Gibonni Interviews

  • 01.07.2013
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Gibonni  - News
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Wenn ein Mensch Zeuge einer blutigen Vergangenheit wird, nutzt er die drei Minuten hinter dem Mikrophon, um zu warnen.

Zlatan Stipisic, genannt Gibonni, ist eine Person, die man mit Fug und Recht Superstar nennen darf. Der Kroate ist in seiner Heimat und den Nachbarländern ein echtes Phänomen, begeistert Jung und Alt und spielt gut und gerne mal vor einem fünfstelligen Publikum. Mit seinem neunten Soloalbum „20th Century Man“ wagt sich der prominente Sänger erstmals aus dem Balkan und will auch den Rest Europas für sich gewinnen. Im Interview stellt sich Gibonni vor, erzählt von seiner Musik und seinen Wurzeln.

CDstarts.de: Hallo Gibonni! Du kommst ja aus einer sehr musikalischen Familie. Fangen wir also am besten ganz vorne an. Wann hast du angefangen, dich für Musik zu interessieren?

Gibonni: Als ich 12 war. Ich hörte das Album „Made In Japan“ von Deep Purple. Und von diesem Moment an habe ich nie gezweifelt, dass ich mit Musik meinen Lebensunterhalt verdienen will.

CDstarts.de: Du bist Vater von drei Kindern. Hast du ihnen deine Begeisterung weitergeben können?

Gibonni: Meine Tochter hört Alternative. Mein siebenjähriger Sohn ist ein Fan von AC/DC - genau wie sein alter Herr. Während einer Autofahrt hörten wir „Rock 'n' Roll Train“ 25 Mal am Stück. Mein älterer Sohn ist 15 und ein großer Fan von Linkin Park. Ich habe ihm Geld gegeben, damit er sich die neue Scheibe von denen holen konnte, doch stattdessen kaufte er sich eine Kinokarte für Iron Man und danach einen Burger in McDonald's. Ich sagte: „Hey Sohn, arbeitet dein Vater in Hollywood oder McDonald's? Du kannst dir doch nicht so einfach untreu werden.“

CDstarts.de: Deine ersten musikalischen Schritte machtest du damals in der Metalband Osmi Putnik, später arbeitetest du auch mit den bei euch sehr bekannten Divlje Jagode. Man kann also sagen, dass du eindeutige Metal-Wurzeln hast.

Gibonni: Ja! Und egal welche Musik ich über die Jahre auch gemacht habe - ich habe immer Hardrock-Musiker dafür respektiert, dass sie solch familiäre Beziehungen mit ihren Fans hielten. Das ist bei Popstars zum Beispiel weniger der Fall. Sie bauen mit roten Teppichen, Bodyguards und so weiter einfach zu viel Distanz auf.

CDstarts.de: Hast du denn noch Kontakt zu deinen ehemaligen Bands, die immerhin bis zum heutigen Tage aktiv sind?

Gibonni: Ich habe den Jungs von Osmi Putnik dabei geholfen, einen ordentlichen Plattenvertrag zu bekommen. Insgesamt denke ich aber, dass man sich aufgrund der eigenen Interessen mehr und mehr voneinander entfernt. Das wurde ja ganz gut in Metallicas „Some Kind Of Monster“ dokumentiert. Wenn die Leute in der Band in ihren 20ern sind, interessieren sie sich nur für Bier und Frauen. Und wenn sie langsam in die 50er kommen, interessiert sich der eine für Kunst und der andere für die Jagd auf Sibirische Bären. Das ist ganz natürlich. Du kannst nicht dein ganzes Leben lang Teenager bleiben.

CDstarts.de: In Kroatien hast du so ziemlich alles erreicht, was man sich als Künstler nur wünschen kann. Du spielst vor 10.000 Menschen und bist ein erfolgreicher Musiker und Songwriter.

Gibonni: Ich sehe mein künstlerisches Schaffen als Kampf für und um jeden Fan. Und mit dem gleichen Enthusiasmus spiele ich vor 600 Leuten in Wien, 2.000 in Berlin oder 10.000 in meiner Heimat. Ich bleibe dabei zu jeder Zeit 100% Musiker.

CDstarts.de: Man kennt dich als Musiker mit vielen Kontrasten. Wenn man sich dein neues Album anhört, erkennt man diese und kann sie als logische Konsequenz deiner musikalischen Reise erahnen. Wer hat dich alles inspiriert und was machte dich zu dem Musiker, der du heute bist?

Gibonni: Dazu kann ich sagen, dass ich zuerst Led Zeppelin entdeckte. Dann Pink Floyd. Und dann The Police. Wiederum danach Peter Gabriel. All die waren zu ihren Zeiten mutige Acts und haben mich stark beeinflusst. Ebenfalls inspiriert hat mich Bruce Springsteen, ich mag aber auch geerdete, „einfachere“ Bands wie Pearl Jam.

