Flo Mega Interviews

  • 16.03.2019
Kurzinterview mitFlo Mega
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Flo Mega - News
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Über das soziologische Prinzip in Zeiten des Wandels.

CDstarts.de: Wie war dein erster Kontakt zur Musik und was war der Auslöser, dass du entschieden hast, selbst Musik zu machen?

Flo Mega: Ich liebte laute Drums. Die waren in den 80ern mehr als oft vertreten. Laut, scheppernd und mit viel Hall. Meiner kognitiven Entwicklung entsprechend, waren die Stücke, die mich durchfluteten, keine dringlich zu erwähnenden Meisterwerke. Es hatte dennoch zur Folge, dass ich ca. 1985 eine Metallkiste, die mit Spielsachen gefüllt war, zu einer Snare umwandelte, indem ich Schweizer Franken darauf postierte, die mein Großvater mir als Spielgeld überlassen hatte. Die Bassdrum war ein hohler Pappkarton. Es gab nur einen Schlegel. Ich spiele bis heute so; Bassdrum hochkant, Snare steht daneben, denn dafür braucht man nur die kreative Seite des Gehirns.

CDstarts.de: Welches war das erste Album, das du von deinem eigenen Geld gekauft hast – und welches das letzte? Hast du die Käufe bereut oder warst du zufrieden?

Flo Mega: Das erste gekaufte Album, nachdem ich einige geschenkt bekommen hatte, wie z.B. von Foreigner und Simply Red und selbst viel aus dem Radio aufnahm, war, glaube ich, „Apocalypse 91…The Enemy Strikes Black“ von Public Enemy. Das letzte war meine Premium-Mitgliedschaft bei Dings (leider). Auf Vinyl zuletzt ein Album der Sleaford Mods.

CDstarts.de: Gibt es für dich bestimmte Orte, die dich beim Musikmachen besonders inspirieren oder ist es dir egal, wo du Songs schreibst?

Flo Mega: Ich kann am besten an Orten schreiben, die mich zentrieren. Wie zum Beispiel bei meinem besten Freund in Bremen, wo viele Bücher stehen, Gitarren, Kochtöpfe – ein ständiger kreativer Wandel in der Luft liegt. Wenn ein Ort zu schön ist, möchte ich den Ort genießen. Da kommt mir selten eine Idee. Eher tanke ich Kraft und (eine bestimmte) Inspiration.

CDstarts.de: Gibt es eine Art stilistisches Markenzeichen, mit dem du deine Musik beschreiben würdest?

Flo Mega: Meine Stimme, meine Knödeltechnik, die Art wie ich mit Worten umgehe. Ich denke, dass ich immer noch eine sehr spezielle Signatur habe.

CDstarts.de: Spürst du eine Verantwortung, deinen Hörern gegenüber, auch politische Denkanstöße zu geben oder spielt Politik in deiner Musik keine Rolle?

Flo Mega: Ich spüre eine sehr große Verantwortung. Man muss sehen, dass der Kapitalismus es erfordert, ähnlich wie in einer Diktatur, Dinge clever zu umschreiben. Denn das soziologische Prinzip in Zeiten des Wandels, hat sehr viele Schikanen eingebaut. Die Moderne hat bisweilen ihre höchste Dynamikstufe erreicht. Zudem wünschte ich mir eine mutigere, risikofreundlichere Welt. Hier muss ich erwähnen: Gewisse Dinge wie Rock&Roll, Funk oder Punk sind jenseits von Gut und Böse. Es geht darum, Strukturen aufzubrechen, um eine neue Wirklichkeit zu erschaffen. Nämlich eine bestenfalls heilsame. Wir leben in einer sehr aggressiven Zeit, zwar nicht im Bereich der physischen Gewalt, eher auf der Ebene der psychischen. Ich sehe es als meine Aufgabe, gerade als feuriger Mensch, meine Botschaften friedlich und intelligent zu platzieren. Das Kapitel Politik und Musik ist eines, welches ein komplettes Buch füllen kann.

CDstarts.de: Stell dir vor, ein echter Superstar würde einen deiner Songs covern. Wer sollte das sein und warum?

Flo Mega: Von Grönemeyer bis Udo – alle üblichen Verdächtigen sind willkommen! Vielleicht am geilsten, wenn es irgendein verstorbener Künstler wäre, wie z.B. Serge Gainsbourg. Ich denke dennoch, dass man mich nicht wirklich covern kann. Eher persiflieren oder interpretieren.

CDstarts.de: In Zeiten von MP3, Streaming-Diensten und Downloads wirkt das klassische Album-Format, insbesondere in physischer Form (CD/Vinyl), wie ein Relikt aus grauen Vorzeiten. Warum hältst du daran fest und wie stehst du generell zu den neuen Musikvertriebswegen?

