7. Lausch Lounge, 06.04.2005, Sommersalon, Hamburg

  • 06.04.2005
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7. Lausch Lounge, 06.04.2005, Sommersalon, Hamburg - News
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Für viele Musik passionierte Menschen ist es schon zur vergnüglichen Gewohnheit geworden, alle zwei Monate in den Sommer-Salon auf der Reeperbahn zu ziehen.

Hamburg-St. Pauli, Spielbudenplatz 22, 06.04.2005 -
Belebende Frühlingsgefühle in Noten verpackt

Und wieder war es soweit: die letzte Lausch Lounge war dem Stamm-Publikum noch auf`s Herz tätowiert, da verzückte der Veranstalter .bkw aus Hamburg schon wieder mit einem weiteren Abend voller in Noten verpackter Frühlingsgefühle. Für viele Musik passionierte Menschen ist es schon zur vergnüglichen Gewohnheit geworden, alle zwei Monate in den Sommer-Salon auf der Reeperbahn zu ziehen, um sich komprimierte Musikvitamine in die Gehörgänge spielen bzw. spülen zu lassen. Ins Leben gerufen hat die Lausch Lounge Hasko Witte, Inhaber von .bkw, eine Veranstaltung für Herz und musikalische Leidenschaft in allen Farben, Genres und Verpackungen.

</a>Die Lausch-Sprache ist Deutsch. Hintergrund der Veranstaltung ist es, dem Publikum Hamburger Künstler vorzustellen, die bisher noch nicht kommerziell in Erscheinung getreten sind, aber ganz geradeaus auf dem Weg zu den Sternen sind. Pro Veranstaltung werden den Zuhörern vier oder fünf Acts serviert, stilistisch gut gemischt. Die Lausch Lounge ist nicht nur unter Hamburgern zu einer festen Insider-Einrichtung mutiert; selbst aus mehr als 100 km Entfernung reisen die Liebhaber der Lausch Lounge an, um sich für vier Stunden einmal in einen noten- und farbenfrohen Zauberwald der Musik und Kleinkunst ent- bzw. verführen zu lassen. Bereits Größen wie Regy Clasen, Der Fall Böse, Stefan Gwildis, Pohlmann, Annett Louisan, Wunder, Jan Plewka und viele andere, bemerkenswerte Artisten gaben sich die Ehre. Die Moderation übernahm - wie immer - Michy Reincke, der im Taxi auf dem Weg nach Paris immer wieder einen Pit-Stop in der Lausch Lounge einlegt und mit seiner einzigartigen Art den Showpart abdeckte, immer mit einem kernigen Spruch auf den Lippen. Dieses wundervoll zusammengestellte Entertainment-Puzzle zeichnet diese Veranstaltung, die in Deutschland Ihresgleichen locker suchen kann, aus. Ein musikalischer Höhepunkt, dem das Publikum mehr als Aufmerksamkeit und Respekt zukommen lässt. Wo sonst wird dem Zuhörer (und dem Künstler) das heute noch geboten?</p>

<p><a href=[thumb:left|Diesen Mittwoch war es an Cécile Brinckmann & Band, den Abend zu eröffnen. Die quirlige Dame aus Hamburg, deren französischen Gene man nicht überhören kann, sang sich schon zu Beginn der ersten Nummer in die Herzen des Publikums. Sie entschuldige sich anfangs völlig unnötig dafür, dass sie vor einiger Zeit an einer Casting-Show (Fame Academy) teilgenommen hat. Glücklicherweise hat sie diese Aktion aber schadlos überstanden und stellte ihre Eigenkompositionen vor, die es in sich haben. Cécile Brinckmann merkte man ihre Ausbildung (Stage School Hamburg: Gesang, Schauspiel, Tanz) an: sie stand mit beiden Füßen auf den Planken, verkaufte sich und ihre Kunst perfekt und zog die Zuhörerschaft subito presto in ihren Bann. Bemerkenswert war auch, dass sie sich selbst am Piano begleitet hat: wunderbar gefühlvoll und sicher gespielt. Zusammen mit ihrer Band verschmolz Cécile Brinckmann zu einer sehr harmonischen Geschichte. Nummern wie "Es war geplant", "Was noch übrig ist", "Mach die Augen auf", "Gib mir diesen Moment", "Jedesmal", "Ich will mit dir gehn" und "Sag mir warum" klingen ausgereift und durchkomponiert und mit Kontrabaß-Begleitung perfektioniert. Cécile ist höchst balladentauglich und versteht es, einen Saal zu rocken. Zugabe war Pflichtprogramm.

