Progressive Nation European Tour - Live: Berlin, 29.09.2009, Arena

  • 02.10.2009
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Progressive Nation European Tour - Live: Berlin, 29.09.2009, Arena - News
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Dream Theater, Opeth, Bigelf und Unexpect auf der Bühne.

Endlich ist es soweit und die von Dream-Theater-Schlagzeuger Mike Portnoy ins Leben gerufene Progressive Nation Tour kommt auch nach Europa. Letztes Jahr nur in Amerika zu Gast, waren neben dem Headliner Dream Theater noch Opeth, Between The Buried And Me und 3 zu bestaunen. In diesem Jahr ging es durch Nordamerika mit Zappa Plays Zappa, Bigelf und Scale The Summit, obwohl eigentlich Pain Of Salvation und Beardfish vorgesehen waren. Diese mussten aber aufgrund der Insolvenz der Plattenfirma SPV Records absagen.

Die fünfte Station der diesjährigen europäischen Tour ist Berlin und an Bord des Tourgespanns befinden sich neben Dream Theater Opeth, Bigelf und Unexpect. Eine große Schlange vor dem Eingang der Arena, Autos mit Kennzeichen jenseits der Berliner Landesgrenzen sowie die aus vielen Autoradios dröhnende Musik von Dream Theater und ich wusste bereits, wo ich gelandet war. Es ging zügig voran und die Warterei wurde durch die Beobachtung von Engländern, die Tourshirts verkauften und Obdachlosen auf der Jagd nach leeren Bierflaschen der zum Konzert anstehenden Musikfreunde deutlich erleichtert. Drinnen angekommen war das Erstaunen groß über Sitztribünen, die in der Mitte der Arena aufgebaut wurden. Das bunt gemischte Publikum nahezu jeder Altersklasse von den Hartgesottenen Metalfans bis zu Herren in Hemd und Jeans hat aber die Sitzplätze gerechtfertigt.

Los ging es mit Unexpect, einer siebenköpfigen Band aus Kanada, die eine sehr avantgardistische Metalrichtung einschlägt (eine ähnliche Richtung beschreiten Stolen Babies.). Augefallen sind die Bandmitglieder mehr durch Frisuren und Haargewackel, anstatt mit Musik. Besonders die Sängerin wusste ihre Haarpracht, die bis zum Hintern reichte, gekonnt beim Headbanging einzusetzen (ob Sie wohl einen eigenen Roadie zum Haarewaschen hat, so wie Jennifer Lopez einen zum Nippelaufrichten hat?). Aber auch die Männerfraktion wusste mit langen Dreads (Gitarrist und Bassist) oder gar keinen Haaren (zweiter Gitarrist) zu überzeugen. Ok, genug Haare. Die Musik war schwer fassbar, ziemlich verkopft und daher beim ersten Konsum wohl nicht einfach im Empfang. Der nicht besonders gute Sound hat sein übriges getan. Diese Musik muss man einfach besser kennen, um sie genießen zu können. Ein Hingucker war aber auf jeden Fall der monstermäßige Bass oder besser gesagt sein Hals. Ich weiß nicht, ob es ein 6 oder 7-Saiter war, das konnte ich von meiner Position nicht erkennen, aber Respekt dafür. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch der Geigespieler und der Keyboarder, damit die Band komplett vorgestellt ist.

Als es nach kurzer Abbaupause wieder dunkel wurde in der Arena ertönte der Imperial March von Star Wars, bevor die vier Bärtigen Amerikaner von Bigelf auftauchten. Das ist mal eine Ansage. Sie legten gleich mit „The Evils Of Rock N Roll“ los und man fühlte sich um 30 Jahre zurückversetzt. Ihre Mischung aus allen guten Hardrockgrößen der alten Schule (Deep Purple, Led Zeppelin, Queen, Beatles,…) kam beim Publikum gut an. Der Sänger war eingebettet zwischen einer Hammond und einem Mellotron, was ziemlich abenteuerlich aussah. Sogar eine Fledermaus war in der Halle unterwegs. Es fehlte eigentlich nur Ozzy Osbourne, um sie einzufangen und ihr den Kopf abzubeißen. Der Sound war besser und dieser alte und gleichzeitig doch moderne Hardrock hat richtig Spaß gemacht. Schade, dass sie nur 35 Minuten gespielt haben.

