The Mars Volta Live: Düsseldorf, 29.06.2009, Stahlwerk

  • 02.07.2009
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The Mars Volta - Live: Düsseldorf, 29.06.2009, Stahlwerk - News
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Die Texaner untermauern ihre Ausnahmestellung im Prog-Rock.

Nicht viele Gelegenheiten ergaben sich dieses Jahr, The Mars Volta in deutschen Landen live bewundern zu können. So wurde kurzerhand beschlossen, sich auf den Weg nach Düsseldorf zu machen, um sich ein Bild davon zu machen, ob dieser (meist) geplante Wahnsinn so auch auf der Bühne darzustellen ist. Bevor das eigentliche Konzert anfing, sorgte die Verteilung des Publikums durchaus für einige Überraschungen, denn nicht nur Jungspunde um die zwanzig Jahre machten das Publikum aus, sondern auch ein guter Anteil an „erfahrener“ Musikgefolgschaft wollte sich den Mix aus südländischem Temperament, Hardcore-Prog-Rock und Psychedelic-Melodic entgehen lassen.

Wirkliche Gewissheit herrschte allerdings nur bei wenigen, was einen nun genau erwartete. Viele waren zum ersten Mal hier, was auch an der erwartungsvollen, aber auch zurückhaltenden Stimmung deutlich wurde. So wurde es auch kaum unruhig, als die Band knapp zwanzig Minuten zu spät die Bühne betrat. Ohne großes Brimborium, dafür unter enormen Gekreische brabbelte Cedric Bixler ein paar Sätze in das Mikro, bevor „Goliath“ vom letzten Output „The Bedlam In Goliath“ erklang und von der ersten Sekunde alles gnadenlos wegräumte. Die Klangereignisse zu beschreiben fällt hier schwer. Es kommt einem zuerst so vor, als würden die sechs Bandmitglieder so viele verschiedene Töne in die Boxen jagen, dass diese kaum mit einem Mal herauskommen können. Wie eine Explosion schlugen die ersten Töne auf die Masse nieder und es dauerte eine gute Minute, um sich an die Klanggewalt zu gewöhnen, die nicht an Lautstärke, sondern an überbordender Vielfalt zu ersticken drohte.

Dann aber setzte sich der rote Faden durch und in den Köpfen der Audienz fest. Zeit zum Durchschnaufen gab es nur selten, nachdem Omar Rodriguez sich mit Schlagzeuger Thomas Pridgenum um die eindrucksvollere Darbietung duellierte. Sänger Cedric wirkte manchmal wie ein Statist, der den beiden Co-Musikern den Vortritt lassen musste. Mit Körpereinsatz, seinem eigenen Gesang und seiner Tolle machte er dann aber doch oft genug auf sich aufmerksam. Pridgen bearbeitete sein Schlagzeug mit einer Geschwindigkeit und einem Rhythmusgefühl, das an das Unmögliche grenzte. Dagegen standen dann die vertrackten, verrückten und versierten Riffs des Meisters an der Gitarre, der ein ums andere Mal Münder weit offen stehen ließ. Hooklines und Hüpfburgfeeling gingen unter dem Gefrickel allerdings nie wirklich verloren. Kein einziger Song ließ mitreißende Zwischenparts und Refrains vermissen. „Roulette Dares (The Haunt Of)“ und „Cygnus… Vismund Cygnus“ entspannten den durchnässten Hörer mit längeren Pausen geradezu. Manch einem erscheint so ein Zwischenspiel ohne großartige Soli oder abgefahrene Rhythmen zu lang, doch wer die Augen schloss, verlor sich geradezu in dem wabernden Soundteppich, den die Band erschuf.

Das Hauptohrenmerk lag jedoch natürlich auf dem brandneuen Material von „Octahedron“, welches auf Silberling großteils bedächtig wirkt und nicht wirklich zum Feiern, sondern höchstens zum Wippen einlädt. Weit gefehlt, wer so dachte! „Halo Of Nembutals“ und „Desperate Graves“ bekommen durch das Live-Schlagzeug und jede Menge Spielfreude einen richtig rockigen Klang und „Teflon“, sowie auch „Luciforms“ bekommen einen beinahe epischen Atem verpasst. Dass „Cotopaxi“, welches gleich als zweites Stück vorgetragen wurde, die Zuschauer ordentlich durchschüttelt, kündigte sich schon bei der Albumversion an.

Am Ende macht es natürlich der Mix und so gesellt sich zu den neuen Stücken eine bunte Mischung der letzten Auswürfe der Band. Und so sehr The Mars Volta die Menge auch spalten (das tun sie live natürlich immer noch) wird aus sonst nur bedingt geliebten Tracks ein endgültiges Meisterwerk geschaffen. Beschwert sich so mancher Fan über die stringente Einfachheit von „Viscera Eyes“ bringt die Liveversion mit all ihrer Kraft den Hörer so außer Atem, dass er von der stringenten, mitreißenden Kraft mehr als genug bekommt. Die großen Highlights der älteren Tracks waren aber „Roulette Dares (The Haunt Of)“, das einen der größten Ohrwürmer des ersten Albums darstellt, die gefühlvolle Rausschmeißerballade „The Widow“ und überraschenderweise „Ilyena“, das live seine Fesseln abwirft und eine nicht gekannte Power entwickelt. Mit „Halo Of Nembutals“ war dieser Track wohl Publikumsliebling an diesem Abend.

Nach gerade einmal zwei Stunden sind dann die letzten Klänge des auch live völlig abgedrehten (und stets seinen eigenen Rhythmus suchenden) „Wax Simulacra“ verklungen und während man noch immer benebelt von der geballten Kraft der Riffs ist, bettelte eine innere Stimme um mehr. Die Setlist ist zwar ohne Frage gut gewählt und doch fallen einem Fan noch so viele Lieder ein, die das Ohr nach dieser grandiosen Vorstellung gerne live vernommen hätte. Für einen Überblick auf das Musikgebilde von The Mars Volta war dieses Programm jedoch auf jeden Fall ausreichend. Jetzt weiß man: Es ist laut, es ist verrückt, ja, herrlich verrückt und nicht oft darf man solche Koryphäen an den Instrumenten bewundern, wie man sie bei The Mars Volta findet. Auch live untermauern die in Texas ansässigen Jungs somit ihre Ausnahmestellung im Prog-Rock-Gewerbe.

Setlist:

  • Goliath
  • Cotopaxi
  • Roulette Dares (The Haunt Of)
  • Viscera Eyes
  • Halo Of Nembutals
  • Cygnus… Vismund Cygnus
  • Desperate Graves
  • Ilyena
  • Teflon
  • Drunkship Of Lanterns
  • Luciforms
  • The Widow
  • Wax Simulacra

für CDstarts.de

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