Cat Ballou Interviews

  • 13.09.2018
Kurzinterview mitCat Ballou
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Cat Ballou - News
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Vier sehr eigene Katzen - im Interview vertreten durch Sänger Oliver Niesen.

CDstarts.de: Wie war euer erster Kontakt zur Musik und was war der Auslöser, dass ihr entschieden habt, selbst Musik zu machen?

Oliver Niesen: Bei dieser Frage muss ich ein bisschen ausholen… Wir sind Freunde seit der Kindheit, teilweise sogar miteinander verwandt und unsere Väter haben zusammen in Bands gespielt. Als wir selber mit ca. zehn Jahren angefangen haben Instrumente zu spielen, haben wir auch direkt zusammengesessen und versucht, die ersten Akkorde zu Songs zusammenzusetzen. 1999 hatten wir unseren ersten Auftritt bei einer Karnevalssitzung, als wir mit gefärbten Haaren in Jugendzentren gespielt haben und auf Partys immer eine Gitarre dabei war, hat sich der Spaß, für und mit Leuten Musik zu machen, immer weiterentwickelt.

CDstarts.de: Welches war das erste Album, das du von deinem eigenen Geld gekauft hast – und welches das letzte? Hast du die Käufe bereut oder warst du zufrieden?

Oliver Niesen: Mein erstes Album, was ich mir von meinem Taschengeld gekauft habe, war „Sex & Violins“ von Rednex und mein letztes war – glaube ich – „Cleopatra“ von The Lumineers oder „Return To The Moon“ von El Vy. Ich habe noch nie den Kauf einer CD bereut!

CDstarts.de: Gibt es für euch bestimmte Orte, die euch beim Musikmachen besonders inspirieren oder ist es euch egal, wo ihr Songs schreibt?

Oliver Niesen: Wo man inspiriert wird, kann man leider gar nicht beeinflussen. Manchmal passiert es im Alltag, vielleicht beim Einkaufen, dass eine Idee kommt, manchmal aber auch im Urlaub, wenn der Kopf gerade mal Pause hat. Und genauso ist es auch mit dem Schreiben an sich. Manchmal nimmt man eine Idee mit in den Supermarkt und singt die ganze Zeit im Kopf, bis der/die Kassierer/in fragt, ob ich Payback-Punkte sammele, oder man sitzt einfach zu Hause mit der Gitarre auf der Couch. Wenn man aber mit der Band zusammen schreibt, ist es schon praktisch, wenn man einfach ungestört ist und man vielleicht sogar ein paar Tage aufeinander hängt und das Handy ausmacht.

CDstarts.de: Gibt es eine Art stilistisches Markenzeichen, mit dem ihr eure Musik beschreiben würdet?

Oliver Niesen: Schwierige Frage. Das kommt eigentlich immer auf das Lied an, ob ein bestimmter Gitarrensound, ein Synth oder auch ein Bass oder Drum Groove führt und das Lied ausmacht. Jedes Instrument kann je nach Sound und Spielweise als Markenzeichen gesehen werden, aber dann jeweils von Lied zu Lied und nicht allgemein. Auf unserem neuen Album haben wir auf jeden Fall versucht das herauszuarbeiten.

CDstarts.de: Spürt ihr eine Verantwortung, euren Hörern gegenüber, auch politische Denkanstöße zu geben oder spielt Politik in eurer Musik keine Rolle?

Oliver Niesen: Wir versuchen keinem unsere Meinung aufzudrücken und wir sind auch nicht die Typen, die mit erhobenem Zeigefinger Parolen schwingen, aber dennoch fühlen wir sehr große Verantwortung. Wir sind zwar nur vier kleine Musiker, die bestimmt nicht die Welt verändern werden/können, aber wir wissen, dass uns Leute zuhören, auch jüngere… Auch wenn wir in unseren Liedern oder auf Konzerten keine direkte politische Botschaft formulieren, kann man unsere Einstellung schon deutlich raushören. Seid lieb zueinander!

CDstarts.de: Stellt euch vor, ein echter Superstar würde einen eurer Songs covern. Wer sollte das sein und warum?

Oliver Niesen: Geile Frage, aber schwer zu beantworten… Also wir haben in der Band alle sehr unterschiedliche Musikgeschmäcker, aber die gemeinsame Schnittmenge (so sagen wir immer) ist die Band Phoenix aus Paris. Würde es heißen, dass die ein Lied von uns covern, was natürlich vollkommen absurd ist, würden wir wahrscheinlich Tage lang versuchen herauszufinden, wer diesen Streich eingefädelt hat.

CDstarts.de: In Zeiten von MP3, Streaming-Diensten und Downloads wirkt das klassische Album-Format, insbesondere in physischer Form (CD/Vinyl), wie ein Relikt aus grauen Vorzeiten. Warum haltet ihr daran fest und wie steht ihr generell zu den neuen Musikvertriebswegen?

