Konzertberichte

Ingrid Michaelson - Live: Köln, 27.05.2010, Kulturkirche

Den Anfang an diesem Abend machten zunächst der Australier Michael Squire, der zu diesem Gig lediglich mit einem Begleitgitarristen angereist waren. Was hierzulande in Bandbesetzung aus dem aktuellen Radioprogramm nicht wegzudenken ist und durchaus als nicht schlecht angesehen werden kann, sollte akustisch dargeboten werden. Der 30-minütige Gig wusste so allerdings nicht völlig zu überzeugen, den Songs fehlte es in dieser schlichten Besetzung einfach an Pep. Das Verhalten des Sängers wirkte zudem unsicher, was sich nicht zuletzt in ausgiebigen Plappereien erstreckte. Schade.

Mit Ingrid Michaelson und ihren beiden Begleitmusikern sollte sich der Abend allerdings maßgeblich ändern. Die Sängerin selbst bot ihr Bühnenprogramm ebenfalls in eher akustischer Version dar, dabei nahmen ihre Songs allerdings keinerlei Verluste gegenüber den Studioaufnahmen in Kauf. Mochte Ingrid selbst zunächst in ihrer Erscheinung schüchtern wirken, wurde man spätestens mit den ersten Gesangsversen eines Besseren belehrt und vom Stuhl gerissen. Auf den Tonträgern bewies sich die Sängerin schon als unglaubliches Stimmtalent, doch live wusste die Amerikanerin dieses noch bei weitem zu übertreffen. Ihre Stimme bestach nicht nur mit einer begeisternden Stimmbreite sondern vor allem mit dem darin liegenden Gefühl.. Gänsehautmomente waren ebenso wenig wegzudenken, wie absolute Begeisterung während der schnelleren Songs.

Das Zusammenspiel mit ihren beiden Musikern zu beobachten war ebenfalls eine wahre Freude. Beide brachten eine ordentliche Portion Talent mit und auch die Chemie zwischen den drei Musikern schien so perfekt zu stimmen, dass deren Energie mühelos aufs Publikum übertragen wurde. So war auch die Basis für kleinere und größere Scherze geebnet. Zum Running Gag des Abends wurde so das Knicksen der gesamten Band, das als typisch amerikanische Dankesgeste erklärt wurde.

Auch an Emotionalität durfte es an diesem Abend nicht fehlen. Ingrid zeigte sich absolut begeistert und gerührt über den tosenden Applaus der deutschen Fans. Besonders nach eigentlichem Konzertende wollte dieser einfach nicht abebben, so dass die Sängerin mehrere Male wieder auf die Bühne kam und weit mehr als die eigentlich geplanten Zugaben spielte und sich zu Tränen gerührt zeigte. So wurde noch der ein oder andere musikalische Fanwunsch erhört, ehe sie sich mit „Can't Help Falling In Love“ nach ca. 85min endgültig von der Bühne verabschiedete.

Mit der Kulturkirche wurde für diesen Anlass wirklich der perfekte Veranstaltungsort gefunden, denn die Akustik der Kirche ist großartig, wenn auch es nicht unbedingt leicht sein mag, dort perfekt abzumischen. In diesem Sinne auch ein Lob an den Tontechniker, der für die richtige Feinabstimmung sorgte. Ebenfalls ein Lob an die Lichttechniker, die die Mittel der Kulturkirche perfekt zu nutzen wussten und Ingrid stets ins rechte Licht rückten.

Setlist:

  • Soldier
  • Die Alone
  • The Hat
  • You + I
  • Be OK
  • Creep
  • Sort Of
  • Mountain
  • Everybode
  • The Chain
  • The Way I Am
  • Parachute
  • Maybe
  • Night Swimming
  • Can't Help Falling In Love


  • Stephanie Wunderl für CDstarts.de