Deaf Havana Interviews

  • 26.07.2018
Kurzinterview mitDeaf Havana
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Deaf Havana - News
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Gitarrist Matthew Veck-Gilodi zum neuen Album und mehr.

CDstarts.de: Wie war dein erster Kontakt zur Musik und was war der Auslöser, dass du entschieden hast, selbst Musik zu machen?

Matthew Veck-Gilodi: Das ist wahrscheinlich als ich im Alter von vier Jahren im Wohnzimmer meiner Eltern zu „Thriller“ von Michael Jackson herumgetanzt bin. Ich habe mich im Alter von etwa 14 Jahren dazu entschlossen, Musik für mich zu machen, nachdem ich andauernd Musik von Jeff Buckley gehört habe. Mich hat jeder einzelne Song so sehr berührt und ich wollte sehen, ob ich auch etwas erschaffen kann, das auch nur einen Bruchteil von dem Gefühl vermitteln kann, das ich beim Hören dieser Songs empfand.

CDstarts.de: Welches war das erste Album, das du von deinem eigenen Geld gekauft habt – und welches das letzte? Hast du die Käufe bereut oder warst du zufrieden?

Matthew Veck-Gilodi: Das erste Album, das ich gekauft habe, war Nirvanas Live-Album „From The Muddy Banks Of The Wishkah“ und das letzte Album war die Vinyl-Reissue von Sun Kil Moons „Ghosts Of The Great Highway". Ich bereue keines davon, da ich sie beide liebe. Das erste stellt sich als unfassbar gute Antwort heraus, wann immer mich jemand fragt, welches das erste Album war, das ich gekauft habe. Und das Sun Kil Moon-Album ist einfach eines meiner ultimativen Lieblingsalben.

CDstarts.de: Gibt es für dich bestimmte Orte, die du beim Musikmachen besonders inspirieren oder ist es dir egal, wo du Songs schreibst?

Matthew Veck-Gilodi: Ich bin nicht sicher, ob man von einem bestimmten Ort sprechen kann, denn all unsere Songs entstehen viel mehr aus einer Stimmung heraus, einem Gefühl oder etwas, das und widerfahren ist. Es sind vielmehr solche Dinge als spezielle Orte, aus denen wir Inspiration schöpfen.

CDstarts.de: Gibt es eine Art stilistisches Markenzeichen, mit dem du eure Musik beschreiben würdest?

Matthew Veck-Gilodi: Das wäre Wahrscheinlich Aufrichtigkeit. All unsere Songs sind sehr ehrlich. Das stammt von James‘ Texten und ist wahrscheinlich die eine stilistische Sache, die unsere Musik untermauert.

CDstarts.de: Spürt du eine Verantwortung, euren Hörern gegenüber, auch politische Denkanstöße zu geben oder spielt Politik in eurer Musik keine Rolle?

Matthew Veck-Gilodi: Ich denke das sollten wir wahrscheinlich, da wir jetzt in einer Zeit leben, in der politisch orientiert zu sein oder sich einfach nur dessen, was gerade in der Welt passiert, bewusst zu sein, unglaublich wichtig ist. Allerdings war das nie etwas, das sich in unserer Musik widerspiegelt. Politik spielt keine Rolle, wenn es darum geht, wie James seine Texte schreibt.

CDstarts.de: Stellt dir vor, ein echter Superstar würde einen eurer Songs covern. Wer sollte das sein und warum?

Matthew Veck-Gilodi: Wahrscheinlich der amerikanische Künstler Chris Stapleton. Er hat eine unfassbar tolle Stimme und ich denke, dass viele unserer Songs sich wunderbar in diesen Stil umwandeln lassen würden.

CDstarts.de: In Zeiten von MP3, Streaming-Diensten und Downloads wirkt das klassische Album-Format, insbesondere in physischer Form (CD/Vinyl), wie ein Relikt aus grauen Vorzeiten. Warum haltet ihr daran fest und wie steht ihr generell zu den neuen Musikvertriebswegen?

