Thomas Godoj Live: Köln, 08.12.2009, Live Music Hall

  • 28.02.2010
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Thomas Godoj - Live: Köln, 08.12.2009, Live Music Hall - News
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Ein erfolgreicher Befreiungsversuch vom Casting-Image.

Dass Thomas Godoj auf seiner aktuellen Deutschlandtour nach Köln kommen würde, war zu erwarten. Dort wurde er durch RTL immerhin zum deutschen „Superstar“. Doch früh war klar, dass er dies nur als Sprungbrett nutzen würde, um sich spätestens mit Veröffentlichung seines zweiten Albums „Richtung G“ vom Casting-Image zu befreien.

Bevor es soweit war, betrat in der fast ausverkauften Live Music Hall Duncan Townsend die Bühne. Entgegen aller Erwartungen kam er ohne Band auf die Bühne und stellte die Titel seiner aktuellen CD akustisch solo mit Gitarre vor. Eine gute Entscheidung, denn so roh und ungeschliffen bekamen die Songs mehr Kanten als auf seinem Debüt-Silberling. Die immer wieder in den Texten anklingende Sozialkritik des Wahl-Hamburgers wurde so deutlicher hervorgehoben. Auch seine erklärenden und einführenden Kommentare zu den einzelnen Songs wirkten sich keinesfalls störend aus. Ein Support, der seine Arbeit überaus gut machte, sympathisch wirkte und auch nach seinem Auftritt die Nähe der Fans suchte.

Nach einer kurzen Umbauzeit von 10 Minuten, in der vor allem die Verkabelungen überprüft, die Instrumente eingepegelt wurden und die Videoleinwand im Hintergrund installiert wurde, erschien Thomas Godoj schwungvoll auf der Bühne und ließ mit „Stückchen Ewigkeit“ keinen Zweifel daran, dass er nicht interessiert war, die Titel der aktuellen Scheibe eins zu eins nachzuspielen. Unmittelbar wurde klar, dass es sich nicht unbedingt um das Konzert des Einzelkünstlers mit Band im Hintergrund handelte, sondern dass sich hier ein Bandgefüge präsentierte, das miteinander menschlich und musikalisch sehr gut harmoniert. Einzig kleinere technische Probleme mit dem Sender des kabellosen Mikros von Godoj und seinem In-Ear-Monitor störten den Gesamteindruck bei den ersten drei Songs etwas.

Als alle Probleme gelöst waren, wirkte Thomas Godoj gelöster und sprach das Publikum, welches älter schien als es zu erwarten war und von Beginn voll mitging, zum ersten Mal direkt an. Dabei präsentierte er sich sympathisch und betonte, dass er trotz des zeitweiligen Medienrummels, der Alte geblieben und einer von ihnen sei. Im weiteren Verlauf beherrschten zwar Rocksongs den Abend, aber gerade in den wenigen ruhigen Liedern zeigte sich die stimmliche Variabilität des Sängers. Für viele Zuschauer überraschend waren jedoch zwei Titel, die sich auf keinem seiner Soloalben finden. Dabei handelte es sich mit „Explosion“ und „Liebe zur Sonne“ um alte Lieder, die noch aus der Zeit vor DSDS mit der Band Wink stammten.

Nach eine sehr kurzen Pause, in der sich die Musiker umzogen, es war in der Halle extrem heiß, begann ein besonderer Teil des Abends. Mit „Auf den Beinen“ und „Autopilot“ wurden zwei Single B-Seiten akustisch vorgestellt. Mit dem großen Applaus zum Ende dieses Blocks zeigte sich, dass der Geschmack des Publikums getroffen wurde und es auch gerne noch ein paar akustische Stücke mehr hätten sein dürfen.

Vor „Winterkinder“, dem emotionalen Höhepunkt des Abends, sprach Thomas Godoj den Verein Dunkelziffer e.V. an, den er unterstützt. Dieser Verein bietet Hilfe für sexuell missbrauchte Kinder an. „Winterkinder“ handelt von solch einem Fall. Parallel zu dem ergreifenden Lied wurden auf der Videowand Statistiken gezeigt, welche die Brisanz des Tabuthemas unterstrichen. Vor „Starschnitt“ einem weiteren Titel des Albums „Richtung G“ holte Godoj dann zum Rundumschlag gegen die Castingflut im deutschen TV aus. So sprach er die Probleme des Dauerdrucks von Seiten der Sender und der Macher hinter den Sendern sowie die bekannten Knebelverträge an und kritisierte sie deutlich. Er ließ dabei aber nicht außer Acht, dass gerade diese Castings sein Sprungbrett ins Business waren.

Je länger das Konzert währte, umso besser wurde der anfänglich mittelmäßige Sound. Dies merkte man auch den Musikern an, die sich bei „Let it be“ in einen wahren Rausch spielten. Kurzerhand nahm Godoj daraufhin ein ausführliches Bad im Publikum und durchquerte es scherzend, tanzend und singend, bis er nach einem Abstecher in den abgeteilten Behindertenbereich, wieder auf der Bühne ankam. Die Band verschwand erneut kurzzeitig und nach 3 Zugaben, u.a. „Helden gesucht“, nahm schließlich ein mitreißender, fast 2¾-stündiger Gig sein Ende.

Setlist:

  • Stückchen Ewigkeit
  • Alles was nicht existiert
  • Von allem etwas
  • 10 Meterbrett
  • Schnee von gestern
  • Explosion
  • Morning sun
  • Cocoon
  • Liebe zur Sonne
  • Auf den Beinen
  • Autopilot
  • Winterkinder
  • Uhr ohne Stunden
  • Starschnitt
  • Notizen
  • Zwicla Milosz
  • Let it be
  • Walking with you
  • Nicht allein
  • Helden gesucht

für CDstarts.de

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