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Konzertberichte:
Die Ärzte - Live: Erfurt, 09.12.2007, Messehalle
16.12.2007
Details
Egal in welcher Stadt die Ärzte spielen, es ist immer ein Heimspiel.
Ein Gefühl wie in einem Fußballstadion. Fangesänge tönen durch die Halle und fordern lautstark die Akteure auf die Bühne. Egal in welcher Stadt die Ärzte spielen, es ist immer ein Heimspiel. Noch kein einziger Ton ist gespielt worden aber die Stimmung scheint in der Erfurter Messehalle fast überzukochen. Eines ist schon im Vorfeld klar, auch an diesem Abend werden die Ärzte wieder immer gegen Nazis, kleinbürgerlichen Spießertum und schlechter Laune haushoch gewinnen. Die Gegner sind chancenlos, denn diese Band spielt in Deutschland in einer ganz anderen Liga als der Rest ihrer Kollegen.

Als Special Guest geht an diesem Abend die Band Beatplanet an den Start. Mit ihrem schrillen Retro-Sound und der ausgefallenen Bühnenpräsents treffen sie den Nerv des Publikums und machen Appetit auf mehr. Zum glück muss hier keiner lange Hunger leiden, denn kurze Zeit später ist es angerichtet und die drei selbsternannten Pizzabäcker liefern prompt. Noch verdeckt ein riesiger Vorhang die Bühne doch die ersten Töne von „Himmelblau“ treiben die Stimmung in Richtung Siedepunkt. Spätestens beim Refrain singt jeder der hier Anwesenden mit. „Yeah!“ schallt es durch die Halle, dann fällt der Vorhang. Für einen Moment scheint man das Gehör zu verlieren, rhythmische Bewegungen, angenehmes Gedrängel, Hände in der Luft – keine Frage, das hier ist Rock’n’Roll.

Bereits beim zweiten Titel, „Das Lied vom Scheitern“, verschönern etliche BHs den Mikrofonständer von Bassist Rodrigo. Auf Farin Urlaubs Beschwerde hin, bekommt dieser lediglich eine Unterhosen im Format „Zirkuszelt“ mit der Aufschrift „Elke“, die auch auf mehrfaches Bitten des Publikums leider keiner der Protagonisten anziehen will.

Dass die Ärzte nicht nur die Beste, sondern auch die lustigste Band der Welt sind, ist nur einer der Gründe für den enormen Erfolg und ein Garant für ein gelungenes Live-Erlebnis. Natürlich hat eine Band von diesem Format auch das beste Publikum der Welt verdient. Bei allen Songs erweist sich die treue Anhängerschaft als Textsicher und bei Titeln wie „Manchmal haben Frauen...“ überlassen BelaFarinRod den Besuchern teilweise den Gesangspart. Immer wieder wird die Stimmung durch kleine Spielchen auf hohem Niveau gehalten. Nach ein paar Übungen singen die Anwesenden im Refrain bei dem funkigen Song „Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend)“ mindestens zwei Oktaven höher und halten dabei die berühmte „Pommesgabel“ in die Luft. „Nur keine Hemmungen“, meint Farin Urlaub, „ihr kommt eh alle in die Hölle“ – hoffentlich hat er Recht!

Herrlich klischeebehaftet und kuschelig wird es dann, wenn die Lightshow bei „1/2 Lovesong“ von tausenden Feuerzeugen übernommen wird. Sitz-Laola-Wellen begleiten den Abend und nach etwas Starthilfe sieht das nicht nur überwältigend aus, sondern sorgt bei einer Drei-Stunden-Show für körperliche Abwechslung. Denn die beste Bande der Welt spielt wahrscheinlich auch die längsten Zugaben. Über eine Stunde geht das Konzert nach der ersten Verabschiedung weiter. Muss es auch, denn bis dahin fehlten Hits wie „Schrei nach Liebe“, „Unrockbar“ oder „Junge“.

Einen kleinen Höhepunkt markiert das Wunschlied. „Ein Sommer nur für mich“ darf ein glücklicher Auserwählter auf eine Magnettafel schreiben und der Titel passt absolut zur political Correctness des heutigen Abends, da im Vorfeld schon ausführlich gegen Rassismus, NPD und Naziaufmärsche proklamiert wurde. Zum Abschied gibt’s mit „Dauerwelle vs. Minipli“ noch mal ordentlich eines auf die Ohren, dann Farin schließt den Abend mit den Worten: „Erfurt, ihr könnt euch als berockt betrachten“ – recht hat er!

Bei der Reunion von Led Zeppelin haben sich weltweit ca. 20 Millionen Interessierte um Karten für ein Einziges Konzert gestritten. Wozu das Ganze? Wir in Deutschland haben Glück, die beste Band der Welt quasi direkt vor der Haustür zu haben. Zugegeben, der Vergleich hinkt etwas, doch kann man sich nur schwer vorstellen, dass die älteren Herren in London mehr Stimmung gemacht haben, als die Ärzte an diesem Abend. Und wer keine Karten für die im Vorfeld lang ausverkauften Konzerte erstehen konnte, der muss nicht lange warten. BelaFarinRod werden auch im nächsten Jahr mit knapp 40 Auftritten der „Jazzfäst“-Tour den Sommer bereichern. Beeilung ist dennoch geboten, da manche Termine bereits jetzt ausverkauft sind!


Jan Wagner für CDstarts.de

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