Stunnah Interviews

  • 22.08.2017
Kurzinterview mitStunnah
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Stunnah - News
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Warum der Rapper meistens Schuhe an hat.

CDstarts: Welcher Film oder welches Buch hat dich im Leben am meisten inspiriert und wie lautet die Geschichte dahinter?

Stunnah: Am meisten inspiriert wahrscheinlich nicht, aber was ich in meinem Leben am Häufigsten gelesen hab, ist Dürrenmatts „Die Physiker“. Wahrscheinlich, weil der Plot so simpel und überraschend wie absurd und lustig ist. Dadurch, dass es ein Theaterstück ist, das in Dialogen geschrieben ist, lässt sich das Buch locker an einem Abend vorm Einschlafen durchlesen. Das gibt mir jedes Mal ein kleines Erfolgserlebnis. Sehr inspirierend.

CDstarts: Auf welchem Album eines anderen Künstlers hättest du gerne mitgespielt?

Stunnah: Wileys „Tunnel Vision“ oder Kanos „Home Sweet Home“. Einfach weil das für mich Game-Changer waren, die anders klangen, als alles was ich vorher je gehört hatte. Mittlerweile ist das Genre, aus dem die Beiden kommen, Grime, durchproduziert und hochglanzpoliert, aber auf den alten Alben klingt es noch wirklich roh und man hört in jeder Silbe den Hunger raus, den die Londoner MCs damals zu der Zeit hatten.

CDstarts: Ist einer deiner Songs beim Publikum schon mal völlig anders angekommen, als du es erwartet hast? Welcher war es und was hat das mit dir gemacht?

Stunnah: Live bisher zum Glück noch nicht, aber klar – bei manchen YouTube-Kommentaren wunder ich mich manchmal, was die Leute da reininterpretieren. Glauben sie das echt oder ist das konstruiert, um ein bisschen Welle zu machen? Dadurch, dass ich die ganzen Releases selbst betreue, bekomm ich das oft direkt mit und am Anfang hatte ich noch den Drang, mich dafür zu rechtfertigen. Inzwischen feiere ich das einfach – Wenn Interaktion da ist, ist das immer irgendwie ein gutes Zeichen. Lieber so, als dass es niemanden interessiert.

CDstarts: Gab es schon mal einen Moment, in dem du die Musik am liebsten hingeworfen hättest? Wann war das und was hat dich motiviert, es doch nicht zu tun?

Stunnah: Wenn ich nicht so stumpf wäre, was meinen Willen angeht, wären da bestimmt schon ein paar gewesen, aber das blende ich wahrscheinlich einfach stoisch aus. Ist auch besser so. Wenn man anfängt, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, geht zu viel Zeit und Energie fürs Grübeln drauf. Manchmal muss man vielleicht mal ein, zwei Schritte zurückmachen, sich das alles angucken und die Strategie überdenken, aber dann kann es eigentlich immer weitergehen.

CDstarts: Was war der übelste Job den du gemacht hast, um über die Runden zu kommen?

Stunnah: Das war der Job, von dem ich im Text zu „Alles zieht vorbei“ abgehauen bin. „Über die Runden kommen“ klingt dabei so, als ob es ein Hustle gewesen wäre, und das war es eigentlich nie. Aber es war beizeiten einfach todeslangweilig und alles andere als bereichernd fürs Leben. Öffentlicher Dienst. Rechtsanwendung. Büro-Scheiße. Nie wieder!

CDstarts: Für welchen Spleen wirfst du privat am meisten Geld aus dem Fenster?

Stunnah: Essen und Schuhe. Wenn man mich irgendwo trifft, stehen die Chancen ganz gut, dass ich gerade am Essen bin oder mir überlege, was ich wo essen will. Meistens hab ich dabei Schuhe an. Muss sein. Ist besser.

CDstarts: Mit welcher bekannten Persönlichkeit würdest du gerne mal im Riesenrad stecken bleiben wollen und warum?

