Lambchop Live: Köln, 07.07.2009, Kulturkirche Nippes

  • 20.07.2009
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Lambchop - Live: Köln, 07.07.2009, Kulturkirche Nippes - News
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Kurt Wagner und Co. rocken in der Kirche.

Dass es zu einem ungewöhnlichen Konzert kommen würde, dafür sorgte schon das Ambiente. Die teilweise als normale Kirche, teilweise als Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen oder Theaterdarbietungen genutzte Kulturkirche zeigte sich im bestuhlten Zustand. Bestuhlt hieß in diesem Fall, dass die gewöhnlichen Kirchenbänke im Gebäude belassen wurden. Diese wurden alsbald von ca. 800 Personen besetzt, womit die Veranstaltung ausverkauft war.

Als Lambchop mit leichter Verspätung aus dem mit einem schwarzen Tuch verhängten Altarraum schritten, waren die Leute, die die Band vorher noch nicht gesehen hatten, reichlich erstaunt. Insgesamt sieben Musiker befanden sich auf der Bühne. Als Letzter betrat Sänger und Bandchef Kurt Wagner – gekleidet mit Hemd, Stoffhose, Basecap und Rucksack (!), sah er eher wie ein Landschullehrer aus –, die Bühne und setzte sich auf seinen Stuhl. Der Rucksack flog auf den Boden und Wagner holte einen Aktenordner heraus, der vor losen Zetteln nur so überquoll. Nachdem sich das Chaos ein wenig gelichtet hatte, nahm Wagner seine Gitarre zur Hand und das Konzert konnte endlich beginnen.

Mit „Good gold shoe“ vom „Nixon“-Album wurde eröffnet und schon hier zeigte sich das, wofür die Fans die Band aus Nashville lieben. Der dunkle, weiche Gesang von Kurt Wagner ergänzte sich hervorragend mit den dezent spielenden Musikern. Jede Note wurde präzise ausgespielt, wodurch sich Melodie und Gesang zu einem langsamen, melodischen Gesamtbild formten, das durch einen sehr guten Sound, unter Berücksichtigung der sich ergebenden Schwierigkeiten bei der Architektur einer Kirche, unterstrichen wurde. Dass es sich bei dem Gig jedoch nicht um ein gelangweiltes Herunterspielen eines „Best Of“-Programms handelte, bekamen zumindest die ersten Sitzreihen mit, denn kleine Gesten oder subtile Mimiken zeigten die Band gut gelaunt und durchaus zu Scherzen bereit.

Mit Fortschreiten des Konzerts wurde auch Kurt Wagner, sonst introvertiert, immer gesprächiger und betonte wie wohl sich Lambchop in Köln fühlen, wie toll dieser Spielort ist und wie lecker das Kölner Bier ist. Verglichen mit amerikanischem Bier hat Wagner sicher recht. Die Band verstand es auch an diesem Abend, mit ihrer ruhigen, gleichmäßigen und mit kleinen Details versetzten Musik ein wohliges Gefühl zu vermitteln, das in der heutigen schnelllebigen Zeit, in der oft schnellproduzierten Musikmassenware an der Tagesordnung ist, selten ist.

Besondere Erwähnung in der Setlist fanden diesmal die Coverversionen von John Prine, der befreundeten Band Crooked Fingers, Bob Dylan und das als Zugabe gespielte „This Corrosion“ von den Sisters Of Mercy, das sich als ultimatives Highlight deutlich von der „Is A Woman“-Albumversion unterschied und vergleichsweise kraftvoll und roh gespielt wurde. Nach 97 Minuten war das Konzert beendet, aber noch lange standen Publikum und einige Bandmitglieder am Bierstand vor der Kirche und unterhielten sich über einen Abend, der vielen noch lange als eines ihrer persönlichen Konzerthighlights in Erinnerung bleiben wird.

für CDstarts.de

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