Alin Coen Interviews

  • 25.08.2020
Kurzinterview mitAlin Coen
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Alin Coen - News
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Sieben Jahre Schreibarbeit in sechs Tagen Studioarbeit eingefangen.

CDstarts.de: Wer war in deiner Kindheit dein Vorbild/Idol und warum?

Alin Coen: Mein erstes Vorbild war wahrscheinlich Mahatma Gandhi, weil er ein Symbol für das Gute war. Musikalisch war Björk meine erste große Liebe und somit auch Idol.

CDstarts.de: Wie und wo kommen dir Ideen für neue Songs in den Sinn?

Alin Coen: Ich muss mich fürs Liederschreiben immer an ein Instrument setzen. Besonders konzentriert kann ich aber schreiben, wenn ich dafür einige Tage irgendwo hin fahre, wo nichts los ist und ich mich ein bisschen langweile. Irgendwie hilft es, noch mehr Spaß am Schreiben zu entwickeln.

CDstarts.de: Sicherlich gibt es Musiker, die dich beeinflusst haben. Wir wollen natürlich wissen wer und warum?

Alin Coen: Oben genannte Björk natürlich, weil ich sie einfach genial fand. Dann Ani DiFranco von der ich auf meiner Indien Reise mit 19 Jahren eher zufälligerweise eine Kassette dabei hatte und die meinen Wunsch entscheidend geprägt hat, Singer/Songwriterin zu werden und Joni Mitchell deren Musik mich auch sehr tief bewegt.

CDstarts.de: Du hast die freie Auswahl: Mit welchem Musiker oder Produzenten würdest du gerne ein Album aufnehmen? Begründe deine Wahl.

Alin Coen: Tatsächlich habe ich gerade mit genau dem Produzenten ein Album aufgenommen, mit dem ich mir das gewünscht hatte: Tobias Fröberg aus Schweden. Ich liebe das Album „It All Starts With One“, das er mit Ane Brun zusammen produziert hat. Vielleicht wollte ich mir auch ein bisschen Skandinavien-Flair aufs Album holen. Jetzt bleibt nur noch der Wunsch offen, einmal im Leben mit Ani DiFranco zusammen Musik zu machen.

CDstarts.de: CD, Vinyl, Tape oder digital – wie organisierst du deine (Sammel-)Leidenschaft für Musik?

Alin Coen: Im Moment habe ich definitiv noch sehr viele CDs. Aber besonders organisiert sind die nicht. Ich bewege mich schrittweise mehr hin zum digitalen Hören.

CDstarts.de: Welches („fremde“) Album aus deiner Sammlung würdest du unseren Lesern empfehlen und warum?

Alin Coen: Wallis Bird – „Spoons”. Manche Lieder sind ganz behutsam, andere strahlen eine große Lebensfreude aus. Es ist ein sehr liebevolles Album. Da ist Magie drauf festgehalten. Ich finde Wallis eine umwerfende Künstlerin - auch live.

CDstarts.de: Mal was ganz anderes: Beschreibe unseren Lesern, wie dein perfekter Urlaub aussieht. Hast du Tipps und Empfehlungen?

Alin Coen: Ich mag es, im Urlaub viel Zeit in der Natur zu verbringen. Das können Berge oder Seen oder das Meer sein. Mein Vater kommt aus Mexiko, auch dort gibt es natürlich unglaublich schöne Stellen. Aber wenn man an Klimawandel denkt und an all die Luftverschmutzung, die so ein Flug verursacht, dann will ich eine Reise dorthin natürlich nicht empfehlen. Berge, Seen und das Meer gibt es zum Glück ja auch gleich „um die Ecke“, mit der Bahn erreichbar.

CDstarts.de: Welcher Song deines neuen Albums „Nah“ war in der Entstehung bzw. bei den Aufnahmen der härteste Brocken und warum?

Alin Coen: Tatsächlich haben wir am meisten zu tun gehabt mit „Bei dir“. Wir haben an einem Tag eine Version aufgenommen, die sich am nächsten Tag, als ich sie hörte, nicht mehr gut anfühlte. Auch schon vorher, bei den Proben zu diesem Stück, habe ich gemerkt, dass ich keine klare Idee habe, wie man das Lied umsetzen könnte. Vielleicht, weil ich es auch nicht als Solostück spielen kann, sondern von vornherein klar war, dass es ein Bandarrangement wird. Aber als wir es dann in einem zweiten Versuch am nächsten Tag noch mal mit einem etwas anderen Arrangement aufgenommen haben, hat es sich wieder gut angefüllt und spätestens, als CATT, Celina Bostic, Naima und Mia Diekow den Chor dafür eingesungen haben, war ich sehr glücklich mit dem Stück.

CDstarts.de: Mit Blick auf dein neues Album: Wie wichtig sind für dich im digitalen Zeitalter noch Dinge wie Cover-Artwork und Booklet-Gestaltung?

