Rage Against The Machine Live: Berlin, 10.06.2008, Zitadelle

  • 19.06.2008
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Rage Against The Machine - Live: Berlin, 10.06.2008, Zitadelle - News
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Rage Against The Machine 2008: In der Form ihres Lebens!

Rage Against The Machine war schon immer eine Ausnahme-Formation. Es gibt wohl keine andere Band, mit der man die vier Jungs aus Los Angeles vergleichen könnte. Und außergewöhnlichen Klänge, die maßgeblich durch das Zusammenspiel von Gitarrist Tom Morello, Bassist Tim Commerford und Schlagzeuger Brad Wilk geprägt wurden, sorgten dafür, dass eine riesige Anhängerschaft rund um den Globus ihre Hymnen der Arbeiterbewegung vernahmen. Nachdem Sänger Zack de la Rocha die Band im Jahr 2000 aufgrund zu großer Differenzen verließ und die anderen drei mit Ex-Soundgarden-Mitglied Chris Cornell das Projekt Audioslave gründeten, hatte wohl jeder die Hoffnung begraben, diese ungewöhnliche und außergewöhnliche Band noch einmal live genießen zu können.

Als Cornell dann Anfang des letzten Jahres „Audioslave“ verließ begann die Gerüchteküche, angefacht durch einen Gastauftritt de la Rochas bei einem Konzert von Morellos Soloprojekt The Nightwatchman , wieder zu brodeln. Nicht viel später wurde ein Auftritt von Rage Against The Machine beim legendären Coachella-Festival bestätigt. Es sollte der eigentlich einzige Auftritt der Band bleiben, jedoch wurde kurz danach eine Tour mit dem Wu Tang Clan bestätigt. Die Gerüchte rissen nicht ab, dass die Band auch Konzerte im Sommer 2008 in Europa plante. Anfang des Jahres folgte die Bestätigung, RATM werden neben Rock am Ring und Rock im Park auch ein Einzelkonzert in Berlin spielen.

Dann war er da, der legendäre 10. Juni, an dem vor 10.000 begeisterten Fans das Konzert stattfand. Die „Battle of Berlin“, wie das Konzert an den T-Shirt-Ständen (30 Euro für ein Shirt!) getauft wurde, fand in der Berliner Zitadelle statt. Die Location war sehr faszinierend: Von einem riesigen Wassergraben umgeben, fand man eine große Burg vor, in der für dieses Event clevererweise der ganze Innenraum der Festung mit Rindenmulch abgedeckt wurde. Zumindest haben die Veranstalter das für eine schlaue Idee gehalten, aber dazu später mehr. Als Opener spielten Anti-Flag die aber weder auf den Karten noch sonst irgendwo erwähnt waren und bei vielen Besuchern für überraschte und verstörte Blicke sorgten. Stimmung konnten die Amerikaner nahezu keine erzeugen und mussten mit einem desinteressierten Publikum klarkommen. Dann begann die lange Zeit des Wartens, über eine Stunde dauerte es, bis man die auf der ganzen Tour die Konzerte einleitenden Sirenenklänge vernehmen konnte und sicher war, dass man nun endlich die Band zu sehen bekommt, auf die man eigentlich schon seit dem Bekanntwerden des Coachella-Auftrittes hoffte. Ein wenig Angst macht sich in einem solchen Moment schon breit: Kann die Band überhaupt noch die Energie haben, die sie vor über acht Jahren zeigten?

Doch dann nimmt Rocha das Mikro mit seinem obligatorischen „Check one two“ in die Hand – die Masse ist außer sich und in dem Moment schon kaum mehr zu halten. „Good evening, we’re Rage Against The Machine from Los Angeles, California“ und die Fans drehen endgültig durch. Eröffnet wird mit dem grandiosen „Testify” und verwandelt die Masse in einen einzigen Moshpit. Während des gesamten Konzertes kann man von nun an hinsehen wo man will, keiner der 10.000 Menschen kann wirklich still stehen. Die Band präsentiert sich in der Form ihres Lebens und lässt keinen Hit ihrer Alben aus. „Renegades“ wird dabei für die meisten sicherlich glücklicherweise konsequent ausgespart.

Aber zurück zum Rindenmulch: Sicherlich haben die Veranstalter das Zeug nicht ohne Grund auf den Boden geschmissen, jedoch zerfällt jener nach der längeren Trockenperiode schon beim scharfen angucken zu einem feinen schwarz-braunen Staub, welcher im Anschluss in jeder Pore des Körpers wiederzufinden war und das durch die Bewegung der Masse schon ohnehin schwergewordene Atmen noch zusätzlich verkomplizierte. Aber in einem solch historischen Moment ist das mehr als egal. Nachdem die Band mit „Wake up“ das Hauptset beendet, beginnen die Zugaben wie schon bei den anderen Konzerten der Tour mit der „Internationalen“. Für alle die nichts damit anfangen können: Die sogenannte „Internationale“ ist DAS Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung weltweit. Gleich danach folgte „Freedom“, „Township Rebellion“ und das gute alte „Killing in the name“, bei dem die Masse noch einmal erwartungsgemäß total am durchdrehen war. Der obligatorische Mittelfingereinsatz gegen Ende des Songs durfte natürlich auch nicht fehlen.

Im Anschluss verbeugten sich die Jungs und verließen die Bühne, die gleiche HipHop-CD wie vor dem Konzert wurde aufgelegt und das Konzert damit beendet. Aber halt, plötzlich kam die Band vollkommen unerwartet nochmal auf die Bühne und spielten „Tire me“, ein bis dato ungehörter Song und „War within a breath“ als Abschluss. Leider konnte jedoch bei dieser unerwarteten Zugabe keine wirkliche Stimmung mehr aufkommen, was dem Konzert doch dann noch einen negativen Beigeschmack bescherte. Wer an der Misere schuld ist, lässt sich nur vermuten: Entweder entschied sich die Band kurzfristig für eine weitere Zugabe oder aber der Mischer hat geschlafen. So oder so, diese zweite Zugabe hätte man sein lassen können. Trotz allem war dieser Abend mit untypischen 100 Minuten in der Zitadelle Berlin sicherlich für jeden der 10000 Fans ein unvergessliches Erlebnis, und man kann nur hoffen, dass es nicht das letze Mal Rage Against The Machine live war!

für CDstarts.de

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