Emily Jane White - Live: Langenau, 04.03.2009, Café Kapilio

  • 08.03.2009
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Emily Jane White - Live: Langenau, 04.03.2009, Café Kapilio - News
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Eine Perle der Indie-Folk-Pop-Szene in intimer Live-Atmosphäre.

Das Musikcafe Kapilio im Herzen der Stadt Langenau (bei Ulm) ist an diesem denkwürdigen Abend nicht gerade überfüllt. Nichtsdestotrotz befördert Emily Jane White (Gesang, Gitarre, Piano) den Zauber ihrer Songs auf die kleine Bühne. Noch intensiver als auf ihrem bisher einzigen Album „Dark Undercoat“ (Talitres/Rough Trade) zog sie die Zuhörer in ihren Bann. Man wagte kaum zu atmen und es fiel schwer nach den Songs Beifall zu spenden, denn der Geist weilte noch in der Intensität dieser zunächst relativ einfach anmutenden Songs. Man spürte die Ergriffenheit der Zuhörer, zeitweise lag eine andächtige Stille in den Räumlichkeiten, so dass man die berühmte Stecknadel hätte fallen hören können.

Emily Jane Whites Stimme wird oft mit der Chan Marshalls (Cat Power) und Hope Sandovals (Mazzy Star) verglichen und tatsächlich schwingt ihre Stimme auch zwischen diesen Polen. An diesem Abend waren ihre Phrasierungen wie hingetupft, manchmal gehaucht, immer von ergreifender Schönheit. Ihre Begleitmusiker setzten herrlich zurückgenommene Akzente. Ross Harris muss man einen feinfühligen Schlagzeuger nennen, genau so einen brauchen Whites lyrische Lieder. Henry Nagle pendelte zwischen den Instrumenten, griff bedächtig und atmosphärisch in die Saiten der E-Gitarre oder ließ die Pedal Streel herzerweichende Tränen weinen. Das Cellospiel Jennifer Gradys hob Whites Stimme in noch himmlischere Sphären und zog die Schönheit der Melancholie ans Licht. Emily Jane White brachte in ihr Spiel auf der akustischen Gitarre, auf dem Piano und in ihren Gesang jede Menge Emotionalität ein. Stimme und Lyrics malten melancholische Bilder in Blau-Schwarz mit lichten Schattierungen. Die Kompositionen und Texte lassen sich mit den besten Sachen von Suzanne Vega und Leonard Cohen messen.

Von Song zu Song wurde das Konzert intimer, der Cafe-Besitzer und Mitveranstalter Dimitros Hatziathanasiadis sorgte mit dezenten Lichteffekten für zusätzliche Atmosphäre. Als Zugabe spielte Emily Jane White zwei neue Songs am Piano, bei denen sie sich zwei mal verhaspelte, was der talentierten Singer/Songwriterin zusätzliche Sympathiepunkte einbrachte. Die Intensität der Songs erfuhr hier eine kaum für möglich gehaltene Steigerung, so dass man mit dem inneren Auge einen Engel durch den Raum gehen sah. Man kann nur hoffen, dass Konzertveranstalter Hans-Peter Leuze noch oft solche Perlen der Indie-Folk-Pop-Szene an Land zieht und das Publikum zahlreicher erscheint, Künstler wie Emily Jane White hätten es mehr als verdient.

Günter Ramsauer für CDstarts.de

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