Felix Flaucher (18 Summers)

  • 13.06.2012
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Felix Flaucher (18 Summers) - News
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Zwischen Facebook, Kinderwünschen und schwarzer Szene.

18 Summers-Mastermind Felix Flaucher nahm sich anlässlich der Veröffentlichung von „The Magic Circus“ Zeit für ein Interview mit CDstarts.de-Redakteur Daniel Leckert. Neben dem aktuellen Werk ging es auch um seine Theater-Leidenschaft und die Gothic/Dark Wave-Szene, in der 18 Summers (früher: Silke Bischoff) vor allem wahrgenommen werden.

CDstarts.de: Seit eurem letzten Album „Virgin Mary“ (2002) sind zehn Jahre vergangen. Warum hat es so lange gedauert, ehe der Nachfolger „The Magic Circus“ erschien?

Felix: Es gab keinerlei Druck von einem Label, so schnell wie möglich ein neues Album fertig zu stellen. Das ließ uns ziemliche Freiheiten und so ganz ohne Deadline konnten wir uns alle Zeit der Welt nehmen. Wir haben zwar schon vor Ewigkeiten begonnen, die ersten Songs für das neue Album zu schreiben und Frank hat inzwischen in seinem Keller ein kleines Studio eingerichtet; aber wir führen auch ein Leben neben der Musik und treffen uns nicht täglich, um an neuen Songs zu arbeiten.

CDstarts.de: Welchen Stellenwert haben Nebenprojekte für Dich?

Felix: Ich habe gerade die Vocals zu einem Duett mit Leandra Ophelia Dax eingesungen und für die Theatertruppe, mit der ich seit vier Jahren unterwegs bin, haben Frank und ich die Hintergrundmusik zur Schlussszene fertiggestellt. Im Juli finden an den Wochenenden die Aufführungen des neuen Stückes statt und wir sind mitten in den Proben. Allerdings musste ich wegen des Amphi-Festivals – auch hier sind wir gerade in den Vorbereitungen - alternierend besetzt werden und oft genug frage ich mich, warum ich mir das alles gebe, könnte ich doch auch entspannt in einem Schaukelstuhl mit einem Buch in der Hand auf dem Balkon schimmeln.

CDstarts.de: „The Magic Circus“ hört sich an wie ein runder Querschnitt durch eure Karriere. Wie beschreibst Du selber das Werk bezüglich Musik, Artwork und der Themen?

Felix: „The Magic Circus“ ist vielleicht etwas weniger düster als frühere Alben und auch das Artwork sieht nicht ganz so aus, wie es viele erwartet hätten. Während ich bisher sehr oft LaVey oder Crowley zitiert und bei meinen Mädchenfotos gerne mit Waffen und Theaterblut gearbeitet habe, gibt es inzwischen eine solche Flut abscheulicher aber auch hervorragender Fetisch-Fotografen, dass es fast schon ein bisschen langweilig geworden ist. Außerdem entwickelt man sich selbst auch weiter und da ich mich der Lowbrow-Bewegung sehr verbunden fühle und mit Künstlern des Pop-Surrealismus inzwischen mehr anfangen kann als mit der ganzen Lack-, Leder- und Gummi-Fetisch-Szene, sollte sich das auch im Artwork widerspiegeln.

Das Album klingt wie aus einem Guss und ist gleichzeitig sehr facettenreich, da wir die verschiedensten Einflüsse zulassen. Es klingt unverkennbar nach 18 Summers (oder wenn man so will auch nach Silke Bischoff), hat aber doch seine ganz eigene Färbung, seinen eigenen Charakter. Wir wollten kein Album machen, dass einfach nur „nahtlos an seine Vorgänger anknüpft“, aber auch keines, das sich zu weit von dem entfernt, was uns eigentlich ausmacht.

CDstarts.de: In Verbindung zu Dir steht vor allem Musik. Was bedeuten Dir die Töne in Verbindung mit Musikvideos, Fernsehsendungen oder Filmen?

Felix: Letztendlich gehört das alles zusammen. In erster Linie verarbeite ich in der Musik und in den Texten meine eigenen Erlebnisse, aber ich bin wie wir alle auch ein Kind dieser Zeit und damit einem ständigen Mediengewitter ausgesetzt. Es gibt für mich keine scharfe Trennung mehr zwischen Musik, Fotografie, Film, Theater oder dem Schreiben. Alles im kreativen Bereich befruchtet sich gegenseitig und diese Synergien können zu Ergebnissen führen, wie sie isoliert und ohne einen Blick über den Tellerrand hinaus, nicht entstehen könnten.

CDstarts.de: Wie stehst Du in Zeiten der Social Networks mit den Fans und Musikhörern im Allgemeinen in Kontakt?

