Kiddo Kat Interviews

  • 28.04.2018
Kurzinterview mitKiddo Kat
Artikel teilen:
Kiddo Kat - News
Klicken für Großansicht

Musik, wie eine Sonnenbank für die Seele.

CDstarts.de: Wie war dein erster Kontakt zur Musik und was war der Auslöser, dass du entschieden hast, selbst Musik zu machen?

Kiddo Kat: Meine Mama hat mir die Geschichte erzählt, wie ich als kleines Kind, ich muss so zwei oder drei Jahre alt gewesen sein, immer vor dem Schallplattenspieler von meinem Papa saß und meine Ohren an die Lautsprecher gepresst hab. Meine besorgte Mama hat mich sofort zum Ohrenarzt geschleppt, um mich auf einen angeborenen Hörfehler testen zu lassen. Der meinte, es gäbe keinen Grund zur Aufregung, „das Kind höre einfach nur wahnsinnig gern Musik“. Das muss mein erster Kontakt zur Musik gewesen sein. Ab da an hat es meine Mama wohl immer schon ein wenig geahnt… Ich selber hab es das erste Mal gewusst, als ich mit meinen Freundinnen den Film „Freaky Friday“ sah und noch vorm Kino meine eigene Band, wie die im Film, gründete.

CDstarts.de: Welches war das erste Album, das du von deinem eigenen Geld gekauft hast - und welches das letzte? Hast du die Käufe bereut oder warst du zufrieden?

Kiddo Kat: Mein erstes Album: Tic Tac Toe - „Tic Tac Toe“, mit neun Jahren vom eigenen Taschengeld. Mein letztes Album: Anderson Paak - „Malibu“ - Ich bereue nichts!

CDstarts.de: Gibt es für dich bestimmte Orte, die dich beim Musikmachen besonders inspirieren oder ist es dir egal, wo du Songs schreibst?

Kiddo Kat: Meistens kommen mir die besten Ideen auf dem Fahrrad oder wenn ich zu Fuß von Freunden oder einer langen Nacht nach Hause laufe. Wenn die Gespräche noch im Kopf nachklingen, erklingt auch meistens eine Melodie, eine Idee für einen Beat oder eine Textzeile.

CDstarts.de: Gibt es eine Art stilistisches Markenzeichen, mit dem du deine Musik beschreiben würdest?

Kiddo Kat: Wiedererkennungsmerkmal sind meine rauchige Stimme, mein rhythmusbetontes Gitarrenspiel und Lyrics mit Attitude und viel positiver Selbstironie. Stilistisch habe ich fast keine „No-Go-Areas“. Mich langweilt Musik, die sich auf ein stilistisches Merkmal beschränkt und damit uniform und vorhersehbar bleibt.

CDstarts.de: Spürst du eine Verantwortung, deinen Hörern gegenüber, auch politische Denkanstöße zu geben oder spielt Politik in deiner Musik keine Rolle?

Kiddo Kat: Die aktuelle weltpolitische Lage betrachte ich natürlich wie die meisten mit zunehmender Besorgnis. Bisher spielen in meinen Texten eher autobiographische Themen eine Rolle. Die spürbar wachsende Verantwortung ist nicht abzustreiten, deshalb kann ich fürs nächste Album nicht ausschließen, dass es auch politische Statements geben wird.

CDstarts.de: Stell dir vor, ein echter Superstar würde einen deiner Songs covern. Wer sollte das sein und warum?

Kiddo Kat: Ed Sheeran. Wahnsinnssänger, tierischer Gitarrist und vor allem: Ein authentischer Künstler im Plastik-Pop-Business.

CDstarts.de: In Zeiten von MP3, Streaming-Diensten und Downloads wirkt das klassische Album-Format, insbesondere in physischer Form (CD/Vinyl), wie ein Relikt aus grauen Vorzeiten. Warum hältst du daran fest und wie stehst du generell zu den neuen Musikvertriebswegen?

Kiddo Kat: Ganz grundsätzlich erstmal stehe ich dem immer schnelllebigeren Konsum von Musik und dem damit verbundenen Werteverfall eher kritisch gegenüber. Da bin ich ganz klassisch 90’s Kid. Bin da aber auch nicht starrköpfig. Ich weiß sehr wohl, dass jeder Wandel auch Chancen birgt und hab diese Chancen, die das Internet für Independent Artists wie mich bietet, ja schließlich auch am eigenen Leib 2016 mit dem viralen Kiss Subway Video mit über 100 Millionen Views erleben dürfen. Allerdings geht nichts über das Gefühl, am Ende einer langen Album-Geburt mein Baby - die Platte - physisch in den Händen zu halten. Mein neues Album wird’s also schon rein aus egoistischen und selbst-therapeutischen Gründen auch auf Vinyl und CD geben.

CDstarts.de: Woran misst du deinen Erfolg? Bedeuten dir persönlich Chart-Platzierungen etwas oder ist kommerzieller Erfolg kein Maßstab für deine Kunst?

Kiddo Kat: Im Grunde ist es hiermit ähnlich wie bei der vorigen Frage: Alles was greifbar und real ist, fühlt sich immer besser an, als Klicks, Charts und Hypes: Damit mein ich Dinge wie live zu spüren, wie die Energie vom Publikum reflektiert wird. Oder wenn dich beim Straßenmusik machen ein Passant umarmt und dir sagt, dass er genau das gerade gebraucht hat. Das sind die Momente in denen man weiß, wofür man den Zirkus macht, das sind die echten kleinen Erfolgsmomente. Allerdings gilt auch: Ohne wachsendes Publikum macht Kunst auf Dauer auch keinen Spaß. Man braucht also einen gewissen kommerziellen Erfolg, um all die anderen Dinge in vollem Ausmaß genießen zu können…

CDstarts.de: Erzähl uns etwas zur Entstehung des „Piece Of Cake“-Albums: Wie lange hast du an den Songs geschrieben? Wie verliefen die Aufnahmen? Bist du glücklich mit dem Ergebnis oder würdest du am liebsten noch weiter an bestimmten Dingen feilen?

Kiddo Kat: Ein Perfektionist wird nie fertig, er gibt irgendwann auf. Ich bin wahnsinnig stolz auf das Album. Es war absolut keine einfache Geburt… Ich wollte den nächsten Schritt gehen, all die prägenden und herausfordernden Erfahrungen aus der Zeit eines viralen „Über-Nacht-Erfolges“ in ein erwachsenes Album gießen und bin auch soundlich gereift. Kein Wachstum ohne Schmerzen. Deshalb heißt auch einer der Album-Tracks, der erst während der Produktions-Phase entstanden ist, „Growing Under Pressure“.

CDstarts.de: Erkläre uns bitte den Albumtitel und die Bedeutung des Cover-Artworks.

Kiddo Kat: „Piece Of Cake“ = Kinderspiel/Kuchenstück. Der Prozess der Albumproduktion war wie gesagt kein einfacher, also absolut kein Kinderspiel. Der Album-Titel nimmt also mit kleinem Augenzwinkern ironischen Bezug auf die Entstehung der Platte.

CDstarts.de: Wie würdest du jemandem dein Album/deine Musik beschreiben, der dich und deine Musik bis jetzt nicht kennt?

Kiddo Kat: Meine Musik ist wie eine Sonnenbank für die Seele. Eine „positive vibes only“-Therapie. Alles was du brauchst, um dich danach stärker, selbstbewusster und einfach besser zu fühlen, eben wie bei einem echten Stück Kuchen („Piece Of Cake“). Rein musikalisch: Reduzierte Single-Line-Gitarren auf dicken urbanen Pop-Beats, gepaart mit smokey Vocals, die sich zwischen rotzigem Sprechgesang und melodiösen Hooks bewegen.

CDstarts.de: Schottest du dich zum Songschreiben von der Außenwelt ab oder lässt du aktuelle musikalische Trends an dich heran, die in dein Songwriting einfließen?

Kiddo Kat: Wer kann schon ohne jede Zweifel behaupten, dass er frei von jeglichen Außeneinflüssen ist?? Ich sauge permanent Eindrücke aus der Musik, die mich flasht, und ziehe Inspiration aus anderen Künstlern. Das ist fester Bestandteil eines kreativen Schaffensprozesses. Input, dann Output. Wichtig sind aber folgende Spielregeln: Inspiration ist Gold, Abkupfern ein No-Go!

Bearbeitet von für CDstarts.de
Photo-Credit: Niculai Constantinescu

comments powered by Disqus
Weitere Artikel
  • Interviews:

Kurzinterview