Clara Louise Interviews

  • 03.03.2018
Kurzinterview mitClara Louise
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Clara Louise - News
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Ab wann man sich von der Musik verabschieden sollte.

CDstarts.de: Wie war dein erster Kontakt zur Musik und was war der Auslöser, dass du entschieden hast, selbst Musik zu machen?

Clara Louise: Ich habe mir im Alter von ca. vier Jahren von meinen Eltern zu Weihnachten eine Geige gewünscht und wollte dieses Instrument unbedingt spielen lernen. Nach sechs Jahren Unterricht war mir dann klar, dass ich mich doch mehr auf das Singen und Schreiben konzentrieren möchte. Ich habe dann mit 13 Jahren begonnen meine ersten Gedichte zu schreiben und habe dies dann schnell mit der Musik verbunden. Musik ist also schon sehr lange ein großer und fester Teil von mir. Das kam alles sehr natürlich und ist für mich nach wie vor ein Ventil, um Gedanken und Gefühle zu sortieren und loszulassen.

CDstarts.de: Welches war das erste Album, das du von deinem eigenen Geld gekauft hast – und welches das letzte? Hast du die Käufe bereut oder warst du zufrieden?

Clara Louise: Das müsste damals (2004) das Album „Palm Trees And Power Lines“ von Sugarcult gewesen sein. Zuvor hatte ich immer gemeinsam mit meiner älteren Schwester Musik gehört. Als Teenager war ich ein großer Punkrock-Fan und höre die Songs nach wie vor gerne immer mal wieder, um mich an alte Zeiten zu erinnern. Mittlerweile höre ich aber lieber etwas „sanftere“ Musik. Das letzte Album, welches ich gekauft habe, ist „Ruins“ von First Aid Kit - absolut empfehlenswert!

CDstarts.de: Gibt es für dich bestimmte Orte, die dich beim Musikmachen besonders inspirieren oder ist es dir egal, wo du Songs schreibst?

Clara Louise: Meistens schreibe ich meine Songs zuhause auf dem Sofa, da habe ich Ruhe und fühle mich „sicher“. In Hotels z.B. weiß ich nie, ob das Nachbarzimmer sich gestört fühlt, das blockiert mich dann nur. Trotzdem habe ich auch schon Songs im Urlaub geschrieben, aber das kommt eher selten vor. Meistens schreibe ich meine Songs in einem engeren Zeitraum, wenn ich gerade viel zu erzählen habe oder generell in einer sogenannten kreativen Phase bin. Der Ort ist dabei nebensächlich.

CDstarts.de: Gibt es eine Art stilistisches Markenzeichen, mit dem du deine Musik beschreiben würdest?

Clara Louise: Ich lege viel Wert auf einen „echten“ Sound. Ich bin kein Fan von fertigen Beats oder „gefakten“ Instrumenten, aber das ist reine Geschmackssache. Da ich privat sehr gerne auch American Folk, Country und Singer/Songwriter-Musik höre, würde ich sagen, dass mich vor allem dieses Genres beim Schreiben und Arrangieren inspirieren.

CDstarts.de: Spürst du eine Verantwortung, deinen Hörern gegenüber, auch politische Denkanstöße zu geben oder spielt Politik in deiner Musik keine Rolle?

Clara Louise: Politik spielt in meinen Songs keine Rolle. Vielleicht wird das irgendwann mal so sein, aber derzeit habe ich darauf keine Lust, weil ich das Thema zu komplex finde, um es schön zu verpacken und zudem möchte ich auch niemand meine eigene persönliche Meinung zu einem bestimmten Thema aufdrängen. Ich versuche eher Texte zu schreiben, die das allgemeine Leben betreffen, mit all seinen schönen und weniger schönen Seiten. Meine Songs haben oft einen melancholischen Ansatz, bleiben dabei aber hoffnungsvoll. Das ist eine Einstellung, die mir wichtig ist. In jeder Situation und jedem Menschen auch etwas Gutes zu sehen.

CDstarts.de: Stell dir vor, ein echter Superstar würde einen deiner Songs covern. Wer sollte das sein und warum?

Clara Louise: Da ich auf Deutsch schreibe, würde mir eine Cover-Version von Herbert Grönemeyer oder Nena gut gefallen, da ich finde, dass diese beiden Künstler durch ihre Individualität überzeugen. Leider gibt es immer mehr Künstler und Songs, die sich zu sehr ähneln. Alles soll gleich klingen, damit es möglichst genauso erfolgreich wird wie das, was aktuell im Radio läuft. Das finde ich wirklich schade, da es der deutschsprachigen Musiklandschaft die Vielfalt nimmt.

CDstarts.de: In Zeiten von MP3, Streaming-Diensten und Downloads wirkt das klassische Album-Format, insbesondere in physischer Form (CD/Vinyl), wie ein Relikt aus grauen Vorzeiten. Warum hältst du daran fest und wie stehst du generell zu den neuen Musikvertriebswegen?

