Nightwish Live: Bamberg, 27.02.2008, JAKO Arena

  • 06.03.2008
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Nightwish - Live: Bamberg, 27.02.2008, JAKO Arena - News
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Wie präsentiert sich die neue Frontfrau Annette Olzon auf der Bühne? CDstarts gibt die Antwort!

Als Nightwish vor drei Jahren auf ihrer „Once World Tour“ die großen Deutschen Arenen besuchten, gab es einiges zu bestaunen: da waren Pyrofontänen, Konfettiregen und sogar ein Wasservorhang vor der Bühne. So gab es auf der nun laufenden Tournee im Vorfeld zwei brennende Fragen: wie würde sich die neue Frontfrau Anette Olzon auf der Bühne präsentieren und mit welchen technischen Spielereien würden die Symphonic-Metaller ihre Show diesmal ins rechte Licht rücken. Auf die Antwort mussten die Fans allerdings am 27. Februar in Bamberg noch etwas warten.

Denn bereits um 19:30 Uhr betrat erst einmal die erste Vorgruppe „Krieger“ die Bühne in der schon gut gefüllten Jako Arena. Mit Songs, die etwas an eine Kreuzung aus Rammstein und den Böhsen Onkelz erinnerten, spielte sich die deutsche Formation durch ein etwa halbstündiges Set. Außer einem freundlichen Applaus nach Ende jeder Nummer gab es allerdings kaum Reaktionen der versammelten Metal-Fans. Musikalisch gesehen hätten sich die meisten wohl eher etwas zum Hauptprogramm passendes gewünscht. Zudem führten Songtexte wie „Heimat, Heimat mir ist kalt / Sehnsucht packt mich mit Gewalt / In die Ferne weg von dir / Heimat ich frier“ zu einigen Fragezeichen über den Köpfen im Publikum. Wesentlich mehr Nightwish-Fans konnten die schon bekannteren Pain aus Schweden auf ihre Seite ziehen. Die Dark-Metal-Formation hatte auf dieser Tour nach einer folgenschweren Schlägerei (eine Show musste abgesagt werden) und einem wegen Drogenbesitz verhafteten Busfahrers schon einiges einzustecken. In Bamberg zeigten sich Pain allerdings in bester Verfassung und es gelang ihnen sogar bei manchen Songs die Zuschauer zum Mitklatschen zu bewegen.

Dennoch waren natürlich die Finnischen Metal-Stars von Nightwish die eigentliche Attraktion an diesem Abend. Vor über 5000 Fans begannen sie ihr etwa 90-Minütiges Set unter Pyroeffekten mit der neuen, an die ehemalige Frontdame adressierten, Single „Bye Bye Beautiful“. Gleich darauf folgte mit „Candence Of Her Last Breath“ einer der eher mittelmäßigen Songs vom neuen Album „Dark Passion Play“, bevor Anette Olzon mit den Interpretationen zweier Songs der Vorgängeralben „Dark Chest Of Wonders“ und „Ever Dream“ punkten konnte. Dabei versuchte sie in keinem Moment den klassisch geprägten Gesangsstil ihrer Vorgängerin zu kopieren, sondern wagte sich an komplette und durchaus gelungene Neuinterpretationen. Den Mittelteil des Konzertes markierte eine leider fast etwas zu ausführliche Vorstellung neuer Songs wie „Amaranth“, „The Islander“, „Sahara“ und dem 13-Minütigen Epos „The Poet And The Pendulum“. Gerade letzteres wurde durch die geschickt-bedrohlich wirkende Inszenierung mit sich im Hintergrund drehenden Feuerrädern zu einem echtes Highlight. Eine etwas bessere Mischung von neueren und älteren Titeln hätte dem Konzert aber dennoch gut getan, zumal sich mit „The Siren“ vom vorherigen Album auch noch ein Song in die Setlist eingeschlichen hatte, der bereits auf der „Once Tour“ nicht gerade zu den Stimmungshöhepunkten gezählt hatte. Den Abschluss des regulären Sets bestritten dann allerdings die beiden bewährten Nummern „Slaying The Dreamer“ und „Nemo“. Spätestens hier war für die meistens Fans wieder alles im Lot. Nightwish kehrten nach großem Beifall noch einmal für die Songs „7 Days To The Wolves“, „Wishmaster“ und „Wish I Had An Angel“ zurück, dann war das Konzert allerdings endgültig vorbei.

Insgesamt dürften sich die Erwartungen der Fans auf jeden Fall erfüllt haben: die neue Frontdame war nicht nur bestens bei Stimme, sondern zeigte auch noch ausgesprochen sympathische Entertainerqualitäten, musikalisch gesehen gab sich die Band keine Blöße und auch das Auge bekam einiges zu sehen: Pyrobomben, blutrot gefärbte Luftschlangen, Konfetti und sogar ein echter Schneesturm vor der Bühne für den Song „Nemo“ untermalten das Spektakel mit dem Nightwish-typischen Bombast. Positiv fiel außerdem auf, dass die während den vergangenen Tourneen oft inflationär eingesetzten Playback Orchester- und Choreinspielungen deutlich weniger ins Gewicht fielen und Basser Marco Hietala stattdessen wesentlich mehr Gesangspräsenz zeigte.

Allerdings hätten die Finnen mit einem etwas besser ausgewogenem Set den Fans noch einen größeren Gefallen getan: mit Ausnahme der Bandhymne „Wishmaster“ war nicht ein Song der ersten drei Alben zu hören und die für eine Live-Performance eher überflüssige Songs wie „The Siren“ und „Candence Of Her Last Breath“ hätte man auch gegen echte Stimmungsmacher wie „Dead To The World“ und „Sacrament Of Wilderness“ eintauschen können. Ansonsten zeigten sich Nightwish aber spielfreudig, fehlerlos und vor allem als eine Band mit fünf gleichberechtigten Mitgliedern. Tarja Turunen hat an diesem Abend wohl nur ein Bruchteil der Fans vermisst.

für CDstarts.de

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