDstarts.de: Welchen Teil von Múm übernimmst du und welche Instrumente spielst du?

Örvar: Ich spiele Gitarre, Keyboard, Melodika, Flöten, Mundharmonika, ein Kazoo und manchmal auch Klavier. Und ich singe. Ich schreibe Musik, ich nehme Musik auf und ich spiele Konzerte.

CDstarts.de: Wann habt ihr angefangen als Múm zu spielen? Ihr seid eine relativ große Band mit 6-7 Leuten. Wer entscheidet bei euch wer welches Instrument spielt?

Örvar: Wir haben, glaube ich, ungefähr vor 10 Jahren angefangen. Wir treffen keine wirklichen Entscheidungen. Es gibt keinen Diktator in der Band und es gibt keine bestimmte Art und Weise in der wir es machen. Wir lassen es einfach passieren. Wenn jemand etwas spielen möchte, spielt er es einfach. Es gibt keine Besitzansprüche. Keiner macht es kompliziert.

CDstarts.de: Also hält niemand das Zepter in der Hand und gibt den Ton in der Band an?

Örvar: Nein, so jemanden haben wir nicht.

CDstarts.de: Seid ihr genauso spontan wenn ihr eure Songs aufnehmt wie wenn ihr auf der Bühne steht?

Örvar: Ich glaube wenn wir aufnehmen sind wir viel spontaner. Wir probieren viel aus. Auf der Bühne haben wir einen engeren Rahmen, weil wir die Lieder dann ja live spielen. Aber die Songs können sich stark von den Albumversionen unterscheiden.

CDstarts.de: Ihr seid dafür bekannt, eure Alben an ungewöhnlichen Orten aufzunehmen. Eure letzten Alben habt ihr zum Beispiel in einer Blockhütte in Island oder in einem Landhaus in Finnland und auch in Estland aufgenommen. Wie seid ihr auf die Idee gekommen und wie inspirieren euch diese Orte während der Aufnahmen?

Örvar: Wir mögen es uns schöne Orte anzusehen. Wir gehen gerne an Orte, an denen wir uns entspannen können, gut essen können und nicht zu viel Druck spüren. Wenn man ein normales Studio bezahlt, bezahlt man eine Menge Geld und fühlt eine Menge Druck während der Aufnahmen. Wir schreiben und nehmen Musik oft zur gleichen Zeit auf. Dann ist es gut, wenn wir uns keine Sorgen um die Finanzierung des Studios machen müssen, während wir noch an den Liedern formen. Aber am wichtigsten – wenn wir Musik machen wollen, wollen wir es auf die Art und Weise tun, mit der wir uns gut fühlen. Auf die Art und Weise, die unsere Tage zu etwas besonderem macht.

CDstarts.de: Also war das Gebiet oder die Gebäude in denen ihr das Album eingespielt habt, Inspiration für eure Aufnahme?

Örvar: Ich glaube schon, aber nicht im direkten Sinne. Nichts was sich auf der Oberfläche zeigt. Vielleicht auf eine versteckte Art. Ganz selten kann man einen wirklichen Einfluss des Orts auf unsere Musik festnageln.

CDstarts.de: Kommen wir nun zu den Texten eurer Songs. Manche davon sind ein wenig mysteriös, also nicht die normalen Texte, wie man aus den Charts kennt, wie zum Beispiel „I love you, you don't love me but in the end of the song you will love me“ oder „Kay-ray-ku-ku-kex“ vom aktuellen Album. Sie klingen ein bisschen nach Dadaismus. Wer schreibt die Texte und entstehen sie genauso spontan wie die Musik?

Örvar: Ich schreibe für gewöhnlich die Texte. Sie sind relativ spontan, hören sich für mich aber nicht seltsam an. Ich könnte sie jetzt alle mit dir durchgehen und sie dir erklären. Aber sie sind nicht dazu gedacht zu wörtlich oder ernst genommen zu werden. Sie sind da für diejenigen, die sie wollen und kein notwendiger Teil der Musik, sondern eine Nebendimension, die der Musik folgt. Wenn sich jemand näher damit beschäftigen möchte, ist das okay.