Clara Louise: Ich finde es schön, eine CD in Händen zu halten, das wirkt wertiger und würdigt die Arbeit mehr, die dahintersteckt. Dasselbe gilt für Schallplatten. Ich nutze selbst allerdings auch Apple Music und Spotify, um neue Musik zu entdecken und habe dadurch auch schon tolle Künstler finden können, denen ich vielleicht sonst nicht über den Weg gelaufen wäre. Alles hat seine Vor- und Nachteile.

CDstarts.de: Woran misst du deinen Erfolg? Bedeuten dir persönlich Chart-Platzierungen etwas oder ist kommerzieller Erfolg kein Maßstab für deine Kunst?

Clara Louise: Das kann man wirklich nur für sich selbst entscheiden. Ein fertiger Song, ein ganzes Album, eine tolle Band, ein bewegendes Konzert – das sind alles Erfolge, die einem mehr bringen, als jedes Geld der Welt oder eine Chart-Platzierung. Um ehrlich zu sein, habe ich keine konkrete Vorstellung von Erfolg. Ich versuche einfach mein Ding zu machen und immer alles zu geben. Manchmal gelingt mir das, manchmal eher weniger. Ich denke, in allem was man tut, muss man immer darauf achten, dass es einen glücklich macht, dann ist das schon ein großer Erfolg.

CDstarts.de: Erzähl uns etwas zur Entstehung des „Die guten Zeiten“-Albums: Wie lange hast du an den Songs geschrieben? Wie verliefen die Aufnahmen? Bist du glücklich mit dem Ergebnis oder würdest du am liebsten noch weiter an bestimmten Dingen feilen?

Clara Louise: Ich habe 2015 mit dem Songwriting fürs Album begonnen und dann 2016 gemeinsam mit meiner Band, mit der ich auch live spiele, die Songs in Salzburg aufgenommen. Wir haben uns hierzu einen Produzenten zur Seite geholt, der meistens im Jazz- oder Klassik-Bereich tätig ist und diese Komponenten mit einfließen lassen hat. Wir haben Streicher in einer Kirche, einen Flügel in einem großen Konzertsaal, eine Marimba und ein Flügelhorn aufgenommen und in die Songs integriert, was mir persönlich sehr viel bedeutet. Ich fühle mich geehrt, so viele tolle Musiker auf diesem Album dabei zu haben. Dann haben wir noch vier Songs in einer poppigen Variante in Hamburg aufgenommen. Insgesamt bin ich mit dem Album sehr zufrieden, da es so vielseitig ist und mich selbst auch immer wieder berührt.

CDstarts.de: Erkläre uns bitte den Albumtitel und die Bedeutung des Cover-Artworks.

Clara Louise: Ich habe das Album nach dem Song „Die guten Zeiten“ benannt, da mir in den letzten Jahren immer klarer wurde, dass es „perfekt“ nicht gibt. Alles hat immer eine gute und eine schlechte Seite. Auch wenn es uns hier gerade allen sehr gut geht, gibt es auf der anderen Seite der Welt viele, viele Menschen, denen es verdammt schlecht geht. Deshalb sollte man sich öfter daran erinnern, dass wir oft nur Luxusprobleme haben, die uns das Leben erschweren. Man kann selbst entscheiden, wie es einem geht und insofern auch selbst bestimmen, ob man eine gute Zeit hat, oder eben nicht. Selbst seine Gedanken zu steuern – eine Wissenschaft für sich, die aber vielen helfen kann, ein glücklicheres Leben zu führen.

CDstarts.de: Wie würdest du jemandem dein Album/deine Musik beschreiben, der dich und deine Musik bis jetzt nicht kennt?

Clara Louise: Ich mache melancholische handgemachte Pop-Musik mit deutschen Texten, die vom Leben handeln. Manche Songs haben eine spirituelle Note, manche handeln ganz simpel vom schönsten Thema der Welt: Liebe. Ich lege mich nicht fest, weshalb mein nächstes Album vielleicht ganz anders klingen wird. Der rote Faden ist die Echtheit, die ich versuche zu transportieren. Ich habe keine Lust auf Hits fürs Bankkonto, sondern auf Musik, die langfristig etwas bewirkt. Musik, die Erinnerungen auslöst und guttut. So könnte man meinen „Stil“ beschreiben, der sich rein musikalisch zwischen Pop, Soul, Folk und Country bewegt.

CDstarts.de: Schottest du dich zum Songschreiben von der Außenwelt ab oder lässt du aktuelle musikalische Trends an dich heran, die in dein Songwriting einfließen?

Clara Louise: Beim Songschreiben passiert alles ganz natürlich aus dem Bauch und aus dem Herzen heraus, so wie es sein sollte. Einen anderen Weg kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe mal mit einem Produzenten zusammengearbeitet, der tatsächlich Songtexte von aktuellen Hits durchgelesen hat, um Zeilen daraus zu übernehmen, das habe ich dann aber verweigert. Wenn man so weit gekommen ist, sollte man sich von der Musik verabschieden.

Bearbeitet von für CDstarts.de
Photo-Credit: momentbild.at

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