Alin Coen: Sehr wichtig sogar. Eine Herzensangelegenheit würde ich sagen. Es ist sehr viel Zeit und Liebe in die Gestaltung dieses Artworks geflossen. Mir war von vornherein klar, dass ich gerne die Kunst von Amilcar Coen (meinem Vater) als Artwork einbinden wollte, da er selber in seiner Kunst so einen Musikbezug hat. Seine abstrakten Bilder heißen zum Beispiel Madrigal, Contrapunto oder Fuga. Wie gesagt, ist er Mexikaner, daher auf Spanisch. Ich bin selber einfach Fan davon, wenn CD Cover und Booklet schön gestaltet sind.

CDstarts.de: Welche Rolle spielen für dich die Texte des „Nah“-Albums? Willst du echte Inhalte vermitteln oder sollen die Worte nur gut zur Musik passen?

Alin Coen: Mir ist beim Texten schon wichtig, dass die Zuhörer*innen eine sinnvolle Geschichte erzählt bekommen. Aber zum Glück lässt sich beides vereinen. Das ist ja auch im Grunde die Herausforderung: Worte zu finden, die den Inhalt transportieren, den ich erzählen will, die aber gleichzeitig super zur Musik passen.

CDstarts.de: Warst du bei den Aufnahmen von „Nah“ ein penibler Kontroll-Freak, der solange alles wiederholt, bis es perfekt ist oder hast du einfach spontan den Moment einfangen wollen?

Alin Coen: Da wir das Album live eingespielt haben, war gar nicht die Zeit für zu viele Wiederholungen. Wir haben die Stücke jeweils vielleicht drei, viermal durchgespielt und uns dann für einen Take entschieden. Da ich bei den meisten Stücken auch entweder Klavier oder Gitarre spiele, habe ich auch direkt live mit eingesungen. Ich mag diese Herangehensweise. Einmal war ich bei einem anderen Sänger für ein Duett eingeladen. Seine Herangehensweise ist 30 bis 40 Takes einzusingen und dann aus allen Takes immer das am besten gesungene Wort reinzuschneiden. Das würde mich wahnsinnig machen. Spätestens nach drei Gesangstakes verliere ich die Geduld und will dann nicht nochmal etwas einsingen. Klappt aber auch meistens.

CDstarts.de: Feuer frei! Was müssen unsere Leser unbedingt noch über dein neues Album wissen?

Alin Coen: Ich habe zwar insgesamt sieben Jahre gebraucht, um alle Lieder dafür zu schreiben, aber wir haben es innerhalb von sechs Tagen eingespielt. Der festgelegte Studio-Termin im Januar 2020 hat für meinen Schreibprozess seine Wunderwirkung getan. Normalerweise habe ich pro Jahr etwas zwei Lieder geschrieben, aber der Termin-Druck brachte mich auf einen Rekord von sieben Liedern innerhalb eines Jahres. Bevor wir ins Studio gingen, dachte ich, ich würde das Album Alin Coen: „Leichtigkeit“ nennen, aber als wir alle Titel eingespielt hatten, war klar, dass das Album solch eine Erdung hat, dass ein neuer Titel her musste. Ich habe mich mit der Suche nach dem richtigen Namen beschäftigt, bis ich mir eines Abends vornahm, am nächsten Morgen einfach zu wissen, wie es heißen soll. Um 6 Uhr morgens noch im Halbschlaf wusste ich, dass es „Nah“ heißen soll. Vielleicht hat das aber auch mit Corona zu tun, weil wir so viel mit dem Wort Abstand zu tun haben.

CDstarts.de: Zum Schluss möchten wir noch wissen, was du als deinen bisherigen Karrierehöhepunkt bezeichnen würdest und warum?

Alin Coen: Es gab schon mehrere Höhepunkte. Einer davon war sicherlich, als wir mit der STÜBAphilharmonie, einem 60-köpfigen Orchester, in Hamburg einen Auftritt in der Laeiszhalle hatten. Ich kam in den Raum und sah ein ausverkauftes Parkett, schaute hoch, sah den vollen ersten Rang, schaute noch eins höher zu den vollen Balkonen im 2. Rang und war dann völlig baff, zu entdecken, dass sogar der 3. Rang voll mit Menschen war. Vier Stockwerke voll mit Zuhörer*innen. Ich fand es ganz verrückt, dass so viele Leute sowohl auf Seiten der Musiker*innen und Organisator*innen als auch im Publikum zusammenkamen, um so einen Moment gemeinsam zu schaffen und zu erleben und dass meine Musik, die irgendwann mal im stillen Kämmerlein entstanden war, eines Tages so große Kreise ziehen sollte.

Bearbeitet von für CDstarts.de
Photo-Credit: Sandra Ludewig

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