Coldplay Live: Hannover, 25.08.2009, AWD Arena

  • 29.08.2009
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Coldplay - Live: Hannover, 25.08.2009, AWD Arena - News
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40.000 Menschen wurden von Herzblut und Spielfreude mitgerissen.

Noch in der Vorwoche erfuhr Deutschland den „heißesten Tag des Jahres”, doch ausgerechnet an dem darauf folgenden Dienstag hatte der Wettergott für Niedersachsen Regen angedacht. Am Ende war das Wetter wohl auch nur Teil der manchmal holprigen Choreographie dieses Abends. Die Sachen mussten halt erst einmal ins Rollen kommen. Gleiches galt für die Autos, da die Zufahrt zum Stadion mehr als bescheiden angegeben war. Doch dazu am Ende mehr. Mit den Killians und den White Lies waren zwei gute Vorbands gewählt, die allerdings bei einem Act wie Coldplay wirklich nicht mehr als ein Lücken- oder in diesem Fall Stadionfüller sind.

Rechtzeitig bis zu Coldplay waren dann aber auch die letzten Zuschauer eingetroffen und der Regen hatte aufgehört. Ungeduldige Massen vor der Bühne und recht zurückhaltende auf den Tribünen hörten die übliche Musik vor einem Coldplay-Konzert aus den Boxen schallen, als plötzlich ein HipHop-Track ertönt und eines der Tour-Mitglieder sich, für viele überraschend auf einen der beiden Laufstege der Bühne begibt und einen Breakdance für die Massen hinlegt. Das sorgt für Spaß und Freude, doch da dies der letzte Track ist, bevor es mit dem Hauptgang losgeht, darf diese Nummer natürlich als weniger spontan eingestuft werden.

Dann ertönt auch schon der Albumopener „Life In Technicolor“ und die Massen sind kaum zu halten, auch auf den Rängen tut sich etwas, wobei die Stimmung auf diesen immer weit hinter den Fans auf dem Rasen zurückliegt. Dass der Wahnsinn der Fans noch Steigerung kennt, erklärt sich von selbst, als dann auch die Band selbst die Bühne betritt. Trotz schwarzen Vorhängen ist die Band gut sichtbar und als das erste Lied verklingt, geht es gleich in „Violet Hill“ über. Die Menge tobt, die Boxen krachen, der Vorhang fällt… auf die Band!

Kurze Verwirrung und sichtliche Verärgerung bei Chris Martin, der kurz die Bühne verlässt. Wer sich da wohl etwas anhören durfte. Der Konversationsteil mit dem Publikum wurde durch diesen Vorfall im Nachhinein jedoch stark erhöht, denn der Coldplay-Frontmann wurde nicht müde, sich für die technischen Probleme zu entschuldigen, was wohl auch ein Seitenhieb auf das Personal war.

Gerade oben auf den Tribünen ließ die Menge das kalt, im positiven Sinne. Die Stimmung war ausgelassen, das Eis gebrochen. Klang und Sicht, dank Leinwänden war formidabel und aus der Ferne hat die Hüpfkugel Chris Martin auch einen ganz besonderen Charme. Die „größte Live-Band der Welt“ bewies mit ihrem gewählten Programm auch gleich, dass sie zu den ganz Großen gehören, denn wer Fanfavoriten wie „Clocks“, „In My Place“ und „Yellow“ gleich zu Anfang verpulvert, der ist sich seiner Sache doch sehr sicher. Die Darbietung dieser Stücke untermauert ihre Live-Qualität. Die Lieder werden astrein wiedergegeben, die Band bei ihrer Musik zu sehen, macht alles noch lebendiger und besonders Schlagzeuger Will und Sänger Chris sind eine Augenweide. So viel Herzblut und Spielfreude reißen schon mal 40.000 Menschen mit. Höhepunkt dieses Smash-Hit-Trios ist natürlich „Yellow“, denn beim Einsatz von vielen gelben Riesenballons und strahlend gelbem Licht wird einem immer wieder warm ums Herz.

Dass kein einziges schwaches Lied dabei war, versteht sich wohl von selbst und so kann man nur die Programmpunkte abgrasen. Irgendwann fand sich auf einem der Laufstege ein einsames Piano wieder und so versammelte sich die ganze Band dort. Will brachte noch Percussion mit und schon war Coldplay bereit ein Upbeatmedley von „God Put A Smile Upon Your Face“ und „Talk“ zu kredenzen, welches die Schlagzahlen erhöhte, bevor Chris allein mit dem Piano zurückblieb und ein herzzerreißendes „The Hardest Part“ mit den Fans anstimmte. Nach dem instrumentalen Anschluss „Postcards From Far Away“ kam dann auch schon der Gassenhauer „Viva La Vida“ und diesmal kam es sogar auf den Rängen zum Ausnahmezustand. „Lost!” ging im Anschluss dazu beinahe unter und schon setzten die Briten zum Sprint um die Menge an und platzierten sich auf einer winzigen Bühne am anderen Ende des Stadions. Für die Fans an diesem Platz natürlich ein Traum und die Songs „Green Eyes“ und das von Will performte „Death Will Never Conquer“ gaben selbst dem riesigen Stadion für einige das Gefühl eines ganz intimen Auftritts. Ein netter Einfall der auch in der AWD Arena superb funktioniert.

In einem Meer aus Handyleuchten blinkte und blitzte es dann noch zu einem Michael Jackson Tribut der Truppe, bevor die Band für ein paar Minuten hinter der großen Bühne verschwand. Obwohl nur ein „Viva La Vida“-Remix vom Band ertönte, tobte die Halle weiter und grölte mit. Schließlich donnerte es noch gewaltig mit dem früheren Opener „Politik“, bevor mit „Lovers In Japan“ das wahrscheinlich schönste Lied für die Augen an diesem Abend ertönte. Von oben war schön zu bewundern, wie über den Massen die Konfetti-Schmetterlinge schwebten und ein stimmungsvolles Musikvideo zu dem Track im Hintergrund lief. Ganz große Spitzenklasse der Live-Darbietung.

Das war eigentlich schon nicht mehr zu toppen und jeder Pop/Rockfan, der in diesem Moment Teil des Konzerts war, war wohl bis zum letzten Bisschen erfüllt. So kam es nun folgerichtig zum ersten Finale „Death And All His Friends“. Vom Album bekannt und im Vergleich zum fantastischen „Lovers In Japan“ fast schon routiniert wiedergegeben. Der Spannungsbogen des Liedes selbst erlaubt allerdings gar nicht, dass die Fans nicht mit feuchten Augen die letzten Zeilen mitbrüllen, trällern, singen, krächzen und was noch immer.

Die Band verschwindet, wie nicht selten an diesem Abend, und erst nach minutenlangem „Viva La Vida“-Gesang, erscheint Chris und setzt sich an das Piano. Er bedankt sich artig, wie es seine Art ist und macht auf die Frei-CD am Ausgang aufmerksam, die übrigens auch kostenlos auf der Bandhomepage erhältlich ist, wünscht allen Besuchern eine schöne Heimreise und verspricht zwei letzte Lieder. Natürlich weist er noch einmal auf die technischen Probleme hin, bevor die Band dann zum krönenden endgültigen Finale „The Scientist“ in gefühlvoller Perfektion zum Besten gibt und die Dramaturgie des rundum gelungenen Abends mit „Life In Technicolor II“ krönt.

Spätestens beim Konzert gegen Ende des Liedes ist man hin und weg und auch wenn dieser Moment nicht an die aber tausenden Schmetterlinge heran reicht ist es der fantastische Schlusspunkt der wiederholt unterstreicht: Coldplay stehen zu Recht ganz oben in der Poprockhierarchie dieses Jahrzehnts und ein gutes Jahr nach Veröffentlichung des letzten Albums muss man sich auch als Nicht-Fan eingestehen, dass die Jungs besser und besser und besser werden.

Extraportion: Ein kleiner, aber nötiger Seitenhieb noch für die schöne Stadt Hannover. Ein sehr schlecht oder besser gesagt gar nicht ausgeschilderter Rückweg sorgte für elendig lange Schlangen beim Verlassen der Stadt. Dank einiger Fahrexperimente und einem Navigationssystem fand sich schnell heraus, dass man die Autos durchaus hätte kanalisieren können. Das einzige was diesen perfekten Abend trübte war die schlechte Organisation für alle parkenden Gäste dieses Spektakels. Zumindest konnten sie sich noch einige Male das eben Erlebte im Auto gegenseitig vorjubeln und im Hintergrund die kostenlose Live-CD laufen lassen.

Setlist:

  • Life In Technicolor
  • Violet Hill
  • Clocks
  • In My Place
  • Yellow
  • Glass Of Water
  • Cemeteries Of London
  • 42
  • Fix You
  • Strawberry Swing
  • God Put A Smile Upon Your Face (Remix)
  • Talk (Remix)
  • The Hardest Part (Piano)
  • Postcards From Far Away
  • Viva La Vida
  • Lost!
  • Green Eyes
  • Death Will Never Conquer
  • Billie Jean (Michael Jackson Cover)
  • Viva La Vida (Remix)
  • Politik
  • Lovers In Japan
  • Death And All His Friends
  • The Scientist
  • Life In Technicolor II
  • The Escapist

für CDstarts.de

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