CDstarts.de: Haben die Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen für Island. Einfluss auf euch und eure Musik genommen?

Örvar: Ich glaube, die Finanzkrise oder mehr die politische Krise und die ethnische Krise haben eine Wirkung auf jeden der in Island lebt. Ich weiß nicht, wie sehr ich mich in dieses Thema vertiefen soll. Aber es gibt keine Möglichkeit, dass irgendetwas was man tut davon nicht beeinflusst wird. Es passieren so viele Dinge. Aber wir zeigen auch hier keinen direkten Einfluss dieser Dinge. Wenn wirklich etwas davon in unserer Musik auftaucht, dann ist es für gewöhnlich mehr en Detail oder in den Dingen, die die Menschen normalerweise übersehen würden. Wenn also etwas über die Krise in unseren Texten oder in der Musik zu finden ist, ist es nicht bewusst daraus entstanden, sondern aus den Gefühlen, die wir damit verbinden.

CDstarts.de: In Island spielen mythologische Dinge wie Elfen und Trolle eine besondere Rolle. Hast du sie in Island oder auf Tour gesehen oder gefühlt oder ist es normal für dich?

Örvar: Natürlich wird viel darüber gesprochen und ich denke es ist ein schöner Mythos und ein wirklich schöner Weg über diese andere Welt, die wir nicht sehen können zu denken. Es geht darum dafür offen zu sein, dass es mehr im Leben und auf dieser Welt gibt, als man wirklich sehen kann. Wenn du irgendwo draußen bist, wo es nichts gibt. Nichts passiert. Kein Geräusch, keine Ablenkung deiner Gedanken. Dann fangen deine Gedanken an darum zu kreisen was noch da draußen sein könnte. Wenn du da draußen bist, klingt es gar nicht so dämlich.

CDstarts.de: Die meisten eurer offiziellen Musikvideos, besonders die der letzten beiden Alben, sind in einem bestimmten Stil gezeichnet. Werden sie von einer bestimmten Gruppe von Menschen bzw. oder sind sie von verschiedenen Personen gemacht worden?

Örvar: Ja, es sind meist unterschiedliche Personen.

CDstarts.de: Habt ihr Einfluss auf die Videos?

Örvar: Wir unterhalten uns gewöhnlich mit den Machern der Videos. Wir bringen Ideen ein und tauschen uns darüber aus, was passieren soll. Unsere gute Freundin Ingas – sie hat auch das Artwork des letzten Albums gemacht – hat zuvor schon einige Videos für das „Go go smear the poison ivy“-Album gemacht. Aber nächste Woche kommt unser neues Video heraus. Es ist nicht gezeichnet, sondern ein gespieltes Video zu „Sing along to songs you don't know“. Es ist sehr interessant weil es anders als die anderen Videos ist.

CDstarts.de: In welchen Bands oder Projekten spielt ihr außerhalb von Múm?

Örvar: Nun, einige von uns spielen mit Benni Hemm Hemm, Borko, Sin Fang Bous die großartig sind, Skakkamanage und Seabear. Ich spiele jetzt bei FM Belfast. Ich habe in vielen Bands gespielt, aber ich habe bei den meisten aufgehört. Zum Beispiel war ich der Bassist von Benni Hemm Hemm.

CDstarts.de: Tatsächlich sind die in Deutschland berühmtesten isländischen Musiker Björk und Sigur Rós. Vielleicht kennen manche noch Gus Gus oder Amiina. Welche anderen Bands kannst du unseren Lesern empfehlen?

Örvar: Nun, ich weiß, dass die tatsächliche isländische Musik sehr weit weg von ihnen ist. Aber ich kann ein paar nennen wie Retro Stefanson, eine nette Band mit tollen Musikern. Dann Sin Fang Bous, Benni Hemm Hemm und FM Belfast.

Das Interview führte Bastian Schmatz

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