Fee Interviews

  • 06.03.2018
Kurzinterview mitFee
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Fee - News
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Machen, was man gut findet.

CDstarts.de: Wie war dein erster Kontakt zur Musik und was war der Auslöser, dass du entschieden hast, selbst Musik zu machen?

Fee: Früher in Marburg, wo ich aufgewachsen bin, war ich in einen Kinderchor. Wir hatten eine wahnsinnig temperamentvolle und liebenswerte Vollblutmusikern als Chorleiterin. Sie hat mir gezeigt, was für Energien Musik in mir freisetzt. Seit dem war ich ständig umringt von Musik, habe meine eigenen Aufnahmen mit dem Kassettenrecorder gemacht und es gab nie etwas anderes, für das ich so eine große Leidenschaft entwickelt habe und das mich so glücklich gemacht hat.

CDstarts.de: Gibt es für dich bestimmte Orte, die dich beim Musikmachen besonders inspirieren oder ist es dir egal, wo du Songs schreibst?

Fee: Beim Songwriting muss ich ganz alleine sein. Zuhause in meinem Kokon. Die Welt da draußen vergessen, nicht auf die Uhr schauen oder irgendwie abgelenkt werden. Es vergehen oft Stunden und ich bin dann meistens in einer Art Tunnel. Kriege gar nichts anderes mit. Auf einmal ist es mitten in der Nacht.

CDstarts.de: Gibt es eine Art stilistisches Markenzeichen, mit dem du deine Musik beschreiben würdest?

Fee: Ich plane es nicht, Songs zu schreiben. Wenn ich etwas zu sagen habe, muss es raus und wenn nicht, schreibe ich auch kein Lied. Meine Songs sind Momentaufnahmen und haben oft sehr verschachtelte Sätze. Auch dass ich sehr unregelmäßig reime, ist ein Markenzeichen meiner Musik, es sind mehr Tagebucheinträge, eingehüllt in Musik.

CDstarts.de: Spürst du eine Verantwortung, deinen Hörern gegenüber, auch politische Denkanstöße zu geben oder spielt Politik in deiner Musik keine Rolle?

Fee: Ich würde nicht sagen, dass ich politische Musik mache, aber Gesellschaftskritik findet man in einigen meiner Lieder. Zum Beispiel mein Song „Einzimmerwohnung“ handelt vom Wunsch nach Freiheit, Andersdenken und Ausbrechen aus standardisierten Lebensweisen. „Ich will nicht ständig hören, was gut wär, was ich tun soll, nur weil man das so macht“ ist zum Beispiel eine Zeile daraus.

CDstarts.de: Stell dir vor, ein echter Superstar würde einen deiner Songs covern. Wer sollte das sein und warum?

Fee: Wenn ein echtes musikalisches Urgestein, wie Udo Lindenberg einen meiner Songs singen würden, wäre das eine große Ehre für mich. Ich finde es echt beachtlich, wenn jemand so lange Musik macht und auch mit über 70 noch so verdammt cool und gelassen ist.

CDstarts.de: In Zeiten von MP3, Streaming-Diensten und Downloads wirkt das klassische Album-Format, insbesondere in physischer Form (CD/Vinyl), wie ein Relikt aus grauen Vorzeiten. Warum hältst du daran fest und wie stehst du generell zu den neuen Musikvertriebswegen?

Fee: Natürlich ist man als Musiker heute mittlerweile ein Stück weit auf die neuen Vertriebswege angewiesen. Trotzdem hoffe ich, dass CD und Vinyl nicht aussterben werden. Ich liebe auch Kassetten, aber die sind zu langsam in unserer schnelllebigen Welt. Man kann nicht „skippen“, sondern muss lange spulen und ab und zu hat man sogar einen Bandsalat und braucht einen Stift, um alles wieder aufzuwickeln. Das wollen die wenigsten. Ich finde es echt schön, dass viele Leute nach meinen Konzerten eine CD mitnehmen, um sich an den Abend zu erinnern oder um mich damit zu unterstützen. Eine CD mit Artwork in der Hand zu haben, gibt dir ja ein ganz anderes Gefühl zu dem Album und dem Künstler. Du hast einfach was in der Hand und nicht nur am Bildschirm. Ich gebe mir immer total viel Mühe mit der Gestaltung der ganzen CD. Es sind immer von mir handgeschriebene Songtexte im Booklet, ein paar Fotos, Danksagung an alle, die mir bei der Produktion geholfen haben. Alles ist sehr persönlich.