Flo Mega: Ich denke, dass es immer gut ist, weniger Plastik in die Welt zu blasen. Im Ernst, ich habe das Gefühl, dass dies nur eine Übergangszeit ist, um der Entwicklung ein Bewusstsein für Mut, Risiko und Autonomie zurückzugeben. Die Industrie hat viele Seelen verheizt, demnach ist es ein logischer Schritt der musikindustriellen Evolution. Was mir Sorge bereitet, ist die Uferlosigkeit und die fehlende Erfüllung, dadurch dass man alles sofort haben kann und Veröffentlichung auf Veröffentlichung folgt. Die digitale Maschine ist nicht so modern, wie wir glauben. Die Zukunft ist es jedenfalls nicht, wie ich vermute. Zurzeit bin ich Teil davon und es ist für mich eine Zeit des Ertastens.

CDstarts.de: Woran misst du deinen Erfolg? Bedeuten dir persönlich Chart-Platzierungen etwas oder ist kommerzieller Erfolg kein Maßstab für deine Kunst?

Flo Mega: Da es letztendlich ein Produkt ist, um das es hier geht, sind messbare Parameter schon wichtig, aber nicht das Nonplusultra. Ich darf behaupten, dass ich mal besser und mal schlechter seit zehn Jahren von meiner eigenen Musik leben kann. Das ist doch ein Grund dankbar zu sein. Was mir fehlt, ist gelegentlich das freie Spielen und Jammen.

CDstarts.de: Erzähl uns etwas zur Entstehung des neuen Albums „Bäms!: Wie lange hast du an den Songs geschrieben? Wie verliefen die Aufnahmen? Bist du glücklich mit dem Ergebnis oder würdest du am liebsten noch weiter an bestimmten Dingen feilen?

Flo Mega: Man ist nie fertig. Ich habe bestimmt 40 bis 50 Songs gemacht, woraus dies hier nur eine kleine Auswahl ist. Dieses Mal habe ich aus der Box, ohne Band und mit vielen jungen Produzenten gearbeitet. Der Fokus liegt auf den Texten und auf dem Experiment Wie findet ein Musiker statt, der seit 25 Jahren auf Bühnen steht und gerade mal fünf Jahre jünger als Trettmann ist, gefühlt aber fünf Jahre älter und kauziger? Ich habe auf jeden Fall noch viel vor, denn mein Spektrum ist groß und ich bin kein Freund der Gleichschaltung.

CDstarts.de: Erkläre uns bitte den Albumtitel und die Bedeutung des „Bäms!-Cover-Artworks.

Flo Mega: Ein Bäm – die Bäms. Jeder Song ein Bäm! Kein verschnörkelter Titel wie es bei Frisören oder Startups der Fall ist. Das Artwork ist in erster Linie nach den Regeln einer Corporate Identity angelegt und thematisiert den Umgang mit der digitalen Phase.

CDstarts.de: Wie würdest du jemandem dein Album/deine Musik beschreiben, der dich und deine Musik bis jetzt nicht kennt?

Flo Mega: Am besten selber reinhören, denn das Produkt ist als Beschreibung gedacht. Grundsätzlich ist es ein Flo-Mega-Album, diesmal im Pop-Kleid. Diesmal halt so. Es ist Synth-Pop und Neo-Funk, HipHop und Soul, mit meiner Signatur. Mit Features wie Die Fantastischen Vier, Stefan Raab an der Talkbox, Chefboss, Kwam.E, Sebó, WHTDFNK, Das Bo (als Cameo), Mr. Autotune ist auch hin und wieder dabei usw.

CDstarts.de: Schottest du dich zum Songschreiben von der Außenwelt ab oder lässt du aktuelle musikalische Trends an dich heran, die in dein Songwriting einfließen?

Flo Mega: Ich lasse alles an mich heran. In den Dosen, wie ich es brauche. Denn meine Zeit, in der ich mich das erste Mal identifiziert habe mit Musik, ist lange vorbei. Heute ist es eher ein Sich-Hinein-Fühlen und auch Dazu-Gehören-Wollen, aber nicht wissen, wozu. Es ist auch immer ein Stück Ohnmacht und Hybris bei mir zu finden. Hoffnungslos hoffnungsvoll, da kann man sagen was man will: Ich bin mir der neuen Zeit bewusst und ich habe gute Argumente gegen Hass und Selbstüberschätzung. Auf meinem Album sind sauber geschliffene Experimente zu finden. Das kann eine Trapnummer sein, nach einer langen Nacht in einer Kneipe der mieseren Sorte, mit digitaler Jukebox und viel Pfeffi oder eben auch ein Text, den ich im ICE im Stehen geschrieben habe, weil er wiedermal hoffnungslos Überbucht gewesen ist.

Bearbeitet von für CDstarts.de
Photo-Credit: Florian von Besser

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