Wir Sind Helden Live: Hamburg, 24.04.2005, Große Freiheit 36

  • 24.04.2005
Artikel teilen:
Wir sind Helden - Live: Hamburg, 24.04.2005, Große Freiheit 36 - News
Klicken für Großansicht

Diese Band ist wie Tag und Nacht und betreibt ein gefährliches Spiel, bei dem es nun gilt, den Konsens zu finden.

Diese Band ist wie Tag und Nacht und betreibt ein gefährliches Spiel, bei dem es nun gilt, den Konsens zu finden. Früher, als sie nur getourt sind, waren sie eine reine Liveband, die plötzlich ins Studio musste, um „Die Reklamation“ aufzunehmen. Der Eindruck von den neuen Songs auf der Bühne ist konträr dazu: Die Helden waren im Studio und „müssen“ nun ihre Songs live vortragen.

CDstarts war am Sonntag, dem 24. April 2005 in Hamburg dabei!

</a>Aufgrund des zu erwartenden Andrangs, wurde die „Große Freiheit 36“ gleich zwei Tage hintereinander angemietet. Doch ein Sonntag ist natürlich ein denkbar ungünstiger Tag, um zu feiern. Montag Arbeit, die vorherigen zwei Tage Party. Vermutlich deshalb hatten es die schwedischen „Tiger Tunes“ als Vorband auch so schwer, die müden Fans aufzuwecken. Stilistisch an den Helden orientiert, spielten sie ihr Set, sagten brav ein paar Sätze auf Deutsch und waren eigentlich ganz nett, wäre ihr musikalisches Potenzial nicht nach 5 Liedern erschöpft gewesen. Danach hatte man eher das Gefühl, dass diese Band bereits 1988 eingeschlafen ist und erst durch den Synthesizer-Weckruf der Helden wieder erwachte. Eine Band von der man vielleicht mal wieder was hören möchte, aber nicht unbedingt auf Platte. </p>

<p>Nach „Wir woll’n die Helden seh’n“-Parolen betraten die Hauptdarsteller des Abends, empfangen von einer enormen Geräuschkulisse aus Beifall, Pfiffen, die Bühne. „Ist das so?“ – Gleich die ersten Töne versprachen den Mitsingrefrain, der als heldentypischer Gimmick bei jedem Lied dabei ist. Der Saal tobt, springt und singt – und besonders bei den schnellen Liedern fällt auf, dass Judiths Stimme anscheinend den gleichen Frequenzbereich wie das Kazoo, das sie als Bläserersatz bei „Gekommen um zu bleiben“ spielt, erreicht. Aber die Helden dürfen das, sowohl ein Kazoo benutzen, als auch eine quietschende Frontfrau zu haben. So funktioniert „Zuhälter“ dann auch live wesentlich besser als auf CD. Erstes Highlight dieses Konzerts war das verträumte „Darf ich das behalten“ mit Bassist Mark an der Akustikgitarre, auch wenn das magische Ende der Albumversion fehlte, um unvergesslich zu bleiben. </p>

<p><a href=[thumb:left|Während den langsamen Nummern wurden an die Wand hinter der Bühne immer wieder Effekte projiziert. Die schönsten davon waren die handgeschriebenen Lyrics, als „Ein Leben lang üben“ gespielt wurde. Dazu gab es bei den schnelleren Liedern für Teile des Publikums ein paar gepflegte „Pogo-Rückenmassagen“. Das Problem der schnelleren Lieder wie zum Beispiel „Wütend genug“ war, dass die Bläsersätze vom Album fehlten und live nicht wirklich überzeugend durch Jeans Synthesizer-Imitate ersetzt werden konnten. Bei „Geht auseinander“ gab es zusätzlich noch das Problem, dass man Judith, wie bei allen anderen Liedern auch, etwas entgegenschreien wollte, aber sich selbst nicht darauf einigen konnte zwischen „Geeht auseinanaaander“ und „Ein Schritt zurück, nur einer, siehst du, es geht!“.

Die größte Enttäuschung war aber nicht die Band, sondern das Publikum, das bei dem mit Abstand bestem Lied des neuen Albums, „Ein Elefant für dich“, regungslos zugeguckt hat. Wirklich niemand hielt seine Arme in die Luft, sang mit oder hüpfte. Der Sound war allerdings auch nicht unbedingt brillant, denn bereits bei der Bridge des coldplayesken Liedes wurde die Lautstärke herunter gedreht, so dass man sich als Zuschauer auch gebremst gefühlt hat. Dafür wurde die Masse mit „Denkmal“ im direkten Anschluss entschädigt. Wieder war sich das Publikum einig, aber diesmal sprang und sang es, wie es sich gehört. Auch bei „Du erkennst mich nicht wieder“ lagen sich alle in den Armen und jeder freute sich, und es war klar, selbst wenn Judith von der warmen Nachluft nicht getragen wird, dass Publikum würde sie tragen!

]http://bilder.filmstarts.de/verzeichnis/musik/berichte/wir.sind.helden.live/WSHLive03.jpg">[thumb:right|Nach einem dahingebeteten „Nur ein Wort“ und einer bereits bekannten „Aurelie“-Live-Version mit Mundharmonika-Solo und Fingerschnipsen, ging man von der Bühne, doch noch bevor sich der gesamte Saal zum unendlich lauten Zugabe-Zuruf hochschaukelte, standen die Helden schon wieder auf der Bühne und sagten „Guten Tag“ und verabschiedeten sich mit „Bist du nicht müde?“. Eigentlich ein gelungener Schluss, zumal die Band sich stückchenweise verabschiedete. Wenn sie gehen, dann gehen sie in Scheiben. Doch sie ließen sich zu einer zweiten Zugabe hinreißen und beim finalen „Die Zeit heilt alle Wunder“ lagen sich selbst die Roadies in den Armen und nickten zu diesem schönen Ausklang.

Alles in allem war der Sonntagsauftritt in der „Großen Freiheit 36“ ein schönes Konzert ohne große Überraschungen und noch nicht ganz live-tauglichen neuen Songs. Bedauerlicherweise fehlten in der Setlist die Stücke „Die Nacht“ und „Außer dir“. Dafür „vergaßen“ die Helden glücklicherweise „Zieh dir was an“.

Setlist:

  • Ist das so?
  • Zuhälter
  • Heldenzeit
  • Von hier an blind
  • Darf ich das behalten
  • Ein Elefant für dich
  • Denkmal
  • Alphamännchen
  • Du erkennst mich nicht wieder
  • Wenn es passiert
  • Echolot
  • Wütend genug
  • Gekommen um zu bleiben
  • Rüssel an Schwanz
  • Aurelie
  • Nur ein Wort
  • Müssen nur wollen
  • Zugaben:

    • Guten Tag
    • Geht auseinander
    • Bist du nicht müde
    • Leben lang üben
    • Die Zeit heilt alle Wunder
    • Christian Kruschel

comments powered by Disqus
Weitere Artikel