I-Fire Interviews

  • 02.05.2020
Kurzinterview mitI-Fire
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I-Fire - News
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Steady auf dem Fundament einer massiven Baseline reiten mit Rob „Raw Bird“ Schlepper.

CDstarts.de: Wer war in eurer Kindheit euer Vorbild/Idol und warum?

Tatsächlich hatte ich kein wirkliches Vorbild. Meine Kindheit war sehr sportgeprägt und Basketball mein Leben. Da zu meiner Zeit Michael Jordan der Star des Sports war, habe ich natürlich auch auf die NBA geschaut. Musik hat eher eine Nebenrolle gespielt, war aber dennoch immer präsent. Zuhause lief Harry Bellafonte und Miriam Makeba. Mein großer Bruder pumpte den early HipHop und Funk. Ich habe alles gehört, was er aufgelegt hat, bis ich merkte, dass der ehrliche Eastcoast Rap mich abholte. Da war mir das wichtigste der Bass und so kam ich schnell zu Dancehall und Reggae, wobei mir nicht unbedingt die Singer/Songwriter-Nummern von Bob Marley auffielen. Auch Stepper und Dub, Lee Scratch Perry oder Ja Shakka. Auch die frühen Dancehall-Nummern von Beenie Man liefen bei mir auf Anschlag.

CDstarts.de: Wie und wo kommen euch Ideen für neue Songs in den Sinn?

Die Songs kommen ganz unterschiedlich. Manchmal unter der Dusche oder beim Einkaufen, andere im Studio auf nem produzierten Beat. Manchmal kommt auch einer mit einer Idee zur Probe, hat aber noch keinen Beat oder Text. Dann schreiben wir gemeinsam. Oft sind es aber auch Themen, die unser tägliches Leben beeinflussen, zu denen wir eine Meinung haben, die wir analysieren und kompensieren, indem wir einen Song schreiben.

CDstarts.de: Sicherlich gibt es Musiker, die euch beeinflusst haben. Wir wollen natürlich wissen wer und warum?

Dazu muss man sagen, dass wir neun Leute sind, aus allen Genres der Musik, die einen gemeinsamen Nenner haben, nämlich den Offbeat der steady auf dem Fundament einer massiven Baseline reitet. Zu finden sind neben dem Reggae viel HipHop, Funk, R&B, Jazz, Blues und Trap etc., beginnend bei Bob Marley mit seiner Ideologie „One Love“, gibt es viele überragende Musiker, zu denen wir aufschauen und die unseren Sound beeinflussen.

CDstarts.de: Ihr habt die freie Auswahl: Mit welchem Musiker oder Produzenten würdet ihr gerne ein Album aufnehmen? Begründer eure Wahl.

Ich denke, auch hier gibt es neun verschieden Wünsche und Träume. Ich habe da weniger große Träume oder Wünsche. I-Fire ist ein großartiges Team mit megafähigen Musikern. Mein Traum verlässt nicht die eigenen Reihen, ich möchte mit meinen Jungs so viel Zeit haben, dass wir ohne Druck unsere Vorstellungen umsetzen können. Das Knowhow und auch die Kapazitäten sind vorhanden. Aber featuren würde ich zurzeit am liebsten Buju Banton.

CDstarts.de: CD, Vinyl, Tape oder digital – wie organisiert ihr eure (Sammel-)Leidenschaft für Musik?

Ich habe tatsächlich die Leidenschaft zum Musikhören etwas verloren mit der Digitalisierung. Ich liebe Vinyl, aber habe zu Hause nicht die Möglichkeit, analog Musik zu hören. Daher bin ich digital aufgestellt. In der Band sieht es sehr durchwachsen aus. Dort ist auf jeden Fall aber noch der eine oder andere Vinylist zu hause.

CDstarts.de: Welches („fremde“) Album aus eurer Sammlung würdet ihr unseren Lesern empfehlen und warum?

Burning Spear „Hail Him“, oder auch GentlemanJourney To Jah“ aber auch hier sind jede Menge Alben zu nennen.

CDstarts.de: Mal was ganz anderes: Beschreibt unseren Lesern, wie euer perfekter Urlaub aussieht. Habt ihr Tipps und Empfehlungen?

Ha, das ist eine leichte Aufgabe für mich. Meine Frau und ich haben Wellenreiten als Hobby für uns entdeckt, nachdem ich mein halbes Leben nicht verreist bin. Dazu kam es, dass wir uns dachten, wir setzen uns einfach in unser erstes gemeinsames Auto und fahren nach Marokko. Die Reise führte uns die Atlantikküste runter und wir fingen an zu surfen. Also, mein perfekter Urlaub sieht wie folgt aus: Ein VW-Bus, meine Frau, meine Kinder, vier verschiedene Boards auf dem Dach und einen Hänger mit der Band im Gepäck - und dann ab Richtung Welle. Frankreich, Spanien, Portugal, Brasilien, Indonesien, egal, Hauptsache Zwei-Meter-Wellen.