Oliver Niesen: Wir sind selber in einer Zeit aufgewachsen, wo wir Kassetten aufgenommen, oder Platten vom Vater auf Minidisc überspielt haben. Vielleicht sind es auch nur nostalgische Gründe, aber wir glauben eigentlich daran, dass es da draußen immer noch den Musikkonsumenten gibt, der wie wir gerne eine CD bzw. Platte im Regal stehen hat. Es hat in unseren Augen einfach eine gewisse Wertigkeit, wenn man bewusst ein Album auswählt, was man auch komplett anhört. Man taucht einfach ganz anders ab und merkt oft, dass sich der Musiker viel mehr gedacht hat, als einfach nur ein paar Ohrwürmer zu produzieren. Über dieses Thema kann man abendfüllende und philosophische Debatten führen, aber letztendlich sind die heutigen Möglichkeiten genauso Fluch wie Segen. Man kann nicht nur als Konsument viel mehr und unterschiedliche Musik „besitzen“, oder besser gesagt man hat den Zugang zu mehr Musik, sondern man hat auch als Musiker ganz andere Möglichkeiten Zuhörer zu erreichen. Früher gab es vielleicht ein paar Bands, die es geschafft haben, einen Plattendeal zu bekommen, die dann auch jeder hören musste, heute kann sich fast jede oder jeder, die/der sich ein bisschen dahinterklemmt, selber produzieren und auch soweit vermarkten, dass man auf Sie/Ihn aufmerksam werden kann.

CDstarts.de: Woran messt ihr euren Erfolg? Bedeuten euch persönlich Chart-Platzierungen etwas oder ist kommerzieller Erfolg kein Maßstab für eure Kunst?

Oliver Niesen: Natürlich misst man Erfolg auch immer in Zahlen, aber wir machen ausschließlich Musik, die uns selber kickt, berührt und gefällt. Alles andere macht für uns keinen Sinn.

CDstarts.de: Erzählt uns etwas zur Entstehung des neuen Albums „Cat Ballou“: Wie lange habt ihr an den Songs geschrieben? Wie verliefen die Aufnahmen? Seid ihr glücklich mit dem Ergebnis oder würdet ihr am liebsten noch weiter an bestimmten Dingen feilen?

Oliver Niesen: Wir schreiben eigentlich permanent, da gibt es also keinen genauen Zeitplan ab wann wir angefangen haben. Alle Ideen und Demos der letzten zwei Jahre haben wir zusammen im Proberaum arrangiert, vorproduziert und letztlich im Maarweg Studio 2 aufgenommen, was insgesamt ungefähr sechs Monate gedauert hat. Erstmalig haben wir mit dem Produzenten Wolfgang Stach zusammengearbeitet, was eine absolute Bereicherung für uns war. Es war wie eine Symbiose, wir hatten sofort gleiche Soundvorstellungen, und wenn einem irgendwas noch nicht gepasst hat, wurden immer wieder neue Wege und Lösungen gefunden. Wir sind absolut zufrieden mit dem Ergebnis!!! Die Studiozeit war zwar sehr anstrengend und stressig, weil wir währenddessen auch viele Konzerte gespielt haben, aber trotzdem hätte man immer noch weiter machen können. Es war einfach eine sehr intensive, kreative und emotionale Zeit.

CDstarts.de: Erklärt uns bitte den Albumtitel und die Bedeutung des Cover-Artworks von „Cat Ballou“.

Oliver Niesen: Den Albumtitel „Cat Ballou“ haben wir sehr früh festgelegt, ich glaube zu dem Zeitpunkt standen noch nicht mal alle Songs fest. Im letzten Jahr ist sehr viel bei uns passiert. Wir haben uns schweren Herzens von unserem Schlagzeuger trennen müssen. Da wir von klein auf befreundet sind und auch nie in anderen Besetzungen musiziert haben, war es natürlich hart zu akzeptieren, dass sich Interessen verändern und die Band in der Form nicht bestehen bleiben kann. Den Hannes kannte ich schon seit langer Zeit und wusste, dass er ein Spitzen-Drummer ist. Zum Glück hatte er große Lust die Lücke zu füllen, die uns entstanden war, was musikalisch wie auch menschlich perfekt funktioniert hat. Zusätzlich haben wir ein eigenes Label gegründet und können jetzt alles so gestalten, wie wir es für richtig empfinden. Durch diese großen Schritte sind wir als Band und als Freunde noch enger zusammengerückt. Das Album ist das Produkt aus dieser Zeit und beinhaltet zu 100% Cat Ballou. Das Cover ist die Weiterführung des Ganzen. Im Internet wurden wir von unseren Fans irgendwann „die Katzen“ genannt, was wir für uns adaptiert haben. Der uns empfohlene Grafikdesigner fand das sehr passend und wollte aus der Idee ein Cover gestalten. Eigentlich fanden wir die Idee nicht ganz so überzeugend, aber wir wollten erstmal abwarten und den Profi machen lassen. Als uns dessen Entwürfe nicht gefallen haben und wir auch nach mehreren Anläufen gemerkt haben, dass der Grafikdesigner nicht unsere Vorstellungen trifft, wurde uns bewusst, was wir eigentlich für Katzen sind: sehr eigene! Also haben wir dann zwar an dem Katzenthema festgehalten, uns aber selber an die Ausgestaltung des Covers gesetzt und das Ergebnis ziert jetzt unser Album.

CDstarts.de: Wie würdet ihr jemandem euer Album/eure Musik beschreiben, der euch und eure Musik bis jetzt nicht kennt?

Oliver Niesen: Popmusik, die mal rockt, mal zum Tanzen anregt und einen manchmal auch wegträumen lässt.

CDstarts.de: Schottet ihr euch zum Songschreiben von der Außenwelt ab oder lasst ihr aktuelle musikalische Trends an euch heran, die in euer Songwriting einfließen?

Oliver Niesen: Trends gehen nie spurlos an einem vorbei, aber bei uns nehmen diese eher unbewusst Einfluss. Wenn wir Dinge gut finden dann setzen wir sie um, auch wenn sie vielleicht gar nicht im Trend sind.

Bearbeitet von für CDstarts.de
Photo-Credit: Fabian Stürtz

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