Coldplay Live: Hamburg, 15.6.2005, Open-Air Bühne am Volkspark

  • 21.06.2005
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Coldplay - Live: Hamburg, 15.6.2005, Open-Air Bühne am Volkspark - News
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Die Parkfläche vor der AOL Arena ist ein gerngesehener Ort für Konzerte von Bands, die sich noch nicht zutrauen, das Fußballstadion des HSV zu füllen.

Als zu Beginn des neuen Jahrtausends eine kleine Band namens Coldplay mit der „Rolling Stone Road Tour“ durch Deutschland zog, hätte sich niemand von den anwesenden ausmalen können, dass dieselbe Band fünf Jahre später dort spielen würde, wo sonst nur große und alteingesessene Bands wie z.B. R.E.M. spielen. In Hamburg war es die Open-Air-Bühne im Volkspark. Die Parkfläche vor der AOL Arena ist ein gerngesehener Ort für Konzerte von Bands, die sich noch nicht zutrauen, das Fußballstadion des HSV zu füllen. Und so begannen Coldplay ihre Welttournee „Twisted Logic“ in einem – für ihre Verhältnisse – kleinen Rahmen am 15. Juni 2005.

</a> Schon beim Eintritt wurde der Besucher von Werbung erschlagen. An die Konzerthinweise ist man ja gewöhnt und die knapp anderthalb Jahre alten For-Free-Zeitschriften konnte man gut entsorgen, aber „Make Trade Fair“ machte wie schon auf der letzen Tour im Stile eine Sekte auf sich aufmerksam. Die TV-Spots mit Prince Charming Chris Martin wurden auf den beiden Leinwänden rechts und links der Bühne hoch und runter gedudelt. Am Eingang wurden postkartengroße Blättchen mit geringen Informationen und einem vorgedruckten Brief zur Verbesserung des Welthandels verteilt. Dazu ein kaum funktionstüchtiger Stift. Dass Coldplay so was unterstützen ist generell sehr gut und zeigt auch, wie bodenständig sie geblieben sind. Doch das Bild änderte sich schnell, als der Merchandising-Stand näher rückte. 30 Euro für ein T-Shirt ist eindeutig zu viel, gerade wenn die Konzertkarten schon über 50 Euro kosteten. Als Entschädigung gab es dafür zwei Vorbands, die zusammen das Eintrittsgeld schon Wert gewesen wären. </p>

<p><a href=[thumb:left| Mit Kettcar begann die erste um 17.30 Uhr. Souverän spielten die Hamburger vor Menschen, die Kettcar lieben, Kettcar nicht kennen oder Kettcar höchstens als „Pur für Alkoholiker“ bezeichnen würden. Die sehr kurzen Ansprachen von Sänger Markus Wiebusch waren nur Lückenfüller zwischen „Landungsbrücken raus“ und anderen Hits ihrer zwei Alben. Mit ihrem Akustik-Song „Balu“ verabschiedeten sie sich von der sonnenbadenden Masse und ließen eine dunkle Bühne zurück. Erst Richard Ashcroft konnte sie wieder mit seinem extra-großen Ego und einem Pianisten füllen. Der ehemalige Mastermind von The Verve steigerte seine Show von Song zu Song. Dass er dabei zum großen Teil mit Halbplayback spielte, kam eher weniger gut beim Publikum an und sein „Space In Time“ aus dem noch nicht erschienen dritten Soloalbum war zwar gut, aber nicht überragend. Auch die Songs der vorigen Alben konnten nicht gegen die Hits von The Verve ankommen. Aber als Ashcroft „Lucky Man“ und „The Drugs Don’t Work“ akustisch und mit Pianobegleitung darbot, war das Publikum ausnahmslos auf seiner Seite und als das letzte Lied „Bitter Sweet Symphony“ angestimmt wurde, lagen es ihm schließlich zu Füßen. Da war dann auch das Halbplayback egal.

]http://bilder.filmstarts.de/verzeichnis/musik/berichte/coldplay.live/Coldplaylive03.jpg"></a> Um kurz nach halb Neun war es dann Zeit für den Hauptact. Ganz in schwarz stieg die Band auf die Bühne und lieferte mit „Square One“ und „Politic“ einen sehr gelungenen Einstieg. Während die Männer um Chris Martin ihre Instrumente erstmal hüteten, war für Martin selbst ein Klavier mit den Buchstaben MTF (= „Make Trade Fair“), ein kleines Keyboard (für „Speed Of Sound“) und ein Mikrofon am Bühnenrand vorgesehen. Auf den Leinwänden wurden nun abwechselnd Guy Berryman (Bass), Jon Buckland (Gitare), Will Champion (Schlagzeug) und Chris Martin (Gesang, Gitarre, Piano) gezeigt. Leider habe diese immer nur das halbe Geschehen dokumentiert. So ging dann auch unter, wie Chris Martin seinen Klavierhocker malträtierte, indem er heftig vor und zurückschaukelte. Der Rest der Band verhielt sich hingegen dezent im Hintergrund. Nur der Frontmann hüpfte wie ein Gummiball auf der Bühne herum, lief von rechts nach links, von links nach rechts, bestieg Boxen und riss seine Arme in die Höhe.</p>

<p><a href=[thumb:left|
„Yellow“ war das erste Highlight des Abends. Durch den unwiderstehlichen Charme des Liedes war die Masse einfach gezwungen, laut mitzusingen. Das zweite Highlight war „The Scientist“. Hier perfektionierte Chris Martin seine Anbiederungsversuche an das Hamburger Publikum: „Come up to Hamburg, tell her I’m sorry“. Schon zuvor hat er immer wieder versucht die Hansestadt in Songs oder Ankündigungen einzubauen. Doch auch so verlief „The Scientist“ mit seinem gewohnt dynamischen Aufbau ganz wundervoll. Danach verzog sich die Band in den linken Teil der Bühne und leitete den akustischen Teil der Show ein. Martin und Buckland standen an ihren Klampfen, Champion saß am Klavier und Berryman versuchte sich an der Mundharmonika. Im engen Halbkreis stehend versuchten sie „Til Kingdome Come“ anzuspielen, doch es kam kein Ton aus den Lautsprechern. Das technische Problem wollte die Band mit einem deutschen Lied überbrücken, aber nach diesem Anflug der Großmütigkeit fiel ihnen ein, dass sie ja gar keins können. In dem darauf folgenden Anflug von Wahnsinn warf Martin seine kaputte Gitarre in den Bühnengraben und sagte dazu nur, dass sie kaputt sei. Nur wenige Sekunden später kam auch schon ein Roadie mit einer neuen Gitarre angelaufen.

]http://bilder.filmstarts.de/verzeichnis/musik/berichte/coldplay.live/Coldplaylive05.jpg">[thumb:right| Als sich die Band aus der gemütlichen Atmosphäre verabschiedete und wieder die ursprünglichen Positionen einnahm, begann das dritte große Highlight in Form des Radiohits „Clocks“. Sowohl musikalisch und dynamisch, als auch visuell, steigerte sich der Song bis zu einer gigantischen Lichtshow und schnellen Kamerabildern auf den Leinwänden. Ohne es zu merken, hing über Chris Martins Kopf plötzlich eine Lampe an einem langen Seil. Der Sänger schwenkte die Lampe von der einen zur anderen Seite und stimmte mit „Swallowed In The Sea“ das letzte Stück des Abends an. Während auf die Bühnenwand handgeschriebene Sätze und Skizzen projiziert wurden, zirkulierte die Lampe in immer kleiner werdenden Kreisen über dem Sänger. Als das Lied verklungen war, stand auch die Lampe still und die Band verließ die Bühne.

[thumb:left| Für die erste Zugabe („In My Place“) ließen sich Coldplay nicht lange bitten. Der ganze Volkspark warf seine Hände in die Luft und sang „Yeah“. Doch die Stimmung wurde etwas gedrückt, als Martin das nun endgültig letzte Lied ankündigte. Zwar entschädigte das großartige musikalische Finale von „Fix You“, aber als kurz darauf die Musik aus der Konserve begann – und der Gig damit beendet war – kam etwas Enttäuschung auf, gerade eines der kürzesten Coldplay-Konzerte erlebt zu haben. Kein „Warning Sign“, kein „Shiver“, kein „Green Eyes und nicht mal „Trouble“ wurde gespielt. Schade. Die Einzigen, die über das schnelle Ende etwas erleichtert gewesen sein müssen, sind die, die schon vor dem offiziellen Einlass-Termin um 15.00 Uhr am Volkspark auf die Briten gewartet und somit über sechs Stunden auf dem Gelände verbracht haben.

Setlist:

  • Square One
  • Politik
  • Yellow
  • God Put A Smile Upon My Face
  • Speed Of Sound
  • Low
  • Everything’s Not Lost
  • White Shadows
  • The Scientist
  • Til Kingdom Come
  • Sparks
  • Clocks
  • Swallowed In The Sea
  • In My Place
  • Fix You
  • Christian Kruschel

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