Die Atmosphäre im Club war zum Platzen gespannt. Die Besucher brannten auf die folgenden Akteure, und der ein oder andere Künstler lief schon etwas nervös durch den Saal. Was macht eine gesunde Portion Lampenfieber doch sympathisch.

]http://bilder.filmstarts.de/verzeichnis/musik/bands/e/ENS.jpg"></a>ENS. Ja, das ist der Mann, der Journalisten eine wahre Schreibblockade verursachen kann oder ihnen eine Kreativität beschert, die - wenn nicht gebremst - in ungünstigen Fällen Folgen haben kann. ENS, eigentlich Jens Liebschner, warum ENS, das hat niemand ergründen können, viele Menschen im Publikum haben dies auch nicht ergründen wóllen. ENS ist ein Künstler, der wirklich nur Kunst betreibt. Kunst ist relativ, Kunst ist offen, Kunst ist alles, Kunst tut manchmal weh. ENS versteht sich sehr gut darin, den Leuten, die ihm aus Respekt zuhören, seine Geschichte aufzudrängen, ohne ihnen jeglichen Fitzel Raum zu lassen, sich selbst in seiner Darbietung bzw. Geschichte wiederzufinden, er lässt auch keinen Raum, damit sein Publikum sich mit ihm oder seiner Kunst identifizieren kann. So mancher wird an diesem Abend auch sehr froh darüber gewesen sein. ENS brachte eine Selbstreflektion, eine Introspektive, die an sich auf keine Bühne gehört. ENS erinnerte stark an Dostojewski

[thumb:left|Als Dritter im Bunde ging Timon Hoffmann, gebürtiger Bärliner und Wahl-Fischkopp an den Start. Man hätte jetzt annehmen können, Timon hätte Mühe gehabt, den Anwesenden wieder Leben einzuhauchen. Aber nein, die Lachfunken sprühten schon während der ersten Nummer. Timon bezeichnet sich selbst als Sit Down-Comedian, besser kann man ihn an sich auch nicht beschreiben. Er ging den langen Weg der ganz harten Schule: Theater (u. a. Cabaret, Hair, West Side-Story, Sunset Boulevard, Cats, Jesus Christ Superstar, Assassins, Sound of Music), Fernsehen (z. B. Gute Zeiten, schlechte Zeiten, Geliebte Schwestern, Wolff`s Revier, Die Wache), er betätigte sich als Moderator, Organisator, Synchron- und Werbesprecher, Songtexter (u. a. für Ron Williams), Sketchautor (RTL Samstag Nacht, Happiness) undsoweiterundsofort. Man könnte annehmen, Timon ist dás Medium in unserem schönen Kulturland. Projekte, denen er nicht in irgendeiner genialen Form seinen Stempel aufdrückte, sind scheinbar sehr rar. Aktuell findet man Timon Hoffmann in Hamburg an jedem ersten Donnerstag eines Monats zu seinem Liederlichen Donnerstag auf die Planken stürmen. Der "Liederliche" ist an sich sein 1-Mann-Programm, zu dem er sich einen Spezialgast einlädt. Eine Veranstaltung mit Charme, Humor und Lachern auf allen Kanälen. Auf der Bühne der Lausch Lounge sah man einen Kumpanen auf einem Barhocker sitzen, der es recht faustdick hatte. Sehr vielversprechend und vor allem nach Ablauf so gar nicht enttäuschend.

Timon Hoffmann hat mit seinen herzerfrischenden, satirischen Nummern wie "Döner" (hier gesteht er seine große Liebe an den Döner, die Folgen dessen allerdings auch), "Fischkopp" (Entschuldigung - oder einfach Einschleimerei - warum er Berlin verließ und Hamburg erobern möchte), "Frühlingsgefühle" (die Damen im Publikum konnten sich glücklich schätzen, dass er nicht gleich alle ansprang, so "offen und ehrlich-herrlich" kam dieser Song rüber). Dann war da noch die Geschichte mit dem "Kater", die wir alle kennen, nur hieß der Kater dieses Mal Diether. Ganz heiß war "Das Spiel Teil 2", ein Cover, welches wohl jeder verstanden haben sollte. Der Hoffmann beglückte die Schar sogar mit kulinarischen Ergüssen der besonderen Art: "Sushi" (quasi für Anfänger) oder zog noch immer mal wieder "Nach Norden". "Der Charterflug nach Bangkok (auf Lindenberg`s "Im Sonderzug nach Pankow" melodisch "abgestimmt") beendete das Set. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Empfehlung: ein Liederlicher Donnerstag kann die Lachmuskulatur nur herrlich massieren. Timon Hoffmann wird Lebensfragen beantworten, die sich bisher wohl noch niemand gestellt hat. Auch eine hervorragende Art der Solo-Kommunikation, nur wird es so wohl beim Singleleben bleiben. Tja, das zum aktuellen Thema "Frühlingsgefühle".

