Nick Reitmeier (Young Chinese Dogs)

  • 20.08.2015
Kurzinterview
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Nick Reitmeier (Young Chinese Dogs) - News
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Nachtschichten im Chemiewerk.

CDstarts: Welcher Film oder welches Buch hat euch im Leben am meisten inspiriert und wie lautet die Geschichte dahinter?

Nick: Auf einen einzigen Film oder ein Buch kann ich mich nicht festlegen, da gibt es viel zu viele, die mir etwas bedeuten. Aber ich kann mich erinnern, dass ich die Idee zu unserer aktuellen Single „Phone Call“ hatte, nachdem ich „Some Like It Hot“ mit Tony Curtis und Marilyn Monroe wieder mal angeschaut habe. Da spielt Marilyn ja auch Ukulele, und ich habe während des Filmschauens auch meine Ukulele zur Hand genommen und dabei durch Zufall diese Melodie gefunden.

CDstarts: Auf welchem Album eines anderen Künstlers hättet ihr gerne mitgespielt?

Nick: Ich hätte gerne die E-Gitarren auf Dylans „Blonde On Blonde“ gespielt. Das sind so fantastische, schräge Riffs. Oder doch die Hammond auf „Like A Rolling Stone“?

CDstarts: Ist einer eurer Songs beim Publikum schon mal völlig anders angekommen, als ihr es erwartet habt? Welcher war es und was hat das mit euch gemacht?

Nick: Ja, klar. Im Zuge des neuen Albums haben wir den einen oder anderen Song live gespielt, den ich persönlich total super fand, aber der live gar nicht funktioniert hat. Dann schmeißt du den halt raus und schreibst einen neuen, besseren Song.

CDstarts: Gab es schon mal einen Moment, in dem ihr die Musik am liebsten hingeworfen hättet? Wann war das und was hat euch motiviert, es doch nicht zu tun?

Nick: Ja, ab und an. Am Morgen auf Tour mit einem fürchterlichen Kater. Nach vier Stunden Schlaf, und 400 km Fahrt vor dir zur nächsten Show. Motivierend sind dann Kaffee, Ibuprofen und das Wissen, dass es dem Rest der Band ähnlich geht und wir das gemeinsam schon schaffen. Und bis man dann abends auf die Bühne muss, ist man schon wieder so aufgeladen durch das Adrenalin, dass dann alles wieder passt.

CDstarts: Was war der übelste Job den ihr gemacht habt, um über die Runden zu kommen?

Nick: Ich habe mal einen Sommer lang in einem Chemiewerk Nachtschichten geschoben. Am ersten Tag habe ich gleich eine der großen Maschinen geschrottet. Von da an durfte ich den Rest des Sommers nächtelang mit Reinigungsbenzin die Maschinen putzen. Das war nicht so cool.

CDstarts: Für welchen Spleen werft ihr privat am meisten Geld aus dem Fenster?

Nick: Ich denke, da spreche ich für Birte und mich gleichermaßen: Klamotten! Schuhe, Hosen, Jacken, Hemden, Shirts, Jacken, Hüte. Dann verkaufen wir einmal im Jahr auf dem Flohmarkt zusammen unsere alten Klamotten, um wieder Platz für Neues zu schaffen. Ein ewiger Kreislauf.

CDstarts: Mit welcher bekannten Persönlichkeit würdet ihr gerne mal im Riesenrad stecken bleiben wollen und warum?

Nick: Am liebsten mit jemandem, der ähnlich Höhenangst hat. Vielleicht Elvis. Ich möchte unbedingt wissen, wie man das aushält, alleine Musik zu machen. Ich kann mir das gar nicht vorstellen wie das ist, wenn man Erfolge, Misserfolge und Nervosität nicht irgendwie teilen kann. Vielleicht hat er deswegen so viel Erdnussbutter gegessen...

CDstarts: Welche Platte würdet ihr unbedingt als Pflichtkauf empfehlen und was ist das Besondere an ihr?

Nick: Hmm, auch wieder schwer. Aber vielleicht wieder „Blonde On Blonde“? Man braucht als Ersthörer einen Moment, bis man sich da rein findet, aber diese jammende, verschrobene Art Songs zu arrangieren, gibt es heute ja gar nicht mehr. Deshalb gibt es da unglaublich viel zu entdecken, und das lohnt sich!

CDstarts: Welche Wünsche oder Ziele verbindet ihr mit eurem aktuellen Album „Great Lake State“?

Nick: Das ist relativ einfach. Wir freuen uns, einen Schritt weiter zu machen und mit der Platte wieder möglichst viel live zu spielen.

CDstarts: Gab es bei den Aufnahmen des Albums Missgeschicke, kleine Wunder oder große Tragödien?

Nick: Missgeschicke und Tragödien eigentlich nicht. Ein kleines Wunder haben Birte und ich erlebt, als Oliver den letzten Take von „Million Times“ eingesungen hat, und wir zum ersten Mal quasi den Song in seiner Endversion gehört haben. Ich weiß nicht genau was es war, aber Birte und ich haben da beide zu weinen angefangen. Es ist wohl der Text, und die ganze Stimmung. Das ist mir noch nie passiert, dass ich bei einem Song weinen musste.

CDstarts: Wie lautet die Geschichte hinter dem Plattencover?

Nick: Mit „Great Lake State“ wollen wir eine Parallele zwischen zeitloser Natur und moderner, urbaner Kultur ziehen. Das sollte auch das Cover widerspiegeln. Zum einen der voralpenländische See, der für Ursprünglichkeit, Ruhe und unsere Folk-Einflüsse steht. Zum anderen der überlagernde, kühle Hundekopf aus geometrischen Formen, der für die Band, Streetart und musikalische Einflüsse wie HipHop steht. Ich denke, das trifft den Geist des Albums sehr gut.

CDstarts: Auf welchen Song dieses Albums seid ihr besonders stolz und warum?

Nick: Das ist eine sehr schwierige Frage, weil ich eigentlich auf das ganze Album extrem stolz bin. Ich denke, dass da unglaublich viel Gutes, Spannendes und Neues drauf ist. Eine markante Besonderheit sind sicherlich die zwei Songs „Dirty Little Boys“ und „Dirty Little Girls“. Wir erzählen eine Geschichte aus zwei Blickwinkeln, arbeiten dabei mit ähnlichem Harmoniematerial und musikalischen Motiven, aber ganz unterschiedlicher Stilistik. Ich könnte mich aber auch nicht entscheiden, welches Stück mir besser gefällt, bin aber froh, dass beides auf der Platte ist.

Bearbeitet von für CDstarts.de

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