ABU Interviews

  • 10.02.2016
Kurzinterview mitABU
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ABU - News
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Der Freiburger Newcomer im ausführlichen Gespräch

CDstarts: Welcher Film oder welches Buch hat dich im Leben am meisten inspiriert und wie lautet die Geschichte dahinter?

ABU: The One And Only gibt es nicht. Es ist ein Sammelsurium, ein Zusammenspiel von Geschichten. Filme wie „Fight Club“, „Snatch“, „Little Miss Sunshine“, „Le fabuleux destin d’Amélie Poulain“, „La Haine“ und auch die Monty-Python-Geschichten unterhalten mich sehr. Ich glaube, meine Faszination liegt darin, dass ein Mensch träumt, tut und macht, weil er nicht anders kann als er selbst zu sein.

CDstarts: Auf welchem Album eines anderen Künstlers hättest du gerne mitgespielt?

ABU: Was für eine Frage. Die Liste ist wohl endlos...

Ben Howard - I Forget Where We Were
Ben Harper - Fight For Your Mind
Bob Dylan - Highway 61 Revisited
Feist - Metals
John Lennon - Working Class Hero
Johnny Cash - American IV
Jungle - Jungle
Lorna Hunt - All In One Day
Mos Def - True Magic
Neil Young - On The Beach
Pink Floyd - The Wall
Queens Of The Stone Age - Era Vulgaris
The Beatles - Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club
The National - Trouble Will Find Me

Gut, lassen wir das mit der Liste. Es gibt eine Vielzahl von Künstler und Alben, bei denen ich gerne mitgewirkt hätte. Alles dreht sich um ein Gefühl und die Intensität. Grenzenlos und losgelöst von Mustern und Genres. Werde ich gefragt für ein solches Abenteuer, bin ich ohne wenn und aber, mit ganz viel Herz und Blut dabei!

CDstarts: Ist einer deiner Songs beim Publikum schon mal völlig anders angekommen, als du es erwartet hast? Welcher war es und was hat das mit dir gemacht?

ABU: 2012 war ich mit meinem ersten Album „Earn And Seed“ auf Tour. Wir hatten ein „ABU Solo à deux“-Konzert in einem Gewölbekeller in Thun. Vor uns waren zwei lokale Größen, dann kamen wir. Es war ein kalter Tag im Februar. Es war Fasching. Wer mich kennt, weiß, dass ich wenig am Hut habe mit Fasching. Während mir tagsüber Pauken und Trompeten das Kleingehirn weichklopften, versuchte ich nächtens Fokus auf das Konzert zu üben. Wir kamen nach zwei großartigen Konzerten von den Lokalhelden auf die Bühne, fokussiert und mit einem Plan. Nach Song Nummer drei lief alles aus dem Ruder. Ich erzählte von meinem erlebten Tag. Das schaukelte sich irgendwie in ungeahnte Höhen, sodass der ganze Saal vor Lachen tobte. Ich tobte mit. So kam es, dass wir in 1½ Stunden sieben Songs spielten und Songs wie „Standby“ eine tänzerische Leichtfüßigkeit annahmen. Was für ein Abend! Sobald ich dran denke, habe ich wieder ein Lächeln im Gesicht!

CDstarts: Gab es schon mal einen Moment, in dem du die Musik am liebsten hingeworfen hättest? Wann war das und was hat dich motiviert, es doch nicht zu tun?

ABU: Solche Momente tauchen immer wieder auf. Der Prozess des Songwritings ist ein sehr reflektierender. Man vergisst Raum und Zeit, ab und an auch sich selbst. Und dieser Prozess gehört für mich dazu. Sich selbst zu verlieren um sich wiederzufinden. Wenn dann aber die Schlafgehemmtheit andauert, der Zirkus mit einem ganzen Orchester im Haupt und Herzen tobt und sich die Zentrifugalkraft auf die Augenstellung auswirkt, ja dann wird's hart. Wo ist das Einfamilienhaus, der sichere Job von 8 - 17 Uhr, die Gartenzwergparade, Hund und Katz und der wohlverdiente englische Rasen? Wo ist dieses geregelte Leben? Man wünscht sich viele Absurditäten in solchen Momenten. Eigentlich genau das, was man nicht hat und haben will. Aber man stellt sich’s vor wie’s wäre wenn… Bislang scheiterte jeder Versuch kläglich, mich vom musikalischen Schaffen zu lösen. Vielmehr trieb es mich tiefer und tiefer in die endlose Weite dieses wunderbaren Universums. Es ist wie ein Neuverlieben, immer und immer wieder. Ich kann nicht anders. Es tut. Ich muss. Und es fühlt sich sowas von richtig an.

CDstarts: Was war der übelste Job den du gemacht hast, um über die Runden zu kommen?

ABU: Hundesitter. Ich mag ja Tiere, aber dann gleich sieben an der Zahl mit sieben Leinen, die sich nicht wirklich schnuppern konnten?! Es fühlte sich an, als sei ich unfreiwillig in unschöne Fesselspiele geraten, wobei ich mich gegen Strangulation, Tollwut und offene Fleischwunden wehren musste. Als dann noch der Regen einsetzte, verfluchte ich diesen Job und die zähnefletschenden Pelzgetiere zutiefst.

CDstarts: Für welchen Spleen wirfst du privat am meisten Geld aus dem Fenster?

ABU: In den letzten 2½ Jahren hieß der Spleen „Reset“. Ansonsten unterliege ich der Versuchung von gutem Essen, gutem Wein, Farbstiften, Bastelzeugs und den wunderbaren Polaroid-Bildern...

CDstarts: Mit welcher bekannten Persönlichkeit würdest du gerne mal im Riesenrad stecken bleiben wollen und warum?

ABU: Mit Johnny Depp. Ich glaube, wir hätten viel auszutauschen. Danach würden wir Guy Ritchie auf ein Glas bitten, weil er Regie und unsere grenzenlose Geister führen müsste für ein ungeahntes, filmisches Debakel auf Großleinwand.

CDstarts: Welche Platte würdest du unbedingt als Pflichtkauf empfehlen und was ist das Besondere an ihr?

ABU: Meine erste Platte, welche ich mit schwer verdientem Geld als Hundebändiger verdient habe, war „Nevermind“ von Nirvana. Eine Offenbarung im zarten Alter von 12 Jahren.

CDstarts: Welche Wünsche oder Ziele verbindest du mit deinem aktuellen Album „Reset“?

ABU: Gehört und wahrgenommen zu werden, als das was ich bin, war und sein werde. Und ich bin mir sicher und ich weiß, es gibt zig Tausende dort draußen, die sich darin wiederfinden können. Weil dieses eine gute Leben, welches als Privileg wahrgenommen und gelebt wird, direkt und wahrhaftig ist. Es ist geschrieben von einem Mann, der nichts mehr ist als Mensch. Mit all den Ecken und Kanten. Wie Du und ich.

CDstarts: Gab es bei den Aufnahmen des Albums Missgeschicke, kleine Wunder oder große Tragödien?

ABU: Die Reise zu diesem Album verbindet viele Geschichten… Das große Wunder einer Geburt. Konfrontation mit der Polizei in Berlin als Obama zu Besuch war, weil ich angeblich wie ein potenzieller Bombenleger aussehe. Sprengstoffkontrolle meines Gepäcks. Als wir nach den Aufnahmen von „Something's Gonna Change“ den Song kontrollhörten, gab es feuchte Augen vor Rührung. Die spätnächtliche Suche des Fahrzeuges nach einer 16-stündigen Studiosession, weil wir nicht mehr wussten, wo wir es geparkt haben, um dann nach 1½ Stunden festzustellen, dass wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist waren. Ukulelen-Jam mit einer Soulsängerin in der Berliner U-Bahn. Die nahezu gescheiterte Einreise in Südkorea, weil man Verdacht auf MERS hatte... Oh Freunde, „Reset“ ist vollgespickt mit Geschichten!!!

CDstarts: Wie lautet die Geschichte hinter dem Plattencover?

ABU: Nach etlichen Versuchen, das Cover selber zu gestalten, habe ich diese fesselnden Portraitbilder in den Weiten des Internets entdeckt und war hin und weg. Nach kleineren Recherchen habe ich herausgefunden, dass dieser Ausnahmekünstler Kim Byungkwan heißt und aus Südkorea kommt. Gut, ich dachte mir nichts weiter dabei und schrieb ihm ein Mail mit dem Nebensatz „willst du mein Cover malen?“. Innerhalb von 24 Stunden schrieb er zurück „I’m gonna do this“. Mein Herz tanzte Cha-Cha-Cha. Einerseits vor Freude, andererseits vor dem Ungewissen, ob dies wohl alles klappen würde. Ich kannte ja diesen Mann aus dem fernen Südkorea nicht. Es könnte ja sonst wer sein. Item, die kommenden Tagen und Wochen hatten wir einen sehr intensiven Austausch per Mail. Nach vier Tagen Sendepause wurde ich jedoch ein kleinwenig nervös. Kurz vor Abgabe und der Mann verschwindet, meldet sich nicht? Dann kam eine Bildnachricht. Das Cover. Ich war sprachlos. Meine kühnsten Erwartungen hat mein unbekannter Freund aus Übersee übertroffen, getoppt und noch einen draufgesetzt. Für mich war dies ein unglaublicher Moment. Zwei Fremde verteilt über den Globus haben sich über Internet gefunden. Klingt wie der klassische Anfang einer Pärchen-Geschichte.

Dem ist auch so. All die Involvierten bei „Reset“ kenne ich. Es sind meine Freunde, meine Familie und dieses Familiäre ist mir überaus wichtig. So beschloss ich kurzerhand im Juni 2015 nach Südkorea zu reisen, um diesen Kim kennenzulernen. Es war die Blütezeit von MERS und viele Argumente, die dagegen sprachen. Mit der Zuversicht, Desinfektionsmittel und einer Gitarre reiste ich mit einer Freundin, die das ganze dokumentierte, in das große Seoul. Ich hätte nie gedacht, dass einer meiner größten Reisen mit einer ärztlichen Kontrolle am Flughafen beginnen würde. Was für ein Trip. Botschaftsbesuch, Fotostrecke für ein Magazin, kleines Showcase, Videoclipdreh... und diese wunderbare Begegnung mit Kim Byungkwan. Es war, als würde ich einen alten Freund treffen. Ja, die Familie ist unterwegs um einige Menschen reicher geworden. Vollgepackt mit zwei Bildern, zwei Gitarren, Foto-/Kameraausrüstung, Schalenkoffer, Rucksack und zig unvergesslichen Impressionen ging es dann wieder zurück. Und wisst ihr was, wir haben immer noch regelmäßig Kontakt. Und Kim Byungkwan wird zum ersten Mal in seinem Leben Südkorea verlassen und kommt zur Plattentaufe in die Schweiz. Es ist großartig!

CDstarts: Auf welchen Song dieses Albums bist du besonders stolz und warum?

ABU: „Walk Tall“ - Die Gedanken und Gefühle kreisten nahezu zwei Jahre durch die Weichteile meines Seins. In einer kalten Nacht im Dezember nahm ich meine Schreibmaschine, mein Skizzenbuch und die Wandergitarre unter die Arme und zog mich in meine Schreibstube zurück. Ich schrieb und tippte, als gäbe es kein Morgen mehr. Immer und immer wieder. Nüchtern und unbetroffen, möglichst unspektakulär und einfach. 28 Strophen und ungefähr gefühlte 28 Liter Tee später, hatte ich die Zeilen zusammen. Ich spielte den Song durch und zum ersten Mal konnte ich den Zeilen Gehör schenken. Und ja, es trieb mir so ein kleines Meer aus Salzperlen übers Gesicht. Weichgeklopft und durchgespült ging im Untergeschoss die Sonne auf. Dieser Song ist meine Liebeserklärung ans Leben, welches wunderbar sein kann, wenn man mit offenen Augen und Herz die kleinen Wunder zu erkennen vermag.

Bearbeitet von für CDstarts.de

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