Felix: Ich bin sehr viel auf Facebook unterwegs und allein dadurch ist ein viel intensiverer Kontakt möglich, als es bisher jemals der Fall war. Ich habe zuhause noch Ordner voller Fanpost und so schön es auch war, persönliche Briefe und Fotos zu erhalten und darauf zu antworten, so interessant ist es doch inzwischen, mit sehr vielen Leuten in Kontakt zu stehen. Und es sind eben nicht nur Fans, die sich melden. Natürlich entstehen nach wie vor die engsten Kontakte zu Musikern, Models oder Mädchen, die einfach nur ein Kind von mir wollen hahaha, aber es schreiben eben auch Kollegen aus dem Job, vom Theater oder aus meiner Family, die allein durch Facebook überhaupt erst richtig mitbekommen haben, was ich so mache. Mit dem größten Teil dieser virtuellen „Freunde“ hat man zwar nicht viel zu tun, der Kontakt bleibt nur an der Oberfläche oder verläuft ganz im Sande. Aber es entstehen auch Beziehungen zu Leuten, die recht intensiv werden können und die ich sonst nie im Leben kennen gelernt hätte.

CDstarts.de: Du firmierst mit Frank Schwer zusammen mittlerweile schon seit einer Dekade als 18 Summers. Wie fühlst Du Dich heute mit dem Namenswechsel?

Felix: Wie so oft im Leben kann man sich gewisse Dinge nur ganz schwer vorstellen, aber wenn sie sich schließlich nicht vermeiden lassen, sagt man sich doch nach einiger Zeit meist „Gut, dass es so gekommen ist“. Der Namenswechsel war zwar nicht ganz freiwillig, aber in der Zwischenzeit finde ich es ganz erfrischend, nicht immer und immer wieder nach den Gründen gefragt zu werden, warum ich die Band damals Silke Bischoff genannt habe.

CDstarts.de: Ihr seid vor allem in der Gothic- und Dark Wave-Szene bekannt. Hast du dich immer als Teil dieser Szene gefühlt?

Felix: Ja. Mein Musikgeschmack ist zwar ziemlich breit gefächert, aber ich dachte immer, wenn ich selbst Musik mache, dann wird es in diese Richtung gehen und die Songs sollten in schwarzen Clubs gespielt werden.

CDstarts.de: Segen oder Fluch - Wie beeinflusst die Szene Deine Art und Weise, Musik und Themen zu wählen?

Felix: Das kann man so nicht fragen, würde es doch bedeuten, dass ich die Musik oder die Texte passend zu einer bestimmten Szene schreibe. Tatsächlich funktioniert es aber in umgekehrter Richtung. Es gibt viele Gründe, warum ich mich der Schwarzen Szene verbunden fühle. Ich schreibe die Texte und mache die Musik, in der meine Sicht der Welt zu finden ist, ja, es ist bisweilen ein Ventil für mich, das „normale“ Leben überhaupt ertragen zu können. Und dass diese Sicht der Welt am ehesten von Leuten der Schwarzen Szene geteilt wird, führt dann eben dazu, dass auch das neue Album zuerst einmal in dieser Szene Beachtung findet. Allerdings ist das, was wir machen nicht so speziell, dass es nicht auch Leuten gefällt, die mit Gothic gar nichts zu tun haben und die uns nicht unter Darkwave, sondern eher unter Pop, einsortieren würden.

CDstarts.de: Wie hat sich die Szene seit den frühen Neunzigern bis heute verändert?

Felix: Gerade die älteren „Schwarzen“ sind oftmals der Ansicht, dass früher alles besser war. Die Leute waren aufwendiger gestylt und es gab noch Inhalte, während die Kids heutzutage ausschließlich auf ihr Äußeres achten und von den Ursprüngen der Szene gar nichts mehr wissen wollen. Allerdings habe ich das vor 15 Jahren schon gehört. Einer der größten Unterschiede ist wohl, dass man damals als Gruftie noch schockieren und provozieren konnte. Wer will schon sein wie seine Eltern? Inzwischen ist Gothic im Mainstream angekommen und Oma und Opa freuen sich jedes Jahr über die freundlichen, jungen Menschen in ihren schrillen Outfits, die auf dem Wave Gotik Treffen in Leipzig anzutreffen sind. Und der unheilige Graf ist der neue Traum aller Schwiegermütter.

CDstarts.de: Gib uns final bitte noch einen Ausblick auf die kommenden Monate mit 18 Summers.

Felix: Am 22. Juli werden wir live auf dem Amphi-Festival zu sehen und zu hören sein und für den November ist eine kleine Tour geplant. Unter anderem werden wir in Bochum, Mannheim, Berlin und Leipzig sein, um nur einige Stationen zu nennen. Und ich freue mich schon jetzt darauf, einige Leute zu treffen, die mir bisher im wirklichen Leben noch nie über den Weg gelaufen sind.

Das Interview führte Daniel Leckert

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