]http://bilder.filmstarts.de/verzeichnis/musik/bands/j/JohnnyLiebling.JPG">[thumb:right|Den krönenden Abschluss, dass I-Tüpfelchen, das Sahnehäubchen mit einem Schuss Eierlikör oben drauf boten Johnny Liebling. Johnny Liebling das sind Chris Kiel (Gesang), Ralph Beulshausen (Gesang, Trompete), Rüdiger Hensen (Schlagzeug), Kim Kiesling (Kontrabaß) und Martin Fekl (Gitarre). Für viele Bands sind die Goldenen Zeiten bereits längst vorbei, für Johnny Liebling blühen sie erst förmlich auf. Eine Combo, die sich nicht wirklich stilisieren lässt. Man kann sie irgendwo zwischen Swing, Jazz, Polka, Herzschmerz-Schlager, französischem Chanson und "Bukowski"-Style ansiedeln. Die Jungs tragen schnieke Anzüge, das Brusthaar offen und machen einen gepflegten 30er Jahre-Eindruck. Johnny Liebling haben ihr Debüt-Album "Goldene Zeiten" bereits eingespielt, ein Album, das die Hamburger-Kiez-Musikszene wohl nicht bunter wiederspiegeln könnte. Den Swing haben sie dem Publikum am Mittwoch Abend intravenös verpasst, niemand konnte sich gegen diesen Lausch-Angriff wehren. Johnny Liebling sind das pralle Leben im swingenden Stechschritt, die sind echt, die haben Seele, die haben Herz, genügend Beat in den Adern, und sie präsentieren ein irres musikalischen Zusammenspiel und vergewaltigen ihre Instrumente wie nur wenige andere.

Die platziert versoffene Blues-Stimme von Frontmann Chris Kiel, der auf der Bühne erstmal Kette rauchte, verpaßt der Band ihr typisches Siegel: wertvoll! Johnny Liebling verzaubern in Bar-Atmosphäre, sie betören und beswingen auch vor großem Publikum. Wie stimmungsgeladen diese Kanone in der Lausch Lounge rüberkam, beweist sich dadurch, dass das Set der Jungs zehn Nummern sowie zwei Zugaben umfasste. Nach Songs wie "Mädchen", "Heroin", "Fox", "Teufel", "Goldene Zeiten" (ein Selbstgänger), "Straße", "Prinzen", "Böser Bube", dem Klassiker "Bei mir biste scheen", "30 Sommer", "An guten Tagen" und "Champions" wollten die Leute einfach noch immer mehr, waren förmlich unersättlich. Wenn Johnny Liebling zu scherzen beginnen, wird`s ernst. Heroin in Notenform mit enormem Suchtfaktor und Wiederholungswert. Johnny Liebling vertonen und verkörpern Leidenschaft pur, fünf Herren, die für ihre Leidenschaft wahrscheinlich auch sterben würden. Ganz nach der JL-Weisheit: "Es ist niemals zu spät, wenn man mal weiß, wie`s geht."

Einige informative Links zur Lausch-Lounge:

  • Lausch Lounge
  • .bkw
  • Michy Reincke
  • Timon Hoffmann
  • Johnny Liebling
  • Cécile Brinckmann
  • Und für all die, die sich die Live-Performance nicht gönnen konnten oder einfach nochmal nachgenießen möchten: Tide 96,0 präsentiert jeden ersten Mittwoch im Monat um 19:00 h die Lausch Lounge als Radio-Sendung.

    Die nächste Lausch Lounge wird am 04.06.2005 in der Hamburger Katharinen Kirche, Katharinenkirchhof 1, 20457 Hamburg unter dem Hut "Nacht der Kirchen" stattfinden. Der Eintritt ist dieses Mal ausnahmsweise frei. Einlass ist im Juni bereits um 19:00 h. Moderieren wird Michy Reincke. Diese Lausch Lounge wird eine Art Best of vorheriger Veranstaltungen sein. Als Künstler konnten Robin Grubert, Kira, Anna Depenbusch und Michel van Dyke bereits verpflichtet werden.

    Tina Hahn

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