Matthew Veck-Gilodi: Ich denke, dass Alben in Vinyl-Form immer noch sehr wichtig sind, da sie ein Weg sind, deinen Fans ein dreidimensionales, vollständig durchdachtes Kunstwerk zu bieten, mit dem sie eine tiefere Bindung eingehen können, als wenn sie es einfach nur auf ihrem Handy streamen. Daher finde ich es immer noch sehr wichtig, Musik auf Vinyl zu veröffentlichen aber ich liebe auch Streaming. Die Tatsache, dass ich fast jedes Album, das ich jemals hören möchte, in meiner Tasche haben kann, finde ich immer noch unfassbar und großartig. Allerdings ist Streaming eine sehr unpersönliche Art Musik zu hören und es trägt etwas zu diesem Wegwerfcharakter bei. Man investiert einfach nicht so viel von sich in ein Album, wenn man es streamt, als wenn man Geld dafür ausgeben würde. Es hat seine Vor- und Nachteile.

CDstarts.de: Woran messt ihr euren Erfolg? Bedeuten dir persönlich Chart-Platzierungen etwas oder ist kommerzieller Erfolg kein Maßstab für deine Kunst?

Matthew Veck-Gilodi: Ich bin mir nicht so sicher. Erfolg heißt für mich wahrscheinlich, dass wir weiter in der Lage sind, das zu machen, was wir lieben und davon leben zu können. Und dass wir dabei Spaß haben können und daran was wir tun glauben zu können. Gute Chartpositionen und kommerzieller Erfolg sind einfach ein Bonus. Ich denke, wenn du einzig und allein dafür Musik machst und das dein Ziel ist, machst du es aus den falschen Gründen.

CDstarts.de: Erzähl uns etwas zur Entstehung des neuen „Rituals“-Albums: Wie lange habt ihr an den Songs geschrieben? Wie verliefen die Aufnahmen? Bist du glücklich mit dem Ergebnis oder würdest du am liebsten noch weiter an bestimmten Dingen feilen?

Matthew Veck-Gilodi: Ehrlich gesagt, war es ein seltsamer Schreibprozess. Es war das erste Mal, dass wir ein Album geschrieben haben, bei dem der Großteil der Songs nicht auf der Akustik-Gitarre entstanden ist. Wir haben bei diesem Album viel mehr elektronische Elemente und Computer benutzt. Insgesamt hat es etwa drei bis vier Monate gedauert, bis wir das Album geschrieben haben. Die Aufnahmen fanden gewissermaßen während des Schreibens statt. Wir haben immer weiter geschrieben und weiter aufgenommen, was wir so noch nie gemacht hatten. Wir sind alle sehr glücklich mit dem Ergebnis und daher würden wir auch nichts daran ändern wollen, wie es jetzt ist. Wir sind sehr stolz darauf.

CDstarts.de: Erkläre uns bitte den Albumtitel und die Bedeutung des Cover-Artworks von „Rituals.

Matthew Veck-Gilodi: Der Titel fasst im Grunde die Bedeutung jedes Songs in einem Wort zusammen. Wir haben alle kleine Rituale, die positive oder negative Effekte auf uns und unser Leben haben können und genau das ist es, worum es in den Songs geht.

CDstarts.de: Wie würdest du jemandem euer Album/eure Musik beschreiben, der euch und eure Musik bis jetzt nicht kennt?

Matthew Veck-Gilodi: Ich würde es als ehrliches Songwriting beschreiben. Alles, das wir schreiben, kommt von einem Ort voller Emotionen.

CDstarts.de: Schottet ihr euch zum Songschreiben von der Außenwelt ab oder lasst ihr aktuelle musikalische Trends an euch heran, die in euer Songwriting einfließen?

Matthew Veck-Gilodi: Es ist ein bisschen beides. Einerseits haben wir die Angewohnheit in ein Kaninchenloch zu verschwinden und uns von allem abzuschotten aber anderseits kann es auch sehr hilfreich sein, etwas durchzuatmen und etwas anderes zu hören, da Inspiration von überall herkommen kann. Also ja, ich würde sagen es ist eine Mischung aus beidem.

Bearbeitet von für CDstarts.de
Photo-Credit: Wolf James

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