Die dritte Band des Abends war Opeth und man merkte schnell, dass die Bands nach ihrer Popularität bzw. ihren finanziellen Mitteln aufgestellt wurden. Alleine die Lichtshow, auch wenn nicht programmiert, sondern von einem Techniker manuell gesteuert, hatten die vorigen Bands nicht zu bieten (es sah klasse aus wie der Lichttechniker mit einer Hand sich das Kinn gestützt hat und mit der anderen wild auf den Knöpfen der Lichter gehämmert hat.). Der Frontmann und Mastermind Akerfeldt war, wie üblich, in guter Laune, was bedeutet, dass er seine typischen humoristischen Sprüche gekloppt hat. Bei einem davon kam die Band Extreme nicht so gut weg. Nach der Frage, ob man die Band kenne, meinte Mikael, dass sie gar nicht extrem sind sondern eher „Pussy Shit“. Dabei haben sie selber mit dem ruhigen „Windowpane“ ihr Konzert eröffnet. Neben einigen Songs von „Watershed“ durfte natürlich der Liveklassiker „Deliverence“ mit seinem charakteristischen Schlagzeugende nicht fehlen. Leider konnten Opeth vom Sound auch nicht ganz überzeugen. Das Schlagzeug war zu laut und dröhnend und allgemein klang ihre Musik in den lauten Momenten nicht transparent genug. Schade, denn sie können es besser.

Nach einer halben Stunde Pause war die Spannung und Erwartung groß auf den Beitrag von Dream Theater. Als die ersten Töne von „A Nightmare To Remember“ ertönten war sofort klar, dass hier absolute Profis am Werk sind. Guter Sound, super Lichtshow und punktgenaues musizieren, aber nichts anderes hat man erwartet von den Meistern des Progressiven Metal. Drei Leinwände haben das Geschehen auf der Bühne als auch verschiedene Videoclips gezeigt. Jeder Musiker hatte seine eigene Kamera, die ihn bei Soloeskapaden aus der Nähe zeigte. Wenn Portnoy richtig die Basedrums bearbeitet hat (er hatte drei!), ist ein Beamer ab und zu abgeschmiert. Das sagt einiges, oder?

Apropos Drums. Portnoy hatte wie üblich ein Megaschlagzeug um sich herum. Der einzige der da mithalten kann ist der gute Neil Peart von Rush, der übrigens Mikes Vorbild ist. Schließlich haben Dream Theater als Rush-Coverband angefangen. Zurück zum Konzertgeschehen. Nach einer ausgedehnten Version von „Hollow Years“, die mir bis dato unbekannt war, durfte sich Jordan Rudess ein wenig an den Tasten austoben. Er ist ja bekannt für seine ständigen neuen Spielzeuge. War es noch zuletzt das Continuum, hat er jetzt ein Umhängekeyboard (auch Keytar genannt) im spacigen Design, dazu ein Zaubererhut und los ging’s mit der Show vom Zauberer von Oz. Er hatte sogar seinen eigenen ausklappbaren LCD-Bildschirm auf dem er als Komikfigur mit jenem Hut die Keyboardtasten bearbeitet. Schön, dass sie sich nicht zu ernst nehmen, sondern wirklich Spaß haben da oben auf der Bühne. Ich hatte ihn auf alle Fälle und das nicht nur die anderthalb Stunden bei Dream Theater sondern den ganzen langen Abend. Progressive Nation rules!

Setlist:

Unexpect von 18:55 bis 19:30


Bigelf von 19:40 bis 20:15


Opeth von 20:30 bis 21:35


  • Windowpane
  • The Lotus Eater
  • Reverie/Harlequin Forest
  • Hessian Peel
  • Deliverance
  • Hey Omega
  • Dream Theater von 22:05 bis 23:40


  • A Nightmare To Remember
  • A Rite Of Passage
  • Hollow Years
  • Keyboard Solo
  • Erotomania
  • Voices
  • In The Name Of God
  • The Count Of Tuscany
  • für CDstarts.de

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