CDstarts.de: Welcher Song eures neuen Albums „Spiel mit dem Feuer“ war in der Entstehung bzw. bei den Aufnahmen der härteste Brocken und warum?

Das lässt sich schwer sagen. Wir haben alle ein sehr ausgeprägtes individuelles Verständnis für Musik. Da wir ausschließlich selbst produzieren und wir uns als demokratische Band ohne hierarchisches Gefälle definieren, ist fast jeder Song im Entstehungsprozess ein harter Brocken. Evtl. „Ich hab nix zu tun“, der im Kern schon seit vielen Jahren reifte und immer wieder geschliffen und verändert wurde.

CDstarts.de: Mit Blick auf euer neues Album: Wie wichtig sind für euch im digitalen Zeitalter noch Dinge wie Cover-Artwork und Booklet-Gestaltung?

Ganz wichtig! Evtl. geht es anderen in der Band da anders, aber mir ist die visuelle Komponente sehr wichtig. Wir haben uns bei allen bisher erschienenen Alben professionelle Unterstützung geholt. Dabei sind Leute wie der Photograph Niculai Constantinescu, die uns schon seit dem ersten Album treu sind, von entscheidender Wichtigkeit, um den roten Faden im Niveau und Style zu behalten. Auch wenn sich dieser nicht strukturell durch die Alben zieht, so baut es doch irgendwie aufeinander auf.

CDstarts.de: Welche Rolle spielen für euch die Texte des „Spiel mit dem Feuer“-Albums? Wollt ihr echte Inhalte vermitteln oder sollen die Worte nur gut zur Musik passen?

Auch hier nehmen wir das nicht auf die leichte Schulter. Noch haben wir eine Meinung und wollen die auch kundtun. Aber um nicht penetrant und oder dominant zu sein, versuchen wir das in der Regel mit zwinkernden Augen, auch wenn das Thema prekär ist. Leben kann soleidvoll sein und leider tendieren viele dazu, sich den Einflüssen ihres Umfelds defizitär und fatalistisch zu ergeben. Ja, Leben kann hart sein, aber auch sehr schön und wenn es das mal nicht ist, bringt es selten was, sich dem Leid kampflos zu ergeben. Auch auf die Gefahr hin, dass es Personen gibt, die das blauäugig, ignorant, naiv und weltfremd finden, versuchen wir an das Licht im Leben zu erinnern. Traurige Musik kann eine sich in Trauer verlierende Seele trösten, aber für diesen Anlass ist I-Fire die falsche Wahl. Unsere Texte sind in der Regel der Spiegel der Summe unserer kollektiven Erfahrungen und repräsentieren unser Lebensgefühl.

CDstarts.de: Wart ihr bei den Aufnahmen von „Spiel mit dem Feuer“ penible Kontroll-Freaks, die solange alles wiederholen, bis es perfekt ist oder habt ihr einfach spontan den Moment einfangen wollen?

Ganz klar das Erste… Wobei auch Fragmente dem Moment entsprangen, erkannt und nach unserem Geschmack eingesetzt, das Momentum verändern und somit gewollt sind, folglich einer gewissen Kontrolle unterliegen.

CDstarts.de: Feuer frei! Was müssen unsere Leser unbedingt noch über euer neues Album wissen?

Wichtig zu wissen ist nur, es ist uns unglaublich wichtig und ganz nah an uns dran. Gemacht für uns und für die Menschen, die unsere Musik fühlen, nicht für den Markt, den Fame oder den Geldbeutel. Und es wird nicht unser letztes sein.

CDstarts.de: Zum Schluss möchten wir noch wissen, was ihr als euren bisherigen Karrierehöhepunkt bezeichnen würdet und warum?

Auch hier lässt sich kein wirklicher Höhepunkt verzeichnen. Evtl. kann man als einen klassischen Karrierehöhepunkt den Moment beschreiben, an dem die großen Plattenfirmen an unsere Tür klopften und wir mit ihnen ins Gespräch kamen, um dann zu entscheiden, der Karriere keinen Schubs zu geben, sondern in eine andere Bahn zu lenken. Seit dem arbeiten wir als unser eigener Chef mit eigenem Label und der Freiheit, das tun und lassen zu können, was wir wollen. Daher befinden wir uns abstrakt betrachtet seit langem auf unserem Karrierehöhepunkt. Denn wir leben den Luxus, einfach Musik machen zu können, ohne darauf angewiesen zu sein, Erwartungen zu erfüllen und Paychecks recoupen zu müssen. Dennoch bespielen wir die großen Bühnen im Land nach wie vor mit ungebremst ehrlicher Freude.

Bearbeitet von für CDstarts.de
Photo-Credit: I-Fire GbR

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