Stunnah: Abgesehen von den 1.000 Leuten, mit denen das eh nie passieren wird, fänd ich's dope, wenn das mit Trettmann passieren würde. Ich feiere den Output des Typen so hart! Jahrelang gehustlet und dabei mit Sicherheit auch mal kurz vorm Verzweifeln gewesen, aber einfach immer weitergemacht und jetzt guck: Der Typ hat eine unnormale Stabilität in seiner Fanbase und einen exorbitant freshen Output. Der mir, ehrlich gesagt, vom Style her nicht mal zuspricht. Aber alles was er tut und verkörpert, ist einfach die reine Dopeness.

CDstarts: Welche Platte würdest du unbedingt als Pflichtkauf empfehlen und was ist das Besondere an ihr?

Stunnah: Die beiden Alben, an denen ich auch gern mitgearbeitet hätte: Wileys „Tunnel Vision“ und Kanos „Home Sweet Home“. Für jeden, der auch nur im Entferntesten Interesse an Rap bzw. Umgang mit Sprache hat und dazu noch eine Affinität für englische Lyrics mitbringt, müssen diese beiden Platten die Speerspitze des Sprechgesangs sein. Ich kann das Wort „Sprechgesang“ nicht mal ab, aber es ist kein Rap und wenn ich sagen würde, dass es nur für Grime-Fans interessant ist, würde das der Kraft der beiden Platten nicht gerecht werden.

CDstarts: Welche Wünsche oder Ziele verbindest du mit deiner aktuellen „Lass gehn“-EP?

Stunnah: Ich würde so hart feiern, wenn mehr Magazine, Blogs, Channels, Sender und was weiß ich nicht alles, sehen würden, wie gut diese Musik angenommen wird. Es ist leider oft so, dass die Relevanz eines Artists erst dann anerkannt wird, wenn große Medien es diktieren oder wenn eine kritische Masse gefühlt schon (fast) erreicht ist. Mit der „Lass gehn“-EP haben wir deutschen Rap mit Drum & Bass verbunden. Das hat hier in Deutschland so noch nie jemand gemacht. Das Feedback von Leuten, die es hören, ist einfach nur ein Traum gerade. Aber es ist schwer, das den meisten Medien nahezubringen. Es wäre ein Traum, wenn die EP das Ziel ein bisschen näherbringen könnte.

CDstarts: Gab es bei den Aufnahmen der „Lass gehn“-EP Missgeschicke, kleine Wunder oder große Tragödien?

Stunnah: Keine erwähnenswerten. Bis vielleicht die Tatsache, dass die Ursprünge der Texte sich manchmal anfühlen, als wären sie Missgeschicke und persönliche Tragödien. Und dadurch dann auch gleichzeitig Wunder, weil aus diesen ganzen Erfahrungen, Phasen und dem Rauf und Runter am Ende Musik entstanden ist, die Leute jetzt hören und fühlen können und Texte, mit denen sich einige identifizieren. Also alles in einem.

CDstarts: Wie lautet die Geschichte hinter dem „Lass gehn“-Plattencover?

Stunnah: Ok, as real as it gets: Das Foto hat eine befreundete Fotografin hier aus Bremen von mir gemacht und ich fand's einfach gut. Ich mag die Farben, ich mag den Moment, den sie festgehalten hat. In dem Augenblick war ich einfach zufrieden, obwohl nichts Besonderes los war. Das war nichts Euphorisches oder Überschwängliches, sondern einfach Zufriedenheit. Und das ist der Zustand zu dem die Texte auf der EP hinführen sollen. „Lass gehn“ soll als Ziel Zufriedenheit haben, wenn man ankommt.

CDstarts: Auf welchen Song der „Lass gehn“-EP bist du besonders stolz und warum?

Stunnah: Alle Songs sind Herzblut, aber wenn ich nur einen wählen darf, dann ist es „Alles zieht vorbei“, weil der von einer Phase handelt, in der ich mich verloren hatte und alles was kommen würde, einfach ungewiss war. Aus dieser Ungewissheit hatte sich auf einmal so ein Drang nach vorn entwickelt und der Gedanke, dass ich was ändern muss, mit einer selbstverständlichen Gewissheit, dass der Plan aufgehen würde. Obwohl es nicht mal einen echten Plan gab. Einfach nur den Willen, alles umzuwerfen und komplett neu zu starten. War auf jeden Fall die richtige Entscheidung.

Bearbeitet von für CDstarts.de
Bildcredits: Marta Urbanelis

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