CDstarts.de: Woran misst du deinen Erfolg? Bedeuten dir persönlich Chart-Platzierungen etwas oder ist kommerzieller Erfolg kein Maßstab für deine Kunst?

Fee: Für mich ist erstmal der wichtigste Erfolg ich selbst zu sein und mich nicht zu verstellen. Wenn ich mit der Musik, die ganz natürlich aus mir heraus entsteht, in irgendwelche Charts käme, wäre das sicherlich nichts, das ich innerlich ablehnen würde, aber es ist kein anvisiertes Ziel. Mein Ziel ist es, glücklich mit dem zu sein, was ich tue, wohin auch immer die Reise geht.

CDstarts.de: Erzähl uns etwas zur Entstehung des „Ein Zimmer Küche Bad“-Albums: Wie lange hast du an den Songs geschrieben? Wie verliefen die Aufnahmen? Bist du glücklich mit dem Ergebnis oder würdest du am liebsten noch weiter an bestimmten Dingen feilen?

Fee: Einige Songs vom Album sind schon ein paar Jahre alt, manche sind ganz neu, einer ist sogar während der Produktion erst entstanden. Ich finde jeder Song hat ein musikalisches Gewand bekommen, das er verlangt hat. Jetzt klingen sie alle, wie ich sie mir vorgestellt hab und sie werden für immer da zuhause sein. Was einmal auf einer Platte ist, bleibt für immer so. Deswegen finde ich es wichtig, erst mit der Produktion aufzuhören, wenn ich zufrieden bin. Und das bin ich sehr. Es war echt ein steiniger Weg, mit vielen Hochs und Tiefs, aber das gehört beim Musik machen ja immer ein Stück weit dazu. Ohne Emotionen kann man auch keine tiefgründigen Songs entstehen lassen.

CDstarts.de: Erkläre uns bitte den Albumtitel und die Bedeutung des Cover-Artworks.

Fee: Der Titel „Ein Zimmer Küche Bad“ steht für Intimität und Nähe, für ein Zuhause-Gefühl. Der Titel soll aber auch zeigen: Guckt mal, man braucht gar nicht viel im Leben, das Glück kann man überall finden. Es reichen Ein Zimmer Küche Bad. Fast alle Songs entstehen bei mir zuhause, ich habe da ein kleines Home Studio und da bin ich in meiner kleinen, kleinen geschützten Welt. Auf dem Cover bringe ich genau dieses Gefühl zum Ausdruck: tanzend, schmunzelnd in einem chaotischen Raum, in dem die Gedanken herumfliegen können.

CDstarts.de: Wie würdest du jemandem dein Album/deine Musik beschreiben, der dich und deine Musik bis jetzt nicht kennt?

Fee: Ich zeige verschiedene Ausschnitte meines Lebens, ganz persönlich und ehrlich. Und jeder, der sie hört, hat direkt eigene Assoziationen dazu im Kopf, weil es keine abstrakten Geschichten sind, sondern Geschichten die uns alle verbindet. Es geht darum, wie ich mich durchs Leben kämpfe und tanze. Meine Songs entstehen im Moment, aus einem Impuls heraus. Das kann mal naiv und trotzig sein, manchmal aber auch melancholisch und nachdenklich. Ebenso wie das Leben auch ist, hoch und tief, wunderschön und bittersüß.

CDstarts.de: Schottest du dich zum Songschreiben von der Außenwelt ab oder lässt du aktuelle musikalische Trends an dich heran, die in dein Songwriting einfließen?

Fee: Also, ich hab’s nicht so mit Trends. Weder in der Mode, noch in der Musik. Ich mache einfach das, was ich gut finde. Ob das nun modern ist, ist mir ehrlich gesagt egal. Es muss zu mir passen.

Bearbeitet von für CDstarts.de
Photo-Credit: Vero Bielinski

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