CDstarts.de: Du hast enorm viel Freiheit, wenn es um deine Musik geht, und nutzt dies auch. Was sagen deine Fans dazu?

Gibonni: Meine Fans wissen, dass Erfolg bei mir nicht an erster Stelle steht. Vielmehr geht es immer darum, sich selbst zu steigern. Es gibt aber auch einige Leute, die es schwer finden, mir in diese Richtung zu folgen. Ich finde eine Lösung in der Biographie von Led Zeppelin: Einige ihrer Alben gingen 30 Millionen Mal, andere aber gerade mal 5 Millionen Mal über den Tisch. Aber wenn du ein Künstler bist, dann achtest du nicht ausschließlich nur auf Bequemlichkeit und Erfolg.

CDstarts.de: Stichwort Kunst - eine deiner anderen Interessen ist Theater. Du hast bei der Neuinszenierung Hamlets mitgeholfen. Wie kam es dazu?

Gibonni: Ich habe Musik für das Nationaltheater in Split komponiert. Das war eine echte Herausforderung für mich. Der Regisseur wollte, dass ich lediglich Instrumente nehme, die im Dänemark des 11. Jahrhunderts existiert haben. Die Aufführung ging drei Stunden und es war gar nicht mal so einfach, 45 Minuten an neuer Musik mit Wikingerinstrumenten, Hörnern, Trommeln und Gesang zu komponieren. Das war eine verrückte Erfahrung.

CDstarts.de: Am 23. Juni 2013 hast du dein neues Album „20th Century Man“ einem deutschen Publikum in Berlin vorgestellt. Selbst der kroatische Botschafter war anwesend, um gleichzeitig Kroatiens Beitritt in die EU zu feiern. Ist Gibonni ein Musiker mit politischen Interessen?

Gibonni: Ich habe kein einziges politisches Interesse. Ich unterstütze eine Hippie-Philosophie, die besagt, dass alle Menschen sich gegenseitig respektieren und ihre guten Eigenschaften anerkennen. Und das geht nicht immer zwangsläufig mit Politik einher.

CDstarts.de: In deinem Song „Children In Uniform“ singst du: „All we're searching for is a god in uniform“. Im Opener „Hey crow“ erwähnst du „Girls for soldiers“. Wie sehr beeinflusst dich die Vergangenheit der Balkanstaaten, Krieg oder Menschenrechtsverletzung, wenn du deine Musik und insbesondere Texte schreibst?

Gibonni: Wenn ein Mensch Zeuge einer blutigen Vergangenheit wird, nutzt er die drei Minuten hinter dem Mikrophon, um Menschen vor solchen Dingen und davor, dass sie nicht noch einmal passieren, zu warnen. Ich finde es interessant, dass man in Zeiten des Krieges eher Paul Simon als irgendeine Death Metal-Band hören sollte. Deine Realität ist schwarz genug.

CDstarts.de: „20th Century Man“ ist dein erstes Album, welches komplett auf Englisch eingesungen wurde. Würdest oder wirst du das künftig wiederholen?

Gibonni: Ich habe nie eine Strategie für die Zukunft. Ich mache die Sachen, die ich in einem bestimmten Moment will. Deshalb kann ich darauf keine richtige Antwort geben.

CDstarts.de: Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, haben die Balkanstaaten bisher kaum namhafte Acts exportiert. Die musikalische Identität deiner Heimat ist uns also ziemlich fremd. Bring doch mal ein wenig Licht ins Dunkel.

Gibonni: Rap ist überaus präsent, da es viele gute Künstler mit guten Texten gibt. Das überrascht mich auch nicht, da die Realität ihnen genug Material gibt. Ich denke auch, dass es viele Fans von Hardrock gibt - auch wenn wir in Wahrheit nicht wirklich viele gute Bands haben. Iron Maiden können locker ein Stadion füllen, aber wir selbst haben gerade mal eine oder zwei Bands dieser Größenordnung. Elektronische Musik ist ebenfalls sehr beliebt und begeistert bei uns Tausende.

CDstarts.de: Wie sehen deine nächsten Pläne aus. Wirst du deine Auftritte in West-Europa fortsetzen?

Gibonni: Natürlich werde ich weiter machen. Nach jedem Auftritt bekomme ich Einladungen zu drei neuen. So breitet sich das alles wie ein Feuer aus. Ich danke dabei auch meinen deutschen Anhängern, die meine Konzerte besuchen und mittlerweile schon Mitglieder meiner Familie geworden sind.

Das Interview führte für CDstarts.de

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