Heinrich Von Handzahm Heinrich von Handzahm

  • 06.07.2018
Kurzinterview mitHeinrich Von Handzahm
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Heinrich von Handzahm - News
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Ein Schwamm, der nach geistiger und musikalischer Photosynthese ein Album wachsen lässt.

CDstarts.de: Wie war dein erster Kontakt zur Musik und was war der Auslöser, dass du entschieden hast, selbst Musik zu machen?

Heinrich von Handzahm: Auslöser war eine Trommel, die ich von meinen Eltern in der ersten Klasse bekommen habe. Daraus wurde ein Schlagzeug. Und als die Nachbarn durchdrehten, habe ich das Schlagzeug nach sieben Jahren verkaufen müssen und mir – Gott sein Dank! – eine Gitarre von dem Geld gekauft. Diese Gitarre habe ich heute noch.

CDstarts.de: Welches war das erste Album, das du von deinem eigenen Geld gekauft hast – und welches das letzte? Hast du die Käufe bereut oder warst du zufrieden?

Heinrich von Handzahm: Erstes Album: The Smiths „Strangeways Here We Come“. Ich habe früher im Plattenladen immer LPs nach Cover-Design gekauft, da die Reinhörstationen immer voll waren und ich keine Lust zum Warten hatte. 60% davon waren leider Mist. Aber zumindest sahen sie gut im Regal aus. Mein Letzter CD-Kauf war eine Yoga-CD vor ein paar Jahren. Das mit dem Yoga hat nicht funktioniert. Vielleicht lag es an der Musik.

CDstarts.de: Gibt es für dich bestimmte Orte, die dich beim Musikmachen besonders inspirieren oder ist es dir egal, wo du Songs schreibst?

Heinrich von Handzahm: Texte kann ich überall schreiben. Besonders gerne an menschenüberfüllten Orten, in Flugzeugen und in der Bahn. Wenn ich mit dem Text weiterkomme, gehe ich unter die Dusche. Dann fließt es. Da sind schon viele gute Textzeilen entstanden. Aber Komponieren muss ich mit meiner Gitarre alleine im stillen Kämmerlein. Es ist mir peinlich vor anderen Menschen mit wirren Worthüllen vor mich hin zu klampfen.

CDstarts.de: Gibt es eine Art stilistisches Markenzeichen, mit dem du deine Musik beschreiben würdest?

Heinrich von Handzahm: Ich versuche, das Beste aus allen stilistischen Welten zu vermischen und meine Musik daraus zu formen. Ich beschreibe meine Musik als Story-Pop, da ich gerne Geschichten erzähle und singe und sie mit einer eingängigen Melodie garniere.

CDstarts.de: Spürst du eine Verantwortung, deinen Hörern gegenüber, auch politische Denkanstöße zu geben oder spielt Politik in deiner Musik keine Rolle?

Heinrich von Handzahm: Nein. Überhaupt nicht. Ich möchte mit meiner Musik unterhalten und maximal zum Nachdenken und Schmunzeln anregen. Politik und Musik passen für mich nicht zusammen. Ich mache ungern Kompromisse.

CDstarts.de: Stell dir vor, ein echter Superstar würde einen deiner Songs covern. Wer sollte das sein und warum?

Heinrich von Handzahm: Chuck Norris hätte ich gerne als Coversänger für meinen Song „Spülmittelallergie“. Das wäre bestimmt sehr authentisch. Müsste mit ihm allerdings vorher etwas Deutsch üben.

CDstarts.de: In Zeiten von MP3, Streaming-Diensten und Downloads wirkt das klassische Album-Format, insbesondere in physischer Form (CD/Vinyl), wie ein Relikt aus grauen Vorzeiten. Warum hältst du daran fest und wie stehst du generell zu den neuen Musikvertriebswegen?

Heinrich von Handzahm: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit heißt es so schön. Ich möchte mit meiner Musik dort sein, wo sie der Hörer konsumieren und genießen möchte. Daher bin ich für jeden Vertriebsweg offen. Das Format „Album“ ist tatsächlich etwas anachronistisch, aber ich liebe es, da es mich verpflichtet, mehr als nur einen Track abzuliefern.

CDstarts.de: Woran misst du deinen Erfolg? Bedeuten dir persönlich Chart-Platzierungen etwas oder ist kommerzieller Erfolg kein Maßstab für deine Kunst?

Heinrich von Handzahm: Chart-Platzierungen sind toll. Mehr freue ich mich über Rückmeldungen, die ich direkt von Fans bekomme. Sie schreiben und erzählen mir, was meine Musik bei ihnen bewirkt hat. Das ist großartig und motiviert mich weiter Songs zu schreiben.

CDstarts.de: Erzähl uns etwas zur Entstehung des neuen Albums „Auf anderer Frequenz“: Wie lange hast du an den Songs geschrieben? Wie verliefen die Aufnahmen? Bist du glücklich mit dem Ergebnis oder würdest du am liebsten noch weiter an bestimmten Dingen feilen?

Heinrich von Handzahm: Bis ich alle Songs für dieses Album zusammen hatte, sind fast drei Jahre vergangen. Mit Franz Plasa zusammen habe ich mir bei der Produktion Zeit gelassen, da wir kein fixes Release-Datum hatten. Ganz am Schluss sind auch nochmal zwei Songs rausgeflogen und zwei neue dazugekommen. Es war ein recht dynamischer Prozess und es haben sehr unterschiedliche Musiker bei den Aufnahmen mitgewirkt. Ich bin sehr glücklich mit dem Album und für mich ist es persönlich betrachtet mein bisher bestes Album in seiner Gesamtheit.

CDstarts.de: Erkläre uns bitte den Albumtitel und die Bedeutung des Cover-Artworks von „Auf anderer Frequenz“.

Heinrich von Handzahm: Der Albumtitel „Auf anderer Frequenz“ beschreibt den Zustand unserer Kommunikation und zwischenmenschlichen Beziehungen. Wir senden und empfangen sehr unterschiedlich Botschaften und Emotionen. Musik kann diese Ebenen verbinden oder die Unterschiede verstärken. Ich habe zumindest versucht, meine Textbotschaften, die nicht jedem zugänglich sind, durch die musikalische Frequenzanpassung empfangsfähig zu machen. Das Cover-Artwork hat gar keine Bedeutung. Es zeigt mich als eitlen Künstler, der den Betrachter gefällig anlächelt.

CDstarts.de: Wie würdest du jemandem dein Album/deine Musik beschreiben, der dich und deine Musik bis jetzt nicht kennt?

Heinrich von Handzahm: Kommst du noch mit hoch? Ich würde Dir gerne meine Plattensammlung zeigen.

CDstarts.de: Schottest du dich zum Songschreiben von der Außenwelt ab oder lässt du aktuelle musikalische Trends an dich heran, die in dein Songwriting einfließen?

Heinrich von Handzahm: Ich lasse alles auf mich einströmen und arbeite wie ein Schwamm, der nach geistiger und musikalischer Photosynthese ein Album wachsen lässt. Jetzt kann geerntet werden.

Bearbeitet von für CDstarts.de

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