KMPFSPRT Interviews

  • 13.03.2018
Kurzinterview mitKMPFSPRT
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KMPFSPRT - News
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Wie Green Day oder Blink-182, nur mit Joe Cocker am Mikro.

CDstarts.de: Wie war euer erster Kontakt zur Musik und was war der Auslöser, dass ihr entschieden habt, selbst Musik zu machen?

David Schumann: Der erste Kontakt dürfte das Radio gewesen sein, mit „Künstlern“ wie Modern Talking, aber die Inspiration, selber Musik zu machen, kam viel später, erst mit Punkrock. Wenn man als Kind all diesen Radio-Pop hört, käme man nie auf die Idee, zu denken: „Ey, das könnte ich auch!“. Bei den Ramones oder Misfits aber ist das anders. Man merkt: Das sind normale Typen, wie du und ich. Und die spielen normale Akkorde, für die ich nicht vorher Musik studiert haben muss. Also kauft man sich eine Gitarre für 100 Mark, und es kann losgehen.

CDstarts.de: Welches war das erste Album, das ihr von eurem eigenen Geld gekauft habt - und welches das letzte? Habt ihr die Käufe bereut oder wart ihr zufrieden?

David Schumann: Das erste Album vom eigenen Geld war in meinem Fall „Hunting High And Low“ von a-ha, wegen „Take on me“. Hab ich damals nicht bereut, und finde eigentlich auch heute noch, dass ich es hätte schlechter treffen können, damals in den 80ern! Das letzte ist tatsächlich unser eigenes! Ich bestelle mir das immer vor, soll Glück bringen. Ob ich das noch bereuen werde, wird sich rausstellen, haha.

CDstarts.de: Gibt es für euch bestimmte Orte, die euch beim Musikmachen besonders inspirieren oder ist es euch egal, wo ihr Songs schreibt?

David Schumann: Musik ist ja nicht nur ein Riff oder ein Drumbeat, sondern manchmal auch z.B. ein Text oder eine Gesangsmelodie. Da kann es schon mal passieren, dass man nachts im Band-Bus auf dem Weg nach Hause von einem Konzert einen Text, oder ein Textfragment, ins Handy tippt, weil die Ruhe nach dem Sturm auf der menschenleeren Autobahn einen irgendwie berührt und inspiriert. Auch die Idee für den Albumtitel „GAIJIN“ kam in Japan, auf der großen Shibuya-Kreuzung, wo man sich zwischen Millionen Menschen schon mal ziemlich alleine fühlen kann. Aber in der Regel sitzen wir wahrscheinlich doch in unseren Zimmern oder im Proberaum, und tun einfach, was wir tun.

CDstarts.de: Gibt es eine Art stilistisches Markenzeichen, mit dem ihr eure Musik beschreiben würdet?

David Schumann: Unterm Strich ist es doch immer irgendwie der Versuch, die Urgewalt des Hardcore mit der Sensibilität des Pop zu verbinden, auch wenn wir da als Band nie drüber gesprochen haben, und auch sonst keine Pläne machen, wie etwas zu klingen hat - wir schreiben einfach drauflos. Aber wenn ich mir alle Songs, von der ersten EP bis jetzt zum neuen Album, anhöre, dann ist es doch im Prinzip immer die Suche nach der perfekten Melodie, gepaart mit dem größten Schlag in die Fresse. Wenn man quasi die Smiths auf der einen Seite des Spektrum sieht, und meinetwegen Comeback Kid auf der anderen, sind wir im Endeffekt immer irgendwo dazwischen.

CDstarts.de: Spürt ihr eine Verantwortung, euren Hörern gegenüber, auch politische Denkanstöße zu geben oder spielt Politik in eurer Musik keine Rolle?

David Schumann: Wenn man sich die Welt anguckt, und wie sie sich in den letzten Jahren zum Schlechteren gewandelt hat, denke ich, dass nicht nur jeder Musiker, sondern generell jeder Mensch die Verantwortung trägt, etwas daran zu ändern, und zu verhindern, dass faschistische Geschichte sich wiederholen kann. Deswegen ist unsere Musik auch politisch, ja. Nicht immer, denn das fände ich auch langweilig, aber schon verdammt oft. Im Prinzip bildet die Musik immer unsere eigenen Lebensrealität ab, dazu gehören Freundschaften, Beziehungen, Abende an der Bar oder was auch immer. Aber eben auch Wahlerfolge der AfD, Hunger, Krieg und Ungerechtigkeit. All das ist bei uns Thema, und das macht uns, ohne, dass wir das je geplant hätten, zu einer politischen Band.

CDstarts.de: Stellt euch vor, ein echter Superstar würde einen eurer Songs covern. Wer sollte das sein und warum?

David Schumann: Rivers Cuomo von Weezer. Einfach, weil ich „Pinkerton“ über alles liebe, und wissen wollen würde, was er aus einem unserer Song machen würde, und weil es wahrscheinlich einfach auch verdammt lustig wäre, ihn auf Deutsch singen zu hören!

CDstarts.de: In Zeiten von MP3, Streaming-Diensten und Downloads wirkt das klassische Album-Format, insbesondere in physischer Form (CD/Vinyl), wie ein Relikt aus grauen Vorzeiten. Warum haltet ihr daran fest und wie steht ihr generell zu den neuen Musikvertriebswegen?

David Schumann: Jeder Mensch ist ein Produkt seiner Zeit und Umstände, deshalb möchte ich gar nicht schlecht über MP3 oder Streaming-Dienste reden, aber: Ein Album ist für mich ein Gesamt-Kunstwerk, vom ersten bis zum letzten Song, mit Höhen, Tiefen, Spannungsbögen, Cover, Inlay und allem, was dazugehört. Natürlich kann man einfach einen einzelnen Song aus dem Kontext nehmen, aber dann fehlt einem doch der Rest, das Große und Ganze. Man guckt doch auch nicht nur die Action-Szenen in einem Film, sondern will wissen, wie sich alles aufbaut, und wie es sich auflöst. Das ist für mich alles Teil der Musik, und deswegen ist das klassische Album auch kein Relikt aus grauer Vorzeit, sondern die vollständige Wiedergabe der Kunst, und nicht nur 3-Minuten-Fastfood mit möglichst vielen Hooks.

CDstarts.de: Woran messt ihr euren Erfolg? Bedeuten euch persönlich Chart-Platzierungen etwas oder ist kommerzieller Erfolg kein Maßstab für eure Kunst?

David Schumann: Man würde wahrscheinlich lügen, würde man sagen, es freue einen nicht, in den Charts zu sein. Natürlich ist es ein schönes Kompliment, wenn genug Menschen die eigene Musik hören, dass so etwas möglich ist. Aber man muss auch ganz klar festhalten, dass deswegen niemand von uns einen Song schreibt. Es geht nie um den potenziellen Erfolg, sondern immer nur um den, nennen wir es: künstlerischen, Ausdruck. Sonst würden wir wahrscheinlich keinen Punk machen, sondern irgendwas Elektronisches mit Auto-Tune und Sprechgesang.

CDstarts.de: Erzählt uns etwas zur Entstehung des neuen Albums: Wie lange habt ihr an den Songs geschrieben? Wie verliefen die Aufnahmen? Seid ihr glücklich mit dem Ergebnis oder würdet ihr am liebsten noch weiter an bestimmten Dingen feilen?

David Schumann: Das kann man so genau gar nicht sagen: Richard und ich fangen teilweise schon kurz nach Fertigstellung des letztens Album klammheimlich an zu schreiben und sammeln, Riffs, Melodien und Fragmente in der eigenen Schublade. Irgendwann, Monate später, wenn wir der Meinung sind, dass es so langsam Zeit für etwas Neues ist, treffen wir uns im Proberaum und fügen all diese Fragmente zusammen, überarbeiten sie, nehmen Demos auf, und gehen dann irgendwann ins Studio. Der ganze Prozess dauert, mit Pausen, wahrscheinlich insgesamt ein Jahr, je nachdem, wann man den Startpunkt setzt. Die Aufnahmen im Studio selber gehen dann immer relativ schnell. Wir haben ja kein großes Budget und müssen deshalb gut vorbereitet sein. Hat diesmal insgesamt zwei Wochen gedauert. Und ja: Wir sind sehr, sehr glücklich mit dem Ergebnis. „GAIJIN“ hat die richtige Mischung aus Melodie und Härte, klingt super und macht hoffentlich auch den Hörern Spaß. Würden wir trotzdem gerne noch an bestimmten Dingen feilen? Wahrscheinlich schon. Irgendwas findet man ja immer, das noch besser hätte werden können. Aber Songs sind auch immer ein Produkt der Zeit, in denen sie entstehen, deshalb bin ich eigentlich froh, dass man nicht nochmal etwas daran verändern kann.

CDstarts.de: Erklärt uns bitte den Albumtitel und die Bedeutung des Cover-Artworks.

David Schumann: Der Albumtitel „GAIJIN“ kommt aus dem Japanischen und bedeutet gleichermaßen „Ausländer“ oder „Außenseiter“. Wir wollten in Zeiten des Rechtsrucks ein Zeichen für Offenheit und Solidarität setzen. Wir identifizieren uns mit einer Welt voller verschiedener Kulturen und Menschen, die miteinander statt gegeneinander leben, die sich vermischen und gegenseitig beeinflussen. „GAIJIN“ ist ein Plädoyer für Weltoffenheit, für Revolution, für das Sprengen von Grenzen und für einen kompromisslosen Kampf gegen Hass, Rassismus und Unterdrückung. Daher der Titel: In einer Welt, die immer weiter nach rechts rückt, die Menschen ausgrenzt und verurteilt, solidarisieren wir uns mit den Außenseitern und Verfolgten. Wir sind alle Ausländer, wir sind alle Außenseiter, wir sind alle „GAIJIN“.

CDstarts.de: Wie würdet ihr jemandem euer Album/eure Musik beschreiben, der euch und eure Musik bis jetzt nicht kennt?

David Schumann: Kommt drauf an, ob diese Person nur Radio-Pop hört, oder bloß unsere Band nicht kennt. Arbeitskollegen, die mit Gitarrenmusik nichts anfangen können, sag ich immer: „Du kennst doch Blink-182 und Green Day, oder? Ungefähr so, bloß, als würde Joe Cocker singen“.

CDstarts.de: Schottet ihr euch zum Songschreiben von der Außenwelt ab oder lasst ihr aktuelle musikalische Trends an euch heran, die in euer Songwriting einfließen?

David Schumann: Ganz ehrlich: Wir sind zu alt, um von aktuellen musikalischen Trends beeinflusst zu werden. Wir hören zwar alle viel aktuelle Musik - nichts ist trauriger, als wenn Leute sich nur noch auf ihre alten Platten beziehen - aber wir wissen einfach zu genau, was wir wollen, und was nicht, um großartig davon beeinflusst zu werden. Höre ich den ganzen Tag Tiny Moving Parts? Ja! Würde ich deswegen anfangen Frickel-Math-Parts für KMPFSPRT zu schreiben? Nein!

Bearbeitet von für CDstarts.de
Photo-Credit: Michael Winkler

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