Jan Plewka singt Rio Reiser - Live: Bonn, 11.04.2008, Brückenforum

  • 15.04.2008
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Jan Plewka singt Rio Reiser - Live: Bonn, 11.04.2008, Brückenforum - News
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Ein hochinteressantes Konzert, das eher wie eine Probe wirkte.

Zwei charismatische Persönlichkeiten der deutschen Musikgeschichte treffen aufeinander. Der Eine bekam streng genommen seine hohe Bedeutung und Anerkennung erst nach seinem Tod, obwohl er zu Lebzeiten als Frontmann von Ton, Steine, Scherben sich stets politisch äußerte und engagierte. Den größten kommerziellen Erfolg erlangte er jedoch als Solokünstler mit dem „König von Deutschland“. Der Andere prägte den Sound deutscher und deutschsprachiger Musik der frühen 90er Jahre mit seiner Band Selig.

Jan Plewka, zurzeit solo auf dem Soundtrack des Kinofilms „Die Welle“ zu hören, erregt mit seiner aktuellen Band Tempeau wenig Aufsehen. So ist es zu erklären, dass er für dieses Projekt noch Zeit findet. Seine Band setzt sich aus vier Mitgliedern der Schwarz Roten Heilsarmee zusammen. Drei sorgen für die klassische Besetzung (Schlagzeug, Bass, Gitarre), der Vierte ist ein Tausendsassa und an Klavier, Akkordeon, Saxophon u.a. Instrumenten zu finden.

Es ist 20:15 Uhr als das Saallicht erlischt und Plewka außerhalb des Raumes anfängt zu singen. Nach einigen Minuten öffnet sich die Eingangstür und Plewka betritt mit einer Akustikgitarre bewaffnet den Raum. Dabei singt er „Halt Dich an Deiner Liebe fest“, eine schöne Ballade Reisers. Während des Liedes steigt die Band mit ein. Der Sound ist gut, die Stimmung auch. Schnell wird deutlich, dass sich in der Halle gut auskennende Reiser-Fans befinden. Plewka versucht das Gefühl der Straßenmusik zu vermitteln, die teilweise (bewusst?) improvisiert wirkt. Eine Idee ist, dass er durch die Reihen geht und mit dem Hut sammelt. Er scheint jedoch manchmal etwas orientierungs- und konzeptlos zu sein. Leider verlassen auch viele Leute immer mal wieder den Raum, knallen dabei die Tür. Häufig fallen auch auf den Boden abgestellte Getränkeflaschen um. Da das Brückenforum mit Parkett ausgelegt ist, ergeben sich dadurch erhebliche Störgeräusche.

Wegen all dieser Faktoren kann sich leider zu keinem Zeitpunkt eine angenehme Atmosphäre entfalten. Das ist etwas schade, denn technisch und musikalisch gesehen ist alles einwandfrei. Es werden auch Lieder aus der Ära von Ton, Steine, Scherben dargeboten. Besonderen Anklang finden dabei „Keine Macht für niemand“ oder „Der Turm stürzt ein“. Aber auch Hits wie „Junimond“ oder „Für immer und Dich“ aus der Solozeit Reisers finden Gehör. Dabei sind viele Lieder völlig anders arrangiert. Junimond klingt eher nach einer Reggaeversion und ähnelt mehr der Coverversion von Jan Delay. Plewka versucht erst gar nicht Rio Reiser zu kopieren, er zeigt vielmehr was für eine Bandbreite in Reisers Musik steckt. Darin liegt meiner Ansicht nach die Kunst dieses Konzertes.

Nach ca. 80 Minuten ist das Konzert offiziell beendet. Leider verfügen Jan Plewka und die Band nur über ein recht kleines Repertoire. Als Zugabe werden einfach einige Stücke wiederholt. Das stört aber niemanden. Jetzt steht das Publikum endlich mal auf, denn eigentlich ist es ja ein bestuhltes Konzert, das nach rund zwei Stunden zu Ende ist. Es wirkte eher wie eine Probe. Ganz viele Sachen liefen gut, die Musiker und der Ton waren sehr gut. Aber die Halle, die Rahmenbedingungen waren teilweise alles andere als optimal. Vielleicht wäre eine Pause oder ein Stehkonzert förderlich gewesen. Eine andere Halle wäre diesem Event in jedem Fall gut bekommen. In einem Theater z.B. hätte sich eine ganz andere Stimmung entfalten können. Dass es auch anders geht, zeigt die veröffentlichte Live-DVD. Diese wurde im Hamburger Schauspielhaus aufgenommen.

für CDstarts.de

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