Alien Sex Fiend Live: Köln, 17.07.2010, Essigfabrik

  • 13.08.2010
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Alien Sex Fiend - Live: Köln, 17.07.2010, Essigfabrik - News
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Alien Sex Fiend mit neuem Album auf Tour.

Vor gut 30 Jahren wurde die Band Alien Sex Fiend von Nikolas und Christine Wade alias Nik Fiend und Mrs. Fiend, im Batcave-Club in London gegründet. Dort spielten sie ab 1982 Musik zu alten Stummfilmen. 1986 wurden sie, inzwischen in der Gothic-Industrial-Punkszene bekannt, eingeladen als Support auf Alice Coopers UK-Tour mitzukommen. In den folgenden Jahren mischte sich ihr Stil aus Gothic-Punk und Post-Industrial mit Ambient und Technoklängen. Die Veröffentlichungen ab 1992 verkauften sich dann nicht mehr so gut, da die teilweise immer avantgardistischer werdenden Klanggebilde der Band bei Kritik und Fans nicht gut ankamen. Erst 2004 rückten die beiden Musiker, die sich in der Zwischenzeit auch in der bildenden Kunst einen Namen machen konnten, nach der Veröffentlichung des Albums „Information Overload“ wieder im Blickpunkt des Interesses. 2010 wurde nun „Death Trip“ veröffentlicht, ein Album, das eher aus apokalyptischen Soundcollagen als aus Songs besteht.

Als Support des Konzertes in der Essigfabrik war ursprünglich Bettina Köster (Ex-Malaria) eingeplant. Da sie aber auf dem Weg von Sardinien nach Köln mit dem Auto im Stau stand, konnte sie nicht auftreten. Der wartenden Menge schien dies ziemlich egal zu sein, sie nutzten die verlängerte Zeit bis zum Konzertbeginn bei brütender Hitze in und vor der Halle um sich an den Getränkeständen zu verköstigen. 21.00 Uhr war es dann soweit. Die Bühne war inzwischen fertig ausstaffiert worden und zwischen Requisiten wie Totenköpfen, verunstalteten Schaufensterpuppen und Spinnweben tauchten im grellen rot-grünen Licht Mr. und Mrs. Fiend, sowie ein bis zum Schluss anonym bleibender Gitarrist auf und begannen ohne große Umschweife das Konzert. Während Mrs. Fiend die meiste Zeit hinter einem hohen Elektronikturm im Bühnennebel verschwand, stand vor allem Sänger Nik Fiend, dessen Aussehen an Max Schreck aus dem Filmklassiker „Nosferatu“ erinnerte, im Blickpunkt des Interesses.

Mit „I walk the Line“ und „In & out of my mind“ startete die Bands mit zwei Klassikern aus den 80ern den Gig. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt wurde deutlich, dass man nun einem „Best of“ - Auftritt beiwohnen durfte. Dass Alien Sex Fiend aber trotz aller Düsternis auch über eine gehörige Portion skurrilen Humors verfügen, zeigte sich als aus dem Backstagebereich eine aufblasbare Riesenbanane ins Publikum mit dem Kommentar „Viel Spaß damit!“ geworfen wurde. Auch wenn dies scheinbar nicht zum Ambiente passte, die Menge hatte das gesamte Konzert Spaß mit dem Requisit. Mit „Bun Ho!“ konnte auch das letzte müde Tanzbein des Publikums in der gut gefüllten Halle geweckt werden und „Ignore the machine“, die erste Single der Band aus dem Jahr 1982, entwickelte sich mit den stampfenden Beats und dem verzerrten Gesang zu einem der zahlreichen Highlights des Abends.

Die auf der Bühne stehende Mülltonne kam dann bei „Now I´m feeling zombiefied“ zum Einsatz. Nik Fiend stürzte wie ein Berserker auf sie zu und durchwühlte sie während er sang. Dabei warf er die gefundenen Plastikknochenteile und Schädel ins Publikum bis er am Ende zwei Knochen in Händen hielt und damit den Rhythmus des Songs mitklopfte. So reihte sich ein bekannter Song an den anderen und die eingefleischten Fans kamen aus dem Jubeln und Tanzen gar nicht mehr heraus. Voller Adrenalin bemerkten die meisten Gäste auch nicht, das im letzten Drittel des Konzertes der Tontechniker mit der Lautstärke übertrieb. Die, die es bemerkten, verließen teilweise kopfschüttelnd die Halle. Somit verpassten sie mit „Get into it“ (1985) auch die Lesung aus dem legendären IT-Book der Band, welches sie durch ihre Karriere begleitet. Nachdem mit „Dance of the dead“ der einzige Song des aktuellen Albums überzeugend präsentiert wurde, kam der „Hurricane“, der akustische und visuelle Tiefschlag des Konzertes. Der Song aus der extremen Technophase ASFs wurde in einen Klangbrei getaucht und das Stroboskoplicht wurde sehr übertrieben eingesetzt. Nach fast zehn Minuten hatte der Spuk glücklicherweise ein Ende und mit „R.I.P.“ wurde ein weiterer Klassiker der Bandhistory gespielt. Dies führte dazu, dass sich die Halle pünktlich zur Zugabe wieder füllte. So gab es mit „E.S.T“ und „Boneshaker“, diesmal mit Mrs. Fiend an der zweiten Gitarre, nochmal zwei großartige Klassiker bevor die Band nach fast zwei Stunden und 45 Minuten endgültig im Backstagebereich verschwand und ein restlos begeistertes Publikum, das noch lange jubelte, hinterließ.

Setlist:

  • I walk the line
  • In & out of my mind
  • Venus
  • Bun Ho!
  • Ignore the machine
  • Isolation
  • Now i´m feeling zombiefied
  • Garbage
  • 30 seconds coma
  • Gotta have it
  • Shit
  • Get into it
  • Dance of the dead
  • Hurricane
  • R.I.P.
  • E.S.T. (Fly to the moon)
  • Boneshaker baby

für CDstarts.de

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