Múm Live: Köln, 07.09.2009, Gebäude 9

  • 11.09.2009
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Múm - Live: Köln, 07.09.2009, Gebäude 9 - News
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Ein Konzert, das der Band am Ende aus den Fingern glitt.

Am vermutlich vorletzten warmen Spätsommerabend des Jahres 2009 spielten mit Múm Lieblinge des Feuilletons und der Musikpresse in den von außen sehr baufällig anmutenden Räumen des „Gebäude 9“. Die Band selbst war, wie auch die Vorband Benni Hemm Hemm, bereits seit Mittags dort und hatte den Tag u.a. mit Interviews im Innenhof und in den Backstageräumen verbracht. Auch noch während des Einlasses spielte die Band nur mit Gitarren ausgerüstet draußen vor sich hin und scherzte herum.

Gegen 21.15 Uhr war es dann mit leichter Verspätung soweit. Benni Hemm Hemm betrat zusammen mit dem Trompeter und einem der Gitarristen von Múm die Bühne. So unscheinbar wie er in seinem gestreiften Pullover aussah, war dann auch der gut 35- bis 40-minütige Gig. Zwar waren die Melodien nett anzuhören und teilweise ausgefeilt arrangiert, aber bis zum Schluss wirkte das ganze recht steif und unlebendig. So hielt sich auch der Applaus zum Abschied in Grenzen.

Die folgende Umbaupause stellte sich als Nervenprobe für die Ohren heraus. Was auch immer es war, das an den Mischpulten als Überbrückungsmusik ausgesucht wurde, es klang wie eine Jahre Kellerband, die bei den ersten Proben aufgenommen wurde, inklusive jaulender Katzen. Glücklicherweise war der Umbau nach gut 20 Minuten geschafft und Múm verteilten sich auf der Bühne und begannen ihr Set ohne Intro. Der musikalische Aufbau des Auftritts war gut strukturiert. Anfangs wurden vor allem sehr ruhige Stücke gespielt, wie das hervorragende „Syndahoffn“ als Opener, das in der Liveversion noch vielfältiger dargeboten wurde, als es ohnehin auf CD klingt. Mit „Hullaballabalú“ wurde auch bald ein Song der neuesten Veröffentlichung „Sing along to songs you don´t know“ gespielt. Die anfänglich spürbare Melancholie wurde nun von Spielfreude überlagert, die dem Publikum sichtlich gut tat, da dieses anfangs sehr verhalten auf die Lieder reagierte. Natürlich kann man bei Múm nicht unbedingt Enthusiasmus im Publikum erwarten, dafür ist die Musik zu komplex, aber dass das Publikum recht lange zum warm werden brauchte, dürfte selbst der Band nicht entgangen sein.

Nach einem sehr schönen ersten Teil des Konzertes wurde es nach „Little bit, sometimes“ zunehmend rockiger und dem Rezensenten wurde immer mehr bewusst, dass die Band, die eigentlich dem Art-Pop zugeordnet wird, live fast schon Art-Rock (nicht zu verwechseln mit Prog-Rock) spielt. Dies war im Übrigen auch ein generelles Merkmal der Band: Die Liveversionen unterschieden sich oft deutlich von den Originalversionen. Natürlich erkannte man die Melodien, aber die Instrumentierung war teilweise sehr verändert und der Einsatz von zwei Gitarren verschob den Schwerpunkt von den elektronischen Klängen weg.

Der experimentelle Charakter der isländischen Band kam dann gegen Ende des Konzertes deutlich zum Vorschein. Nicht nur dass immer mehr, teilweise sehr ungewöhnliche Instrumente (z.B. Kindertröten) bespielt wurden, auch die Songs wurden immer abenteuerlicheren Modernisierungen unterzogen. An sich eine sehr erfreuliche Sache, hätten es Múm nicht am Ende gar zu sehr übertrieben. Aus dem an sich ruhigen „Green Grass of tunnel“ wurde in den letzten zwei, drei Minuten eine ohrenbetäubende Noise-Attacke, die teilweise bei Zuschauern zu Schwindel und Atemnot führte, gemacht. Schade, denn die sympathischen Skandinavier hatten bis dahin ein auch vom Sound her tolles Konzert geboten, das am Ende aus den Fingern glitt. Inwieweit es am Soundmixer oder der Band selber lag, kann man nur spekulieren.

Setlist:

  • Syndahoffn (Illuminated)
  • Marmalade fires
  • Hullaballabalú
  • Blessed brambles
  • If I were a fish
  • Blow your nose
  • Little bit, sometimes
  • The smell of today is sweet like breastmilk in the wind
  • Show me
  • Last shapes of never
  • Guilty rocks
  • Dancing behind my eyelids
  • They made frogs smoke ´till they explode
  • Prophecies & reversed memories
  • Sing along to Songs you don´t know
  • Green grass of tunnel

für CDstarts.de

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