Milliarden Interviews

  • 08.08.2016
Kurzinterview mitMilliarden
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Milliarden - News
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Ben Hartmanns Appell gegen ausformuliertes Gedankengewichse.

CDstarts: Welcher Film oder welches Buch hat euch im Leben am meisten inspiriert und wie lautet die Geschichte dahinter?

Ben: Der Bogen unserer Inspiration spannt sich zwischen sowas wie Heiner Müllers Werk und Youporn-Clips auf. Um aber in der Antwort nicht zu verkopft zu werden, gehe ich dem ersten Impuls nach, und sage ein Buch was mich nachhaltig beeinflusst: „Kokain“ von Pitigrilli. Aber wenn wir einmal von Filmen anfangen, wird es uferlos.

CDstarts: Auf welchem Album eines anderen Künstlers hättet ihr gerne mitgespielt?

Ben: „One Foot In The Grave“ von Beck, oder wie Jojo (Johannes Aue, die zweite Hälfte von Milliarden - die Red.) sagen würde: „Cross“ von Justice.

CDstarts: Ist einer eurer Songs beim Publikum schon mal völlig anders angekommen, als ihr es erwartet habt? Welcher war es und was hat das mit euch gemacht?

Ben: Manchmal werden Lieder über Ohnmacht zu sowas wie Hymnen auserkoren. Das fühlt sich komisch an, wenn alle im Fußballchor zu deiner eigenen Wunde mitsingen. Aber vielleicht sind das eben die Lieder und Worte, die viele Menschen einfach verstehen und bei sich selber wieder finden. „Freiheit is ne Hure“ wurde irgendwie zu unserer Hymne.

CDstarts: Gab es schon mal einen Moment, in dem ihr die Musik am liebsten hingeworfen hättet? Wann war das und was hat euch motiviert, es doch nicht zu tun?

Ben: Ich glaube, hinwerfen will man oft die Strukturen und die Maschine um die Musik herum. Wenn man anfängt, Musik als seinen Lebensmittelpunkt zu betrachten und alles dafür tut, nur das machen zu können, ist man oft enttäuscht, wie hart und steinig der Weg in Wirklichkeit ist. Ihr fragt ja gleich nach dem Kompromiss, den man machen muss um Musiker zu sein. Kein Geld haben und nur Probleme mit Ämtern, Scheißjobs und die Liebsten, die einen verteufeln, weil man keine Zeit hat. Das ist die Wahrheit. Ja, aber wir lieben Musik. Darum geht es eben. Wenn alles scheiße ist, nehme ich die Gitarre in die Hand und denke laut drüber nach.

CDstarts: Was war der übelste Job den ihr gemacht habt, um über die Runden zu kommen?

Ben: Kisten packen. Wenn du es schaffst, acht Stunden Kisten zu packen, 14 Rollen Tapeband verklebst und drei riesen Postwägen mit Merch-Artikeln füllst, dann ja, aber auch nur dann fragst du dich manchmal, wann der Moment war, an dem du zur Maschine wurdest.

CDstarts: Für welchen Spleen werft ihr privat am meisten Geld aus dem Fenster?

Ben: Drogen und gutes Essen.

CDstarts: Mit welcher bekannten Persönlichkeit würdet ihr gerne mal im Riesenrad stecken bleiben wollen und warum?

Ben: Der Geist von Prince soll mir dort erscheinen und von den Massenorgien im Jenseits berichten. Dann kann ich der Rolle als Prophet endlich in voller Gänze gerecht werden.

CDstarts: Welche Platte würdet ihr unbedingt als Pflichtkauf empfehlen und was ist das Besondere an ihr?

Ben: Jojo und ich können uns auf „Cross“ von Justice einigen. Wir sind zu verschieden, als dass es einfach wäre, muss man sagen. Aber diese Platte ist ein Adrenalinstoß ins Herz. Sie verleiht Kraft.

CDstarts: Welche Wünsche oder Ziele verbindet ihr mit eurem Debütalbum „Betrüger“?

Ben: Wir wollen weiter auf die Bühne. Das machen wir bis zur Erschöpfung! „Betrüger“ und „Kokain und Himbeereis“ sind für uns das Fundament, auf das wir unser Leben gerade bauen.

CDstarts: Gab es bei den Aufnahmen von „Betrüger“ Missgeschicke, kleine Wunder oder große Tragödien?

Ben: Es war ein langer, aufreibender Prozess! Zwischen Hamburg und Berlin hatten wir ein neues Zuhause im FlixBus gefunden. Wir haben auf so vielen Böden und Couches gepennt, neue Menschen getroffen und ins Herz geschlossen. „Betrüger“ zu machen, war für uns auch der Moment, unsere Hamburger Familie zu entdecken. Wir halten uns sowieso oft zwischen überbordender Liebe und zertrümmernder Cholerik auf. Wut und Tränen sowie Freude und endlose Harmonie waren dabei unsere Zeugen. Danke an die Wunder aus dem Elsenweg 4 in Altona.

CDstarts: Wie lautet die Geschichte hinter dem Plattencover?

Ben: Wir lüften keine Geschichten. Wir glauben, die Bilder sprechen ihre eigene Sprache und Mysterien sind immer besser als ausformuliertes Gedankengewichse, das wir am wenigsten bei uns selber aushalten.

CDstarts: Auf welchen Song dieses Albums seid ihr besonders stolz und warum?

Ben: Das sind alles Babys. Aber um bei den Impulsen zu bleiben, sage ich „Im Bett verhungern“, weil mich grade ein Freund auf das Lied „angesprochen“ hat. Man muss dazu sagen, es ist grade 3.17 Uhr und Max ist zu 190% im Delirium. Er hat grade rotzevoll ein Video geschickt, in dem er den Track irgendwo draußen mit keine Ahnung wem singt. Ich glaube, in dem Lied steckt ´ne ganze Menge, was uns ausmacht. Kann es gar nicht beschreiben. Glaube, der Song spricht am besten für sich.

Bearbeitet